Hightatras:

Der Baron bietet den Geheimgesellschaften Paroli

Soeben hatte sich der Baron durch eine halbgefüllte, hellblaue Schale Bircher Müsli hindurchgefräst. Löffel für Löffel die nie wiederkehrende Beschaffenheit der zu amorphen Scheiben zertrümmerten Haferkörner in sich aufnehmend. Ein halbes Micro sollte für den heutigen Vormittag genügen. Deprogrammierung, für den Baron die vordringlichste Aufgabe im Moment, physisch ist er hier in Sicherheit. Oberberg war unhaltbar geworden. Langsam schwimmt Waldsteiger hinüber in sein großzügiges Kaminzimmer. Durch die aufgeschobenen Fensterflügel, der Blick über den Lago Maggiore, und die angrenzenden halbhohen Berge im vormittäglichen Sonnenglast. Unerträglich, nicht an diese Himmelstrübungen denken, der Baron wendet seinen Blick ab und versenkt sich, auf einen leise schnaufenden Eames-Sessel sinkend, in die Maserung des aus Teakholz gearbeiteten Parketts zu seinen Füßen. Nähe beruhigt, Weite wühlt auf. Der Baron muss alles schädliche aus seinem Gehirn löschen, man hatte ihm in letzter Zeit reichlich zugesetzt. Mehr

Thematischer Schwerpunkt: »Superhelden« | Kommentare (1)

Künstliche Lotusblüten und Eispickel aus Titanstahl

Am Samstag habe ich wider Erwarten ein gutes thailändisches Restaurant kennengelernt. Ausgezeichnet frisches Gemüse und gebratenes Tofu in angenehm gewürzter Kokossauce, zudem schön auf dem Teller angeordnet. An der Wand, in vielleicht drei Metern Höhe, ein kleiner Schrein bestehend aus einem goldenen Plastikbuddha sowie diversen falschen Räucherstäbchen, deren Glühen durch eine in der Spitze eingelassene Leuchtdiode simuliert wird. Dieses Arrangement flankierend, ein wahrer Paradiesgarten künstlicher Lotusblüten, die Blütenblätter, von unsichtbarer Mechanik getrieben, in steter Bewegung. Aufblühen und Vergehen, der Klimax des ewigen Kreislaufs überhöht durch das Erstrahlen von in dem Blütenkelch aus Kunststoff angebrachten pastellfarbenen Glühlampen. Unter dieser labilen, aus handwerklicher Sicht höchst fragwürdig angebrachten, heiligen Konstruktion einige biertrinkende Amerikaner, die weltliche Themen erörtern, Bluetooth, mobiles Internet — sone Typen. Mehr

Thematischer Schwerpunkt: »Materie« | Kommentare (0)

Zahnbehandlung

Heute ein längerer vormittäglicher Besuch beim Zahnarzt. Ohne mich in meinem Alter noch ernstlich vor Zahnarztterminen zu fürchten, dennoch ein flaues Gefühl im Magen bei gleichzeitiger Entspanntheit und normaler Herzfrequenz. Ein Atavismus, da kann man nichts machen. Die Zimmerpalme des Wartezimmers gedeiht prächtig und wird von Besuch zu Besuch immer größer. Unter Palmwedeln verborgen sitzt bei meinem Eintreten schon ein weiter Patient, liest die Bunte und sagt »Mahlzeit« zu mir, als Begrüssung. Um 11 Uhr. Eigentlich lese ich Zeitschriften nur beim Zahnarzt und stelle hier immer wieder fest, wie uninformativ die Artikel zumeist sind, obwohl ich als wartender Patient unbedingt zumindest nach Unterhaltung lechze. Nächstes Mal die Bunte wenn möglich, würde mich nicht wundern wenn der Inhalt besser als der des Spiegel wäre. Meine heutige Behandlung besteht in der Überkronung eines durch widrige mechanische Einwirkung verlorenen Zahnes. Von meinem Behandlungsstuhl habe ich einen ausgezeichneten Blick auf den aktuellen Zahnarztkalender. Herrliche Schwarzweißaufnahmen von abstraktem Lichterspiel auf makellos kariesfreiem Zahnschmelz. Währenddessen bohrt der Doktor, er hat eine reichhaltige Auswahl an Bohrmaschinenvorsätzen die heute alle zum Einsatz kommen. Das beste Material für Kronen sind in jeder Hinsicht die Edelmetalle namentlich Gold, sagt der Zahnarzt, plötzlich gesprächig werdend, als ich in einer Behandlungspause nach neuen Werkstoffen in der Zahnheilkunde frage. Hätte ich ja nicht gedacht, daß man bis zum heutigen Tag keinen brauchbaren, zahnähnlichen Kunststoff entwickeln konnte. Gold für die Schneidezähne will jedenfalls keiner offenbar. Dabei könnte man mit so einem schönen Goldzahn bestimmt reichlich Eindruck schinden und alle denken man hätte Kontakte zur Mafia. Mehr

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Auf dem Köppchensee

Das niederschlagsfreie, kalte und sonnige Winterwetter hält an. Der Köppchensee ist am Tegeler Fließ, zwischen Schildow und Lübars in einer kühlen Senke gelegen. Hier ist es vermutlich ein bis zwei Grad kälter als im besiedelten Zentrum, das Eis somit ideal zum Schlittschuhlaufen. Insbesondere in windabgewandten Lagen ist die Eisqualität des ehemaligen Torfstichs gut bis sehr gut, zumal im Gegensatz zu innerstädtischen Gewässern hier die festgefrorenen Silvesterraketen fehlen. Ein mittelgroßes, mit Röhricht und altem Baumbestand urwaldartig bewachsenes, buchtenreiches Seengebiet, zur Ostseite von einem sandigen Abhang begrenzt. Die Szenerie auf dem Eis wirkt wie eine moderne Variation niederländischer Genremalerei des goldenen Zeitalters. Goretex, Cargohosen, Mobilfunk und Eishockeyschläger. Im Gegenlicht fügen sich die Eisläufer holzschnittartig zu perfekten Arrangements. Konstellationen die in der Bewegung zerfallen und sich neu bilden. Die umgebende Landschaft und das Eis hingegen sehr tonwertreich mit reich nuancierter Farbigkeit. Mehr

Thematischer Schwerpunkt: »Umfeld« | Kommentare (0)

Böhmische Schweiz

Mit der Bahn ist es subjektiv eine kurze Reise von gut drei Stunden bis Schöna. Von hier Überfahrt mit dem Raucherschiff nach Hřensko. Ungesunder Teint und gelber Qualm, einer der Reisenden hat eine künstliche Lunge die ihn aus einer schwarzen Umhängetasche mit Sauerstoff versorgt. Auf der tschechischen Seite der Elbe sind Rauchwaren auch für minder Betuchte wohlfeil. Der frühere Holzhandelsplatz und gründerzeitliche Touristenort Herrnskretschen ist heute geprägt von vietnamesischen Verkaufsbuden, die sich durch den, an das Flüßchen Kamenice geschmiegten, Talort ziehen. Hier mündet der Kamnitzbach in die Elbe, weiter Flußaufwärts wird die Kamenice von Sandsteinfelsen zu einer tiefen Klamm eingeschlossen. Im Sommer kann man die Edmundsklamm (Tychá souteska) mit flachen Kähnen befahren, im Dezember findet hier keine Schifffahrt statt, auf diesem Weg ist Mezná nicht zu erreichen, auch nicht zu Fuß, eine eiserne Tür ist in eine Felsspalte eingelassen und verwehrt die Passage. Daher also mit einem kleinen Bus von Hřensko nach Mezná, am Steuer ein betrügerischer Busfahrer. Eine Fahrt von gut zwanzig Minuten durch neu verschneiten Wald und überpuderte Sandsteinfelsen. Mezná (Stimmersdorf) ist die einzige Gemeinde im Nationalpark České Švýcarsko. Der Ort liegt auf einer kleinen Anhöhe, im Norden blickt man auf den südlichen Teil des Elbsandsteingebirges zur anderen Seite über das Kamnitztal auf sanft gehügelte Wälder und kegelförmige Basaltkegel, namentlich der Rosenberg, die höchste Erhebung hier. Mehr

Thematischer Schwerpunkt: »Reiseberichte« | Kommentare (0)

Lübars im Winter

Felder und Alleebäume bei Lübars. Frostige Luft und Sonnenschein. Error2, Flashkarte gefroren.
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Thematischer Schwerpunkt: »Witterung« | Kommentare (2)