Hightatras:

Museum of Misshapes

Gut im Raum angeordnete Glasvitrinen präsentieren eine kleine Sammlung rarer Ausschußware. Objekte, die aufgrund von maschinellen Fehlern oder menschlichem Versagen vom Rest der Produktion abweichen und so, unverkäuflich, eine eigene Klasse der Ästhetik bilden. Der Kurator der Ausstellung bereist auch entlegene Teile der Welt, auf der Suche nach geeigneten Exponaten. Mit an Autismus grenzender Sicherheit scannt der Kurator, im Beisein insgeheim feixender Industriearbeiter, größere Container mit B-Ware, um manchmal nur ein einziges, sehr gutes Stück aus dem Meer des Unrats zu wählen. Von seiner Hand wird Abfall zu Kunst, zumeist verläuft die Suche allerdings ergebnislos. Mehr

Thematischer Schwerpunkt: »Schlaf« | Kommentare (0)

Touristen

Ein, nach nächtlicher Zugfahrt erreichter, leicht morbider Badeort, wirkt ostblockhaft und zugleich bergig mediterran. Der Seesteg, auf den ich trete, um den Fahrplan zu lesen, entpuppt sich als eigenwillig geformte Barkasse; plötzlich startet das Gefährt zu führerlos ferngesteuerter Überfahrt. Am jenseitigen Ufer stehen Arbeiterquartiere auf einer hohen Düne am Seeufer. In einer Wohnung mit vielen Fenstern. Seeblick (recht sonnig), ein trostlos sandiger Spielplatz zur anderen Seite, und, eingeklemmt zwischen weiteren grauen Wohnanlagen, einige Fabrikhallen. Die Wohnung ist sparsam möbliert. In Hängeregalen eine Sammlung von Ferngläsern, Nachtsichtgeräten und Photoapparaten aus unterschiedlichen Epochen. Alles dunkel und matt; optische Armeeware. Mehr

Thematischer Schwerpunkt: »Schlaf« | Kommentare (0)

Zitronenwasser (un mezzo litro)

Sich mit Eis mischendes, lauwarmes Leitungswasser erzeugt in der Karaffe komplexeste thermische Strömungen. Winzige Turbulenzherde, verhalten platzende Eiswürfel und nach unten ausflockende, nah am Eichstrich zusammendrängende Zitronenstücke. Tyndalleffekte vor Gardinenlicht. Säurebedingte Gasentwicklung an träge sinkenden Fruchtfleischpartikeln. Auf dem Sofa liegend, den Kopf um zwei Grad drehen. Luftschiffe im Landeanflug auf Berlin. Geschäftsleute, die ihre Krawattenknoten richten und in Gedanken schon nach dem Jacket tasten. Unten, im Garten hinter dem Haus, hat man krabbelnde Kinder in flache blaue Schwimmbassins eingelegt, sie quengeln dann weniger.

Thematischer Schwerpunkt: »Haushalt« | Kommentare (0)

Der Biberstaat

In einem blühenden Land herrschten Vögel über die Bewohner von Wald und Flußauen. Seit jeher erwirtschafteten die Biber den Bärenanteil des nationalen Reichtums. Ihre Holzwirtschaft und ihr Wissen um die Baukunst galt über Ländergrenzen hinweg als meisterlich. Der Biberstaat wuchs und gedieh, während es sich die Vögel in ihrem Baumhaus wohl sein ließen. Mit den Jahren kamen und gingen die Kraniche, Gänse und Raben und alles schien auf ewig gut. Den Wölfen, die in öden Teilen des Waldes lebten, oblag es, die im Staate anfallenden niederen Tätigkeiten auszuführen. Aas und Abfälle zu beseitigen, mit bloßen Pfoten Brennesseln auszugraben und Himbeeren zu ernten, ohne selbst von den Früchten naschen zu dürfen. Ihnen verblieb das mindere Fleisch, welches die Raben verschmähten. Zu ihrer Aufmunterung ließen die Vögel, tönerne, mit Bier gefüllte Krüge im Wald aufstellen. Und die Wölfe labten sich an den Krügen und versanken in traumlosen Schlaf. War ein Tier schwach und alt geworden, so nährte es ein, von den Vögeln verteiltes, Gnadenbrot. Mehr

Thematischer Schwerpunkt: »Modelle« | Kommentare (0)

Fundraising Pro

Hallo, haben Sie auch ein Herz für Tiere? richtet man auf städtischer Kreuzung das Wort an mich. Meine Handlungsmöglichkeiten: entweder direkt das Portemonnaie zücken, oder Antworten wie: Bedaure Sportsfreund, ich ernähre mich ausschließlich von Katzenleber und Seehundsblut, kurz den Hut lüften und Wiedersehen. Grotesk unseriös, zumal der Suggestivfragensteller nun offensiv auf mich zutritt, an seiner Schulter sind werksseitig zwei stattliche Fleischwürste installiert, die einladend auf einen, mit ausfüllbereiten Unterlagen bestückten, Tisch weisen.

Thematischer Schwerpunkt: »Passanten« | Kommentare (0)

Ich will Pommes (Behelfsüberschrift)

Nachmittags mal kurz über diverse Aspekte sprachlicher Deprogrammierung nachgedacht. Mögliche Therapieform: Unter Einfluss von LSD nächtelang Weblogeinträge auf myblog.de lesen. Optional ergänzt durch Clever&Smart Hefte sowie Aggro-Berlin wegen den ihren Sozioleckt.

Thematischer Schwerpunkt: »Modelle« |

Ich und die relative Luftfeuchtigkeit

Zu großer Hitze gesellt sich eine anhaltend niedrige Luftfeuchtigkeit. Lag der relative Feuchtigkeitsgehalt der Berliner Luft im Jahre 2004 laut Statistik noch bei 73%, liegt der Wert aktuell bei 46%. Demnach ist, wenigstens statistisch, im Jahr 2008 mit einer Luftfeuchte von 27% zu rechnen. Schluck! Das Land wird zur Steppe. Unerfreuliche mittelfristige Prognosen im Großen und konkretes Leid im Kleinen — schon heute. Zum Skizzieren, sowie zur Beschriftung von Kuverts und Pappkartons, halte ich in meiner Schreibtischschublade ein schönes Sortiment Filzschreiber in mannigfaltiger Form- und Farbvielfalt bereit, es gilt, Strichstärke und Farbe, stets der Größe, beziehungsweise Farbe des zu beschriftenden Objektes anzupassen. Oberflächlich betrachtet chaotisch wirkende Notizen, gliedere ich häufig farblich mit Finelinern von Stabilo (einem hermetischen und recht komplexen Farbcodierungssystem folgend). Ferner verwende ich Textmarker in grellem Gelb, sowie breite Filzer der Marke Edding usw. Alle eingetrocknet! Nur noch hässliches, gänsehautverursachendes Kratzen auf dem Papier. Die Klimakatastrophe bemächtigt sich meines Schreibtisches.

Thematischer Schwerpunkt: »Witterung« | Kommentare (0)

Im Schatten des Tränkwagens

Hyperventilierende Heidschnucken.

Thematischer Schwerpunkt: »Tierreich« | Kommentare (0)

Mähdrescher

Nur wenig zeitversetzt erscheinen drei in Formation ausgeschwärmte Mähdrescher auf dem Zenith eines sanft hügeligen Getreidefeldes. In ihrer speziellen Form erinnern diese Erntemaschinen, mit ihren erhöhten Steuerungskanzeln, an große, systematisch vorgehende Heuschrecken. Die dieselige Luft ist erfüllt von gelblich trockenem Staub, der in der, Korn von Stroh scheidenden Mechanik des Hordenschüttlers entsteht. Wie ein, dem nimmersatten Insektenmaul Nahrung zuführendes Fresswerkzeug, verbirgt sich die Einzugstrommel im Weizen. Das verdauende Druschsystem ist hinter chitinpanzergleich gestaffelter, zur Wartung durch Mechaniker einzeln aufklappbarer, Blechplatten verborgen, deren Farbe jeweils zwischen khaki und milchkaffeebraun changiert. Später, am frühen Abend, durchsuchen vier Wildschweine das frische Stoppelfeld nach Nahrung.

Thematischer Schwerpunkt: »Apparate« | Kommentare (0)

Hecken

An die Stelle von mit Glasscherben besetzten Backsteinmauern und trutzigen Metallzäunen, die ihre Kernaufgabe mit schmiedeeisernem Zierrat verschleiern, sind Koniferen und schnellwachsendes Gesträuch getreten, die sowohl die Liegenschaftsgrenzen für Nachbarn und Passanten bezeichnen, als auch dem Blickschutz dienen. Hinter der, mit der elektrischen Gartenschere, in eine, mit dem Gehweg fluchtende Linie gebrachten Hecke, duckt sich beispielsweise ein Neubau in pastellhaftem Zitronengelb, darüber öffnet sich weit und flirrend der hochsommerliche Vorstadthimmel. Einem Menschen, der vor der Hecke still stünde, böte sich weitgehend der Eindruck einer geschlossenen Wand. Lediglich einige wenige, kleinste Lücken in dem komplexen Gewirr des penibel gestutzen Zweigwerks ermöglichten dem Betrachter direkte, wenn auch informationslose Blicke auf winzigste Ausschnitte des dahinter zu erahnenden Gartens. Mehr

Thematischer Schwerpunkt: »Materie« | Kommentare (1)

Stadt, Land, Fluß

Mit einem Schlauchboot schicke ich mich an, die Wasseroberfläche eines einsamen Sees zu befahren. Zunächst gilt es, die Gummikammern des Gefährtes mit dem Mund auzufblasen. Es handelt sich um ein einfaches Modell in Gelb, wie man es Kindern zum Spielen gibt. Der Tiefgang ist, wie sich herausstellt, beträchtlich; ich gleite, äusserst vorsichtig rudernd, vorbei an steilen grünen Uferhängen. Auf dem Wasser schwimmen Blätter, Holzstücke und sehr kleine Eisschollen. Nach rechts biege ich in einen der zahlreichen Fjorde ein, die vom Zentrum des Gestades wegführen. Scheinbar wird die Wassertiefe geringer, aus tiefstem Schwarz wird Grau wird grünlich trübes Weiß. Zur Linken erscheint eine aus weißem Stein angelegte Insel, darauf eine Art Kapelle, erbaut im Stile eines Le Corbusier, recht kubisch und von strahlendem Weiß. Am Ufer steht, neben einem Tisch, ein Mann und bedeutet mir nachdrücklich winkend, ich möge in seine Richtung rudern. Bei dem Winkenden angelangt, an Land, lassen wir uns an dem Tisch nieder und spielen Stadt, Land, Fluß. Die erste Runde verläuft wie üblich. Nun bin ich an der Reihe, im Geiste das Alphabet zu repetieren. Einmal, zweimal, ach, endlos. Mein Mitspieler sagt nicht Stop, ich bin hier gefangen, es handelt sich um eine Falle. Durch das Kippfenster im Flur windet sich unterdessen linksdrehend eine Doppelhelix aus warmem Fischstäbchenfett und Volksmusik.

Thematischer Schwerpunkt: »Schlaf« | Kommentare (0)

Märkische Landschaft

Vielleicht direkt den Bahndamm überqueren? Hier ist kein Weg oder derer viele. Sandige Rechtwinkligkeit rahmt ausgedehnte Weiden und Rapsfelder ein. Gefühlte sieben Minuten fährt ein Güterzug vorüber, eine lange, horizontale Linie aus Containern, blau und rot lackiert, die Farben gebrochen von Staub und Rost. Kühe glotzen stoisch über schlammige Kanäle. Agrarisches Rasterland ohne ausgeprägte Vertikalen, mal ein Kirchturm oder ein Mast für Mobilfunk. Auf dem Bahndamm, kilometerweite Gleise, die sich im Fluchtpunkt verlieren. Jenseits der Eisenbahntrasse ein Feld mit stehenden und liegenden Heuzylinderabschnitten. Weglose Agrarfläche, bis zum Horizont mit dem Auswurf einer Ballenpresse übersät. Immer wieder Gräben, die zu breit sind zum Springen. Also dem Verlauf eines Grabens folgen, zurück zum Bahndamm oder in den Wald. Besser Wald. Ein Urwald, die Vegetation wird schlagartig dichter. Brennesseln, Schilf, unter den Turnschuhen beginnt der Boden sumpfig zu schmatzen. An der schweißnassen Haut kleben zahllos gierige Mücken. Enten, die am schlammigen Ufer des Kanales lagerten, fliegen auf. Rechts der trübe Wasserlauf, links verwitterte Betonpfähle und Stacheldraht, der sich, durchgerostet, in Augenhöhe frei umherwindet. Pappelluft und Ruinenreste, Schweinemast oder Militär vielleicht — früher. Mehr als mannshoch sind die Brennesseln hier, zu den Mücken gesellt sich die aufgeschreckte weiße Tigermotte, welche hier in reicher Zahl auf den Blättern sitzt. Umgeben von Grünmasse, die zurückliegend gebahnte Schneise scheint sich umgehend wieder zu schließen. Im Rücken schallt ein weiterer Güterzug durch die Mark. Ein fernes Motorradgeräusch beschreibt in Gedanken den Verlauf einer Straße im Nordosten. Mehr

Thematischer Schwerpunkt: »Umfeld« | Kommentare (1)

Ächz

Eine hellhäutige französische Jugendgruppe mit scharf begrenzten schweren Sonnenbränden reist mit mir in der Bahn. Allesamt mit Zehenschlapfen. Am Fenster — Sonnenseite — ein leise zischend atmender Pykniker von dessen Glatze der Schweiß, in immer gleichen Bahnen — Mikro-Tälern in der Schädelplatte — hinabrinnt; im Nacken, in die sich dort entenschwanzgleich, feucht kringelnden Resthaare mündend. Seufzend legt er, im Minutentakt, vermittels eines Taschentuches, das nicht versiegende Quellgebiet auf seinem Kopf trocken. Im wesentlichen setzt sich Schweiß aus Wasser und Kochsalz zusammen, weniger als 2% Ammoniak und organische Verbindungen, wie flüchtige Fettsäuren, erzeugen die hier herrschende tropische Demse. Aus Milliarden von exokrinen Drüsen quillt beständig Flüßigkeit, allerdings ist der Wasserdampfdruck in der Atmosphäre des Wagens höher als auf der Hautoberfläche. Der Blick des hingesunkenen Mädchens mit den breitgetretenen Sandalen und der Pfandflaschentüte ist entrückt, mehr nach Innen, als in die Ferne gerichtet, ihr Paralleluniversum entströmt einem Kopfhörer. Mit den leicht gesenkten Lidern über den Mandelaugen und dem kleinen, schön geschwungenen Mund verkörpert sie vollkommen das Schönheitsideal des venezianischen Renaissanceportraits. Mehr

Thematischer Schwerpunkt: »Passanten« | Kommentare (0)

Klipp und klar und deutlich

Nervöses Lachen, um, als peinlich empfundene, Lücken im Sprachfluss zu schließen als unbewusstes Mittel der Rhetorik. Eine Sprachmeise, kein Fehler. Ohne Computer ist man ja aufgeschmissen heutzutage. Sie sagen es, letzendlich ist es doch nur eine Frage hiervon. Der Mann reibt seinen Daumen gegen den Zeigefinger der rechten Hand und sieht dabei dem Gegenüber aus ausdruckslos feuchten Hundeaugen direkt ins Gehirn. Sach ich so zu ihr sargick. Jeden Satz mit dieser Doppelung einleiten. Erst weich dann hart, gefolgt vom Satzinhalt. Alles direkte Rede, wortwörtlich aufgezeichnet. Play. Sechshundert (Teuro) für zwei Wochen auf einer Urlaubsinsel (Malle, Domrep gar?). Kann man nix zu sagen. Ach pro Nase? Jaja Halbpension natürlich, eine warme Mahlzeit möchte schon sein. Deutschland allein, Klinsi geht. Welche Meinung bildeten Sie sich diesbezüglich? Hömma, dieser Ballack verdient ja bald mehr als wie der Ackermann muß man ja auch ma sagen dürfen. Sagt aber keiner zum Bleistift. Spanien is auch nich mehr so wie früher — preislich. Also mit diesem Traum-Sommer hat ja keiner mehr gerechnet, was? Man muss aber auch an die Landwirtschaft denken, lautet ein gültiger Einwand. Vielen herzlichen Dank, daß Sie diesen wichtigen Aspekt in unsere Diskussion getragen haben. Mehr

Thematischer Schwerpunkt: »Passanten« | Kommentare (0)

Stratocumulus stratiformis undulatus

stratocumulus
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Thematischer Schwerpunkt: »Witterung« | Kommentare (4)

Sogenannte Junikäfer

Gestern Abend, nach dem ergiebigen Regen, waren viele Bäume und auch Buschwerk umschwirrt von wahren Wolken von Blatthornkäfern. Der Himmel verfinsterte sich, wäre wohl ein wenig übertrieben, aber so ähnlich. Käfer, die dehydriert in irgendwelchen Ritzen im Boden ausharren und erst bei Zugabe von Wasser zu leben erwachen? Instantinsekten — im Prinzip, wie die Urzeitkrebse, die einst der Zeitschrift Yps beilagen. Mit dem Wasser kommt das Leben und weicht mit diesem, aber das ist natürlich wissenschaftlich nicht haltbar. Blödsinn vielmehr. Ebenso wie die irrtümliche, aber verbreitete, Klassifizierung als Junikäfer (Rhizotrogus marginipes), handelte es sich doch bei den beobachteten Exemplaren um eine größere Gruppe von gerippten Brachkäfern (Amphimallon solstitialis), die sich leicht anhand der charakteristischen Reihe von Wimperborsten an den Seiten der Flügeldecken unterscheiden lassen; zudem ist häufig die Halsschild-Scheibe dunkler gefärbt sowie durch eine Mittellinie unterteilt. Mehr

Thematischer Schwerpunkt: »Tierreich« | Kommentare (2)

Schottersauger

An manchen Stellen der Stadt verlaufen die Straßenbahnlinien in einem klassischen Gleisbett. Schienen und Schwellen sind hier auf grob gebrochenem Granit gelagert, wohl auch des gefälligen Aussehens halber. Mit der Zeit sammelt sich von Hand schlechter Fahrgäste oder gar nur an der Haltestelle Herumlungernder allerhand Unrat im Schotter — namentlich die Filter achtlos fortgeworfener Zigaretten. Wenn es wieder recht liderlich aussieht, ist die Stunde der Schottersauger gekommen. Drei Männer sind mit dieser Arbeit betraut, sie bedienen sich dabei einer großen und sehr lauten Saugmaschine. Ein giftgrün lackierter Speziallastwagen, der langsam neben den Gleisen entlangfährt, gelenkt von einem Mann, der unsichtbar bleibt, dem aber von den anderen beiden unablässig recht barsch entsprechende Anweisungen bezüglich der Steuerung zugebrüllt werden. Das Gefährt verfügt über einen fernsteuerbaren Ausleger aus Metall mit zahlreichen Scharnieren, die der guten Anpassung an den Untergrund dienen. In die Mitte des künstlichen Saugarmes ist ein flexibles, schwarzes Kunststoffrohr eingelassen, welches in den, aus allen Ritzen Staub ausstoßenden, Korpus, der von Diesel betriebenen, Maschine führt. Mehr

Thematischer Schwerpunkt: »Apparate« | Kommentare (1)

Celeste

bleu
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Thematischer Schwerpunkt: »Witterung« | Kommentare (2)

Dachs in der Stadt

Füchse sind schon seit langem, auch vermehrt abseits von S-Bahntrassen und langgestreckten Grünzügen, in der Stadt anzutreffen. Heute sah ich zum ersten Mal, wenn auch nur kurz, einen Dachs in Berlin. Das marderartige Tier, mit dem charakteristisch schwarzen Streifen im ansonsten weißen Gesichtsfell, wohnt im maroden Fundament einer verfallenen Baracke. Sehe ich aus dem Fenster nach links, so erblicke ich ein, abends durch rote Baustellenlampen gesichertes, stetig größer werdendes, gähnendes Loch im Asphalt, welches mittlerweile die Größe eines Kleinwagens erreicht hat. Spurlos verschwindendes Erdreich sorgt für, hoffentlich dauerhafte, Verkehrsberuhigung. Man erlaubt den Kindern mit dem Fahrrad auf der Straße zu spielen, Federball, usw. Richtung Nordwesten hatte die Sonne, spät nachmittags, einen anscheinend langsam fortschwebenden neuen Satelliten, eigentlich die detailarme Silhouette eines Fesselballons, der seine goldbraune Farbe lediglich durch die Reflexion glühender Felder erhielt. Sonst wolkenlos, mit scharfen violettroten Schnitten, in der, das zunehmend gesättigtere Cyanblau überlagernden, gelbgrau städtischen Dunstglocke. Flieger unterwegs nach Moskau oder Stockholm. Einmal auch Nordlichtsichtungen aus dem Küchenfenster.

Thematischer Schwerpunkt: »Umfeld« | Kommentare (0)