Hightatras:
Die Toteisblöcke der Mark
Dieser See ist das Produkt eines Toteisblockes lässt sich einem Hinweisschild entnehmen. Sinngemäß. 47 Millionen Jahre nach dem Abdanken der Dinosaurier, also heute vor 18 Millionen Jahren schoben sich schabend Gletscher durch die Mark. Ein hobelgleicher, rastloser Mahlstrom mit einer Zunge aus Geschiebemergel, in alle Richtungen leckend und dabei Gletschermilch ausspeiend. Mjamm, Mjamm Gesteinsbrocken aus dem Baltikum! Mitunter wurde aufgrund widriger mechanischer Einwirkungen im Laufe von Jahrmillionen, unter langgezogenem Knirschen und schrillem Bersten, ein Toteisblock fortgesprengt und vom Hauptstrom überrollt, gleichsam ins Erdreich gemalmt. Mehr
Thematischer Schwerpunkt: »Materie« |
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Wo bist Du gerade?
Die Menschen, deren Mobiltelefone Anrufe durch die schlechtest möglichen Klingeltöne anzeigen, sind wohl zudem häufig durch ein schwaches Gehör oder eine mangelhafte Auffassungsgabe geschlagen. Vernimmt die Umwelt bereits das charakteristische Summen eines Vibrationalarms, verstreichen weitere kostbare Sekunden bis dem Telefonbesitzer selbst, das einsetzende Läuten bewusst wird und dieser überhaupt erst Miene macht das Gerät aus überkandidelter Handtasche zu wühlen. Hat sich schließlich der Alarm zu einer, die Mitmenschen paralysierenden, lautstark synthetischen Kakophonie des Kitsches gemausert lautet die Frage: Wo war noch mal die Taste um die Anrufe anzunehmen?
Thematischer Schwerpunkt: »Passanten« |
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Von Rüdnitz am Hellsee entlang nach Wandlitz
Mit der S-Bahn bis Bernau geht subjektiv ziemlich schnell, eine Station weiter mit der Regionalbahn nach Rüdnitz theoretisch auch (immer sechs nach), wenn nicht betriebliche Gründe für eine vierzigminütige Verspätung sorgen. Mal wieder typisch sagen die latent frustrierten Pendler in Shorts und Sandalen mit leichten Aktentaschen und Regenschirmen. Sie haben ja Regen angesagt. Rüdnitz, ein Mann trainiert im Garten seinen Hund. Im Lebensmittelladen vor mir an der Kasse ein kleiner Junge mit Fahrradhelm, der eine große Tüte Leergut mitgebracht hat. Hamwanich sagt die Frau am Tresen bei jeder Flasche, die der Junge ihr anbietet und sieht ihm bedauernd und ein wenig vorwurfsvoll in die Augen. Als der Junge sich schweigend und die Tasche schlenkernd trollt, vermute ich schon das Schlimmste, kann aber mein Naschwerk ohne Probleme mit einem Zwanzigeuroschein bezahlen. Sogar schönes Wochenende wünscht die Einzelhändlerin. Über die Bundesstraße 2 hinweg, beginnt an der wenig befahrenen Straße die zu den Hoffnungsthaler Anstalten führt, der nördliche, gelbe Abzweig in den Wald, vorbei an einer sonnigen Lichtung auf der pferdeschwänzige Biobäuerinnen bündelweise gesunde Möhren ernten. Linkerhand drehen sich träge die Räder eines Windparks. Unweit der Windkraftanlage erstreckt sich das ehemalige Lager Koralle, unterirdische, achtstöckige Bunkeranlagen, aus deren Schutz Großadmiral Karl Dönitz den deutschen U-Bootkrieg befehligte. Der nun rote Weg kreuzt die mir bereits bekannte Fahrradroute zur Langerönner Mühle, es geht weiter bis zum Nordende des Mechesees, den man von hier nicht sehen kann, doch deuten die Rufe Badender auf seine tatsächliche Existenz hin. Mehr
Thematischer Schwerpunkt: »Reiseberichte« |
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Weetabix im zarten Spinatmantel an Baked-Beans-Inseln
Einzelne Weetabix in Morchelöl schwenken und in der Pfanne goldgelb ausbacken. Die krossen Weizenbriketts auf einem zarten Bett aus blanchierten Spinatblättern arrangieren und mit einigen Parmesansplittern sowie jeweils zwei halben Basilikumblättern garnieren. Den auf dem großen, flachen Teller verbliebenen Weißraum mit drei unterschiedlich sparsamen Baked-Beans-Inseln asymetrisch gestalten. Mit schwarzen Oliven sowie roten und blauen M&M's die spannungsreich transeuropäische Gourmetkomposition vervollkommnen. Dazu einen leichten, wohltemperierten Grauburgunder mit zartsäuerlichem Abgang servieren. Bei dieser Komposition ist selbstverständlich service à la russe angezeigt. Gerichte werden demnach von links vorgelegt. Der Wein wird dem Gast von rechts kredenzt.
Thematischer Schwerpunkt: »Haushalt« |
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Eurofastfood
Zwei Stück Backcamenbert, schöne kalorienreiche Fettpucks, der Umverpackung entnehmen. Hinein in die vorgeheizte Glut der Backröhre. Währenddessen Rote-Beete-Scheiben in eine kleine flache Porzellanschale geben. Vollkorntoast in den Heizschächten des Toasters versenken. Möglichst säuerliche Äpfel achteln, das Kerngehäuse entfernen und recht gefällig auf einem flachen Porzellanteller verteilen. Den Backcamenbert im Auge behalten. Indiz für das Erreichen der geeigneten Konsistenz ist, wenn die vertikale Aussdehung des Camenberts das anderthalbfache seiner Ursprungshöhe erreicht hat. Die Toastbrotscheiben dem Toaster entnehmen, einem Dach gleich aneinanderlehnen, damit Feuchtigkeit und übermäßige Hitze entweichen können. Gewünscht ist ein cremiger Verlauf der zum Bestreichen bereitgehaltenen Biosauerrahmbutter, nicht das Schmelzen derselben, welches die Toastscheiben in unknusprige Fettlappen verwandeln würde. So, alles fertig. Beim Kauen die Augen schließen und verschiedene England- und Tschechoslowakeireisen sanft schmelzend Revue passieren lassen gustatorisch.
Thematischer Schwerpunkt: »Haushalt« |
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Sauerkrautsaft-Schorle
Eisgekühlte Sauerkrautsaft-Schorle aus Pintgläsern trinken und sich vollkommen remineralisiert fühlen. Auf Nachfrage den Geschmack als angenehm herzhaft beschreiben. Insgeheim schmunzeln über das subtile Understatement. Wäre doch pikant das weitaus geeignetere Adjektiv.
Thematischer Schwerpunkt: »Kauzigkeit« |
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Big Jim und Barbie kaufen ein
Wenn Produkte in geschlechtsspezifischen Ausformungen angeboten werden, sind diese fast immer in verschiedener Hinsicht doof. Dies stelle ich regelmäßig zum Beispiel beim Kauf von Laufschuhen fest, oder aktuell beim Anblick von im Handel feilgehaltenen Sportuhren. Digitaluhren für den Herrn weisen eine immer blödsinniger werdende Vielzahl von Funktionen auf, die über die reine Zeitmessung hinausgehen. Dieses mehrkönnen (GPS, Thermometer, e-mail) manifestiert sich zudem trotz Mikroelektronik in recht klobig kantigen Gehäusen nebst breiten Armbändern in khaki oder anthrazit. Sportuhren für die Dame verfügen lediglich über Basisfunktionalitäten (nur Zeitmessung) haben ein kleineres, organischeres Gehäuse mit schmalem Armband, sorgen also für ein optisch schlankes Handgelenk und sollen durch zumeist bonbonfarbene Gestaltungselemente emotional ansprechen. Apricot, bleu keine Ahnung wie das alles heißt. Die Modelle für die Dame sind bis 50 Meter wasserdicht, das vergleichbare Herrenmodell natürlich bis mindestens 100 Meter. Gibts die auch bis 150 Meter? Mal googlen. Mehr
Thematischer Schwerpunkt: »Warenwelt« |
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Der Waschmaschinenschlauch
Blondinen deren Leiber umspült werden vom künstlichen Odem preisgünstigen Aprikosenschaumbades, von Maschinen gebräunter Babyspeck bahnt sich seinen Weg, quillt hervor unter knapp geschnittenen Kapuzenjäckchen in weiß oder rosa. Inmitten dieses Ensembles hat es sich der hagere Schnurrbartmann auf seinem Straßenbahnsitz bequem gemacht, das Boulevardblatt umständlich schüttelnd entfaltet. Er schlägt, einer Marotte folgend, vor dem Lesen stets mit dem Handrücken auf die Seite. Aha, so sieht also das Sofa des irren Kofferbombers aus, hier plante er den Massenmord. Schlimm. Da stürzt eine Frau, die eben noch, gleich einem Huhn, mit wackelndem Kopfe an der Seitenscheibe des haltenden Zuges vorbeilief, auf den verbliebenen freien Platz neben dem Schnurrbartmann zu, grüßt hastig und nimmt Platz. Sie hat den Schnurrbartmann als ihren Waschmaschinenverkäufer von vor drei Wochen identifiziert. Der Schnurrbartmann ist Waschmaschinenverkäufer auf Urlaub (Balkonien?) wie sich herausstellt, als das Huhn sagt, daß der Schnurrbartmann hier wohl aussteigen müsse. Vor den Scheiben verfinstert ein Betonmenhir, einen Elektrodiscounter beherbergend, den Himmel. Ich hab Urlaub sagt der Schnurrbartmann. Das Problem des Huhnes ist, daß der Waschmaschinenschlauch bei der Montage schlampig verlegt wurde, dieser beschreibt nämlich eine unschöne Kurve und verläuft nicht devot hinter der für ihn vorgesehenen Sichtblende. Sieht einfach nicht aus und das kann es ja auch nicht sein, so lässt sich der Ärger in etwa beschreiben. Mehr
Thematischer Schwerpunkt: »Passanten« |
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Telefonmilben
In meinem Mobiltelefon leben Insekten habe ich festgestellt. Bei genauem Hinsehen herrscht reges kommen und gehen an allen Öffnungen des Gerätes. Kleine Tiere, vielleicht einen halben Millimeter groß. Die meisten leben im Lautsprecher, einige in den feinen Ritzen zwischen Tasten und Gehäuse. In einer umlaufenden Zierleiste lässt sich das Gerät auch unter meinen greifenden Fingern umrunden. Was mich beruhigt, ist die Tatsache, daß diese gesamte lächerliche Situation für mich vollkommen kostenneutral ist.
Thematischer Schwerpunkt: »Tierreich« |
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Gras für 100
Zu Besuch bei P und W in ihrer komischen Reihenhaussiedlung. Westberliner Aufbauprogramm der sechziger Jahre. Tagsüber im wesentlichen Dackel, Gehhilfen und Stiefmütterchenrabatten. Nach acht ist Ruhe hier, der kleine Bus fährt nur alle zwanzig Minuten. Eine richtige Asibude Erdgeschoß alle Fenster mit Decken verhängt. Das größere Zimmer Wohnhöhle, nebenan Plastikeimer mit Pflanzen und gleißende UV-Lampen. P und W sitzen auf ihrer muchtigen Couch mit den vielen Brandlöchern und wiegen Gras aus. Panacea, Underground Resistance lauter düstere Elektromucke. Der Fernseher läuft ohne Ton. Wir nehmen erst mal Platz, bißchen Geräterauchen. Also Gras für 100 und Mikros. Wir legen uns die Mikros gegenseitig auf die Zungenspitze, soviel Förmlichkeit muß sein. Zeichentrick und Bongs; P und W essen Pommes aus der Mikrowelle. Als ich mal zwischendurch in die Küche gehe um Orangensaft zu holen fällt mein Blick in den Spalt einer nachlässig zugeschobenen Küchenschublade. Eine tschechische CZ-83, 9mm in einem Frühstücksbeutel. Mehr
Thematischer Schwerpunkt: »Double R« |
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Wandschränke
In dem repräsentativen Institutsgebäude der Gründerzeit wartet eine Attraktion für zahlende Zuschauer, die im modern restaurierten, mit Skulpturen ausgestatteten Foyer Schlange stehen. An der Kasse wird immer nur kleinen Gruppen, von vielleicht fünf Menschen Zutritt gewährt. Lange Gänge durch schlauchartig gestreckte Laborräume eine neonbeleuchtete Zimmerflucht. Die Wände sind fast ausnahmslos mit hellgrauen Wandschränken verkleidet. Wissenschaftler in weißen Kitteln arbeiten konzentriert an Mikroskopen und Computern oder schwenken nachdenklich Erlenmeyerkolben vor polarisierten Lichtquellen. Sie schenken den Besuchern keinerlei Beachtung. Unerwartet gelangen die, sich auf einem Rundgang wähnenden, Besucher plötzlich in einen, den Gang abschließenden Raum mit nur einer Tür. Mehr
Thematischer Schwerpunkt: »Schlaf« |
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Eine Karriere in der Immobilienbranche
Ein überaus nichtiges Problem in den Dimensionen des Universums. Galaxien enstehen, Sterne vergehen, Arten kommen aus dem Staub und sterben aber mir fällt vor Ärger zunächst immerhin eine Plombe aus dem Zahn. In seiner Besessenheit durch Dämonen begab sich ein ehemaliger Geschäftspartner auf Abwege, die ein Mann nie beschreiten sollte. Gedanklich entsteht ein Szenario in dem weiße Krawatten, Limousinen mit dunkelgetönten Scheiben, tadellos geschnittene, anthrazitfarbene Kammgarnanzüge, ein Seesteg im Morgendunst sowie eine Betonmischmaschine, letztere als wohl wichtigstes Requisit, eine Rolle spielen. Oder vielleicht ein Leben hinter schwedischen Gardinen für den gefallenen Geschäftspartner, der sich im dortigen Sanitärbereich recht oft nach der Seife bücken muss, als günstigstes Ergebnis langwieriger, formalrechtlicher Verhandlung? Rachsucht ist albern. Möglicherweise reicht die Gewissheit, daß nach langem, von Habgier induziertem, Siechtum eine Wiedergeburt als E.Coli-Bakterie im Kühlkreislauf eines ukrainischen Kernkraftwerks ansteht.
Thematischer Schwerpunkt: »Warenwelt« |
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Steinfliegen
Die tölpelhaft fliegenden oder flugunfähigen Insekten aus der Ordnung der Plecoptera leben in der Nähe von kalten Fließgewässern. In Ruhestellung winden sie die fahl gefärbten Glieder in ihre großen Flügel teilweise auch zu nadelartigen Spitzen. Ihre Larvalentwicklung kann mitunter mehrere Jahre dauern und vollzieht sich aquatisch. Einige Arten (insgesamt 3000) fressen, zumeist auf wassernahen, sonnigen Steinen lagernd, einzelne angewehte Pollen, die meisten jedoch nichts. Mit dem Schlüpfen aus der Larvenhülle und dem damit einhergehenden Übergang in den terrestrischen Lebensraum, endet sowohl die Jugend als auch die Nahrungsaufnahme. Die Mundwerkzeuge der adulten Tiere verkümmern zusehends. Am Ende kehren die Weibchen zur Eiablage ins Wasser zurück und sterben anschließend. (Dem Menschen dient die Steinfliege als Indiz für eine gute Gewässerqualität.)
Thematischer Schwerpunkt: »Tierreich« |
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Wildschweine
Ich mag den Geruch von Wildschweinen (Sus scrofa). Die Tiere nehmen alle Aromen des Waldes in sich auf, eichelige, holzige, modrige, pilzige und erdige Bestandteile. Verarbeiten alles und dünsten die Essenz durch ihre borstige Haut wieder aus. Meist rieche ich Wildschweine zunächst, bevor ich sie sehe oder höre. Agile und flauschige Frischlinge, mit zunehmendem Alter werden sie kantiger und panzerhafter. Behäbige Supertanker des Unterholzes mit rezentem Einschlag.
Thematischer Schwerpunkt: »Tierreich« |
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Parallelgesellschaften
Pu der Bär, Fingermalfarben oder Resident Evil, Hamburger, Chips und Formvorderschinken. Die guten Dinkelriegel für die Pause im Montessori-Kindergarten. Im Jahresurlaub mit dem Family-Van nach Dänemark oder daheim den Schwarzschimmel auf der Tapete ignorieren. Tigerentensozialisation, später Violinenunterricht oder Tennis je nach Neigung. Cocooning in Leinenkissen bei Weißwein und schöngeistiger Freizeitgestaltung. Der Trend geht allerdings zu Sturzsaufen an der Bushaltestelle. Fröhliche Farben: Orange oder Lindgrün. Heil Hitler®. Die Bachblütentherapie für sich entdecken. Meinungen: Landserheften und den RTL2-News entnommen. Eine ältere Dame, die nach ergiebigem Niederschlag mit einem langen Stock die Gullis der Straße von angeschwemmten, verstopfenden Lindenblüten befreit. (Guten Tag, wir sammeln Leergut für Angola.) Pillen und Alkopops für carnivore Sonderschüler im Wachkoma. Ein Platz an der Sonne in den eigenen vier Wänden für die mittlere Mittelschicht. Hier hört man beide Arten von Musik: Aggro und Onkelz. Im Fernseher: Leichenteile, Autobahnraser, Titten und die große Welt. Ihr Opfer, Alter.
Thematischer Schwerpunkt: »Passanten« |
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Süchtige
Ein schweres Kind so scheint es. Auf dem S-Bahnhof erbiete ich meine Hilfe beim hinabtragen eines Kinderwagens. Als auf dem Treppenabsatz das Gefährt aufgrund unterschiedlicher Körpergrößen der Träger ins Schlingern gerät, stellt sich heraus, daß der eigentliche Fahrgastraum mit Flaschen voller berauschender Getränke befüllt ist. Wenig später an einem anderen, jedoch nicht weit entferntem Ort. Mehr
Thematischer Schwerpunkt: »Passanten« |
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Aus Prinzip
Gestern musste ich zufällig feststellen, daß das Bundesfinanzministerium (Hypertext, Baby!) alleine aufgrund eines Details meines laxen Verhaltens in Finanzdingen gut eintausend Euro Steuern p.a. zuviel von mir bekommt. »Jules, wenn du dem verdammten Penner 1500$ gibst, muss ich ihn aus Prinzip erschießen!«, dieses Zitat aus Pulp Fiction beschreibt mein Problem sehr gut, ich muss handeln nicht des Geldes willen sondern aus Prinzip. Ob ich wohl enden werde wie Michael Kolhaas? (Das der kleistschen Erzählung zugrundeliegende Motiv zieht sich nebenbei bemerkt leicht paraphrasiert durch das Selbstjustiz-Genre der Siebziger. Hauptrollen, in denen der großartige Charles Bronson stets durch konsequentes mimisches underacting brillierte.) Erwähnte ich bereits »Sauft Benzin, ihr Himmelhunde!«? Jetzt schon.
Thematischer Schwerpunkt: »Apparate« |
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hausrat.search?q=pinzette
Weiche von mir Du Satellitengürtel aus Spargelschälern, SCSI-Kabeln, Steuerunterlagen 2004 und halbvollen Shampooflaschen! Ich suche gerade eine Pinzette, wie kürzlich schon einmal, weiß nicht wo die geblieben ist. Bestimmt verschollen in einer der zahlreichen messiehaft bestückten Schubladen hier. Eine Suchmaschine für verlegte Gegenstände wäre jetzt gerade wirklich nicht schlecht. (Das ist natürlich ein ziemlich technokratischer Ansatz für ein Problem, welches sich durch ein wenig Konzentration und Training des Ultrakurzzeitgedächtnisses wesentlich einfacher lösen ließe.) Überall RFID-Chips drankleben, einweben usw. Ein Rechner, der die jeweiligen Standorte, wo ich z.B. nachlässig und in Gedanken meinen Schlüssel oder die Sonnenbrille ablege, protokolliert und zusammen mit einer ID in eine Datenbank schreibt. Mehr
Thematischer Schwerpunkt: »Haushalt« |
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Paketboten
Man erkennt den Paketboten an seinem charakteristischen Ruf. Unten im Hof war gerade ein Exemplar zu hören, piep, ...., ...., ...., piep, ..., ..., ..., ..., piep. Dazu gutturales Brummen von zwei Schachteln Zigaretten (Ditgipsabaldjánich). Die Zustellung vorbereitend muss der Typ irgendwelche Zahlen in sein schwarzes, wurstfingeroptimiertes Elektronikbrikett eintippen. Wer so tippt, schnauft auch die Treppen rauf, jammert im Hausflur rum, daß die Türschilder zu klein sind usw. Man kennt das. Arschgeigen eben; Sie! Ich mach den Paket disnächste mal unzustellbar wenn das so weiter geht. Ja, is recht wiedersehn. Zum Glück besteht die Population hier weitgehend aus Jungtieren, die machen piep, piep, piep, in rascher Folge. Zack die Treppe hoch, Tachchen. (Haha, wie krakelig die Unterschrift immer aussieht auf den ihrn Displä, egal, ich geb mir da gar keine Mühe mehr.) Rasch Paket abgeben, auf den Hacken umdrehen, spornstreichs ist der wieder unten bei sein Automobil und weg, der schrubbt die Karre, da kennt der nischt. Wie gesagt, dacht ich jedenfalls dran, als ich vorhin im Hofe den Lockruf vernahm, mein großes Insektenlexikon, welches ich unlängst im Internet bestellte, tut kommen, was sich indess betrüblicherweise als Irrtum herausstellen sollte. Dauert noch, da is wohl warten angesagt! Wetter herrlich anfürsich, so kammanz aushalten was? Sie sárjenèt, schön Tachnoch.
Thematischer Schwerpunkt: »Passanten« |
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