Hightatras:
Gerne wieder
Ebay oder Sondermüll? 3...2...1...deins!
Thematischer Schwerpunkt: »Apparate« |
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Sherman Waschbichler
Der Traps leckt. Eine geringfügige Menge Abwasser sammelte sich in der Lampenschale einer anderen Mietpartei. Kurzschluß dort. Morgen hab ich die Handwerker.
Thematischer Schwerpunkt: »Apparate« |
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Gesellschaftliche Selbstkontrolle
Eine weißhaarige Frau, die gestützt durch einen Stock in die Straßenbahn steigt, zügig Platz nehmend den sie zum Fahrtantritt berechtigenden Schwerbeschädigtenausweis zückt und jenen, einige wenige Sekunden über ihrem Kopf haltend, zur besseren Einsichtnahme für die anderen Bürger, leicht nach rechts und links dreht. Gefühlte Omnipräsenz der Kontrolle. Das Absterben des Staates. Mit der Laubsäge ausgesägt. Aus Sprelacart.
Thematischer Schwerpunkt: »Passanten« |
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Schränker
Du kriegst gleich nen Ding vorn Kopp, sagt ein Mann zornig zu dem wohl widerspenstigen Geldautomaten vor dem er steht. Am gedrungenen Hals mäandern grobe milchigblaue Tätowierungen empor.
Thematischer Schwerpunkt: »Passanten« |
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Wattestäbchen
Nicht in den Gehörgang einführen. Ein Verbraucherhinweis. Was soll man denn sonst mit diesem Produkt machen außer es in den Gehörgang einzuführen? Frauen fällt vielleicht mehr ein. In die Toilette werfen. Nicht! Hmm. Tomatensaft. Nicht trinken. Mobiltelefon. Nicht telefonieren. Schadensersatzforderungen wegen Trommelfelldurchstoß. Klärwerk vs. Luxana.
Bei routinemäßigen Reinigungsarbeiten fand ich Teile eines Blattes, welches wohl für die beim Kauen entstandenen leichten Knistergeräusche im rechten Ohr verantwortlich war. Rätselhaft sowas.
Thematischer Schwerpunkt: »Warenwelt« |
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Kyrill
Ein Kleinwagen in gedeckter Lackierung, der in einem abgelegenen Hohlweg geparkt ist. Aus dem Dunkel des Wageninneren beobachtet ein Mann in den besten Jahren einen trostlos menschenleeren Hauseingang. Zu seiner Unterhaltung erschallt Hardrock in gedämpfter Lautstärke. Vermutlich ein stümperhaft getarnter, ziemlich unglamouröser Privatdetektiv bei der Arbeit. Ein Profi würde sein ermittlerisches Wirken in dieser Situation selbstverständlich mit Kiffen oder Geschlechtsverkehr kaschieren.
Als ich gestern Nacht einmal beschloß mir selbst ein Bild des durch Deutschland tobenden Orkans Kyrill zu machen, von dem der Rundfunk zu berichten nicht müde wurde, zu diesem Behuf das Küchenfenster öffnete und mir der Wind recht erquicklich um die Nase wehte, war ich angenehm überrascht von der vorzüglichen, luftkurortartigen Frische des Orkantiefs, die hier sehr treffend mit dem Genuß eines wirksamen Halsbonbons verglichen wird. Mit beachtlicher Amplitude neigte sich die hochaufgeschoßene Tanne in Nachbars Garten mir entgegen. Weitere potentielle Gefahren, waren selbst bei eindringender, sensationsgeiler Betrachtung nicht auszumachen.
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Thematischer Schwerpunkt: »Witterung« |
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Mein überaus widerwilliger Freitag abend mit Meg Ryan
Zu meiner Erbauung wurde die Stadt einmal tüchtig durchgepustet. Einige der verstoßenen Weihnachtsbäume hatte der böige Wind vor die Tür der Bäckerei gewirbelt. Drei junge Männer saßen leise grunzend — Schutz vor dem feuchten Wetter suchend — an der Haltestelle und tranken alkoholhaltige Limonade aus Einwegflaschen. Stunden später stellte ich fest, daß man mir in der Videothek — wohl versehentlich — eine andere DVD als von mir gewünscht ausgehändigt hatte. Was zunächst irrtümlicherweise wie eine zähe Vorschau dünkte, sollte sich später, zu meinem Verdruss, als abendfüllender Spielfilm mit Meg Ryan entpuppen, den ich mir in Selbstkasteiung bis zum voraussehbaren Schluß ansah. Die doofe Meg Ryan mit ihrem beschränkten Repertoire an stereotypen Gesichtsausdrücken, die sich stets wie ein waidwundes Reh gebärdet, das versucht eine pfiffige junge Amerikanerin zu verkörpern. Die Klimax des Lichtspiels wurde von schwarzen Helikoptern und maskuliner Rauhbeinigkeit in figurbetonter Camou-Bekleidung bestimmt. Roger, over and out.
Thematischer Schwerpunkt: »Umfeld« |
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Holz P*ssling
Braun, dunkelgrün und orange gestrichen ist die Betonbrücke, die sich am Südufer schneckenförmig in die Höhe windet um sich dann mit kühnem Schwung über den Kanal und die Stadtautobahn zu spannen. Am Scheitelpunkt der Fußgängerbrücke öffnet sich der Blick weit auf Westberliner Kernland. In majestätischer Scherenschnitthaftigkeit prangt die Rudolf-Wissel-Brücke vor westlichem Abendhimmel. Oben kreist ein schwarzer Schreitvogel. Ein Gemälde von Caspar David Friedrich mit marginalen Schönheitsflecken. Der Fruchthof, die Justizvollzugsanstalt auf halb drei. Am Fuße der nördlichen Betonschnecke erstreckt sich die Kleingartenanlage Heimat. Stolz flattert die Bundesfahne im Sturmwind, einige der Lauben sind im Westernstil gehalten und haben in der Regel direkten Blick auf die Bundesautobahn 100 oder die startenden und landenden Maschinen des Flughafens Tegel. Am Heckerdamm, den es zu überqueren gilt, liegt in westlicher Sichtachse der phallische Wasserturm des Jungfernheideparks, an dessen See der Vater von A einst einen Tretbootverleih betrieb. Manche der Wasserfahrzeuge waren vermittels modellierten Kunstharzes wie Schwäne oder Fabelwesen geformt. Von hier ist auch bereits das Ziel des Ausfluges zum Greifen nah. Eine Fassade in gelb und grün, ganz im Stile des Neo-Brutalismus errichtet, die Verkaufsaustellung der Firma Holz P*ssling. Mehr
Thematischer Schwerpunkt: »Warenwelt« |
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Jetřichovice
Die hölzerne alte Mühle liegt an einem kleinen Wasserfall. Objektiv müsste man das fortwährende Rauschen als Belästigung empfinden, das Gehirn verklärt allerdings den Lärm romantisch und der Mensch fühlt sich wohl. Zudem ist das Gebäude von im Regen leise vor sich hin schimmelnden pittoresken Felsformationen und Nadelwald umstanden. Letzteres ist erstaunlich, wird doch ausschließlich mit salziger Braunkohle geheizt, deren Verbrennungsgas bekanntlich in feuchter Atmosphäre umgehend schweflige Säure und Schlimmeres bildet. Durch widrigen Luftdruck begünstigt kriecht der Geruch alter Öfen nächtens in meine Lunge und lässt mich mit Atemnot erwachen. Keine Kohlenmonoxiderstickungsmeise, sondern der salzige Geruch von Schwefel, gerade so als schritte der Bocksbeinige höchstpersönlich durchs Schlafgemach, einem aufgeklärten Menschen genügt es aber bei offenem Fenster zu schlafen, es riecht schließlich nur nach Ostblock. Immer nur Nebel und Regen, Matsch, wenig Räumlichkeit und trübe Farben. Ferner das verschnarchteste Silvester seit Jahren, Spaßmacher im Fernsehen und Angela Merkel, später zwei oder drei schüchterne Feuerwerkskörper, die in einigen Kilometern Entfernung abgebrannt werden. Al Jazeera zeigt zur Entspannung schinkenhafte Spielfilme, in denen Beduinen erzürnt brüllend durch die Wüste reiten und mit ihren Säbeln rumfuchteln. Im ägyptischen Fernsehen singt ein junger Mann, der mit seiner entzückenden Gespielin an mondbeschienenem Gestade zusammentraf, ein langes und trauriges Lied, er schüttelt dabei fortwährend den Kopf und schiebt leidvoll die Augenbrauen zusammen. Mehr
Thematischer Schwerpunkt: »Reiseberichte« |
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