Hightatras:
Tatranská Lomnica
In Tatranská Lomnica dem kleinen rostroten Schienenbus zu entsteigen, der sich, von Poprad kommend, kurvenreich durch nächtlichen Nadelwald in den Ferienort am Fuße der Tatra hochquietschte, zählt wohl zu den schönsten mir bislang bekannten Reiseankünften. Den ersten Atemzug tief in die abgelegensten Regionen des Bronchialsystems fließen zu lassen; die Luft schmeckt nach Tannen, kaltem, mineralstoffreichem Wasser und etwas morbid. Aufgrund der Entfernung scheint das Licht der Forschungsstation auf der Lomnitzspitze zu flackern, bläulich, warmweiß. Der Weg durch den nebligen Stadtpark, auf dem schon buntes Laub liegt, das am Tag in der Sonne raschelt wenn ein Wind geht aus den Bergen. Prächtige gründerzeitliche Hotels mit Natursteinfundament und Erkern aus rotbraunem Holz und die modernen Häuser der zweiten prägenden Aufbauphase, ausgreifender Sichtbeton und dunkel gebeiztes Holz. Foyers in denen gedämpfte Lampen aus blasigem Rauchglas brennen. Sessel aus Polyester und das Geweih eines Hirsches. Unweit sprudelt über bemoosten Steinen ein eilig schwarzer Bach.
Thematischer Schwerpunkt: »Double R« |
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Eisenharte durchgeknallte Cracknigger wollen es wissen
Auf dem Bahnsteig fielen bereits diverse Menschen mit kleinem Kopf und großen Schuhen ins Auge. Ein hochaufgeschossener junger Mann mit stattlich gestählten Oberarmen liest in der Bahn einen Kriminalroman der vom Verlag recht reißerisch aufgemacht wurde vermittels geprägter Goldbuchstaben und einer dieser Collagen mit einem über einen aus Neonröhren gebildeten Rahmen hinausschießenden, rasant gesteuerten Straßenkreuzer aus dessen Fenstern sonnenbrillenbewehrte, ballonmützentragende Neger lehnen und aus halbautomatischen Waffen wie verrückt in den von Palmen und Wolkenkratzern bestimmten Nachthimmel ballern, blam, blam, blam. Blüten, Koks und blaue Bohnen darum dreht es sich in etwa. Am Bildrand plazierte der begabte Illustrator zudem einige recht scharfe Miezen die sich in mehr als knapp geschnittenen Bikinis räkeln und oben ist ein Hubschrauber abgebildet der sich anschickt ein gewagtes Wendemanöver im Dienste des Regierung durchzuführen. Verkehrte Welt in Miami, weiß der Verlag sein Machwerk dem Verbraucher schmackhaft zu machen, Gangster jagen die Polizei. Hier wird nun einmal umgekehrt ein Schuh draus. Manchmal formt der junge Mann die eben gelesenen Worte stumm mit den Lippen und die weiche Haut zwischen seinen Augenbrauen schiebt sich in Ergriffenheit zusammen wie bei einer jungen Bulldogge, vielleicht Szenen, in denen der Exekutive seitens der im Roman mitwirkenden Gewohnheitsverbrecher hinreichend zugesetzt wird.
Thematischer Schwerpunkt: »Passanten« |
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Der Catsanweg
Die Frau die barfuß aus dem Realmarkt kommt und mehrere Beutel Katzenstreu heim trägt. Sie ist mit einem türkisfarbenen, weit geschnittenen Kleid aus Kunstfaser bekleidet. Die neonartige Farbe des Gewandes lässt den fülligen Leib und die blondierten Haare bleicher erscheinen als sie eigentlich sind. Die drallen, kräftigen Arme sind quadellig und von Bindegewebsschwäche geprägt. Ihre Wangen sind mit zinnoberfarbenem Rouge geschminkt, die Augenlider mit echsenartiger Metallicpaste überzogen. Entgegenkommende Passanten sieht sie selig und ein wenig herausfordernd an. Als sei die Rückkehr vom Einkauf ein Weg zu spiritueller Erleuchtung durch Kasteiung. In den Mittagsstunden die Fußballen langsam auf dem glühend heißen Pflaster abrollen, das auch mit Glasscherben, Speichelbatzen und Kot übersät ist. Ohne zu murren, in heiterer Gelassenheit mit possierlichen Katzenbildern werblich zurechtgemachte Papiersäcke mit kiloschweren, weißen Tonmineralien zur Absorption von Katzenurin forttragen, vielleicht kilometerweit.
Das mit hellgelber Keramik verkleidete, kleine Hochhaus knapp über üblicher Traufhöhe, dessen Balkonbrüstungen oben zu zwei Dritteln von gewellten Stahlbändern eingefasst werden. Auf einem Balkon klappern die Plastiksteine eines Gesellschaftsspieles, Rummikub oder Scrabble. Ein Mann bereitet sein Cabriolet für eine Spazierfahrt vor, er trägt eine Handgelenktasche sowie eine randlose Brille und hat halblange graue Haare deren lichte Stellen durch eine marineblaue Schirmmütze kaschiert werden an der eine güldene Kokarde prangt.
Eine Stadtvilla im Stile des Backsteinexpressionismus; Klinker, die sich bedeutungsschwanger um Rundungen fächern, ein Portal gearbeitet aus tiefblauer Keramik, silberne Lüster, an den Wänden worpsweder Werke, Sportwagen, anthrazitfarbener Familyvan in SUV-Optik. Mein Boot, mein Haus, mein ländlicher Garten. Die leger im Mundwinkel hängende Zigarette einer jungen Gärtnerin die leichten Fußes ihre Aufgabe versieht. Das ist die Grenze der Exaltiertheit — hier.
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Thematischer Schwerpunkt: »Passanten« |
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Schöner Shoppen
Parallel zur zurückweichenden Schlange vor der Kasse nähert sich schlurfend und gebeugt ein Schrat, der einen Becher Schokoladenpudding mit Schlagsahne à 39 Cent zu erwerben gedenkt. Seine zu grindigen Bandagen verkommene Kleidung schlottert in Placken bis zum Fußboden herab, aus einem Riss, vielmehr einem Brandloch in seiner zerschlissenen Sporthose hängt faltig der Penis des Mannes heraus. Sie müssen wissen, daß man hier gewöhnlich als Garderobe malvenfarbene Sommerkleider aus blickdichtem Organza, weiße Söckchen in cremefarbenen Wildledersandalen sowie leichte Sommerhemden mit maritimen Windjammermotiven in bleu nebst Unterhemd aus Feinripp bevorzugt, jedenfalls gilt es hier in Charlottenburg wohl gemeinhin als schicklich, in der Öffentlichkeit sein Geschlechtsteil hinter Tuch zu verbergen. Mit der Einbuße gesellschaftlicher Reputation geht offenbar immerhin das Recht zum Einkauf an der selbstgeschaffenen Expresskasse einher. Mit dürren Fingern, ebenso wie sie der Spielfilmregisseur Steven Spielberg dem in seinem Lichtspiele auftretenden Außerirdischen angedeihen ließ, wird die den Kauf besiegelnde Münze gereicht, niemanden würde es wundern, tröffe jetzt blasenwerfender Schleim von der knochigen Hand des Berbers, welcher nach Abschluß des Einkaufs noch ein wenig, so unabsichtlich sein Glied schwenkend, im Kassenbereich umhertaumelt und bald heiser krächzend, bald einem jungen Wildschweine gleich in höchsten Höhen quiekend der Handelskette mit Polizei und Staatsanwaltschaft droht, sollte das Dessert vergiftet sein. Haha, die sich zu Götterspeise transformierenden Physiognomien der ebenso erzürnten wie beschämten Bürger. Gerne spulte ich die Situation mit allen Beteiligten zurück und ersetzte den Unberührbaren testweise durch ein nacktes, junges Mädchen mit anmutig wallenden blonden Haaren.
Im Übrigen fühle ich mich nicht selten heftigst abgestoßen von den obzön aus Trekking-Sandalen lugenden, leichenblassen, deformierten und mit gelblich verknorpelten Nägeln behafteten Zehen mancher Fetish-Freaks Mitreisender im ÖPNV. Man muß das mal ansprechen.
Thematischer Schwerpunkt: »Passanten« |
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Coke mit Marshmallows, Meister!
Und nun schwirrt ab ihr Rangen würde der Händler schmunzelnd sagen, mir nur halb zugewandt. Glace bald jeden Tag wo uns bloss Wassersuppe nährte. Man sagt Rechaudkerze hier wenn Hindenburglichter gemeint sind. Ich verlange Konfekt, das Beste was der Krauter führt. Vor den randgelben Fenstern der Auslage werden Gefangene vorbeigeführt, ausgemergelt, geschoren und in Ketten gelegt. In Gedanken werfe ich dem imaginären Verfolger einen Koffer entgegen. Prallte dieser auf den Komisskopp des zwergenhaften Widersachers, spränge der Deckel auf und eine Million in kleinen Scheinen flatterte durch die Luft — konfettigleich.
Brennend raste ein von Fanatikern gelenkter Geländewagen in die Fensterfront eines Flughafens entnehme ich schon schlaftrunken dem Internete und mich erfüllt bei der Lektüre ein Gefühl von Schnuppigkeit, sah ich doch Ähnliches bereits bei 24. Beachten Sie bitte jetzt auch jene Artikel, die — reich bebildert — beschreiben, wie es der glamourösen Hotelerbin hinter schwedischen Gardinen erging. Was geht heuer in Klagenfurz ist auch so ein Thema.
Thematischer Schwerpunkt: »Apparate« |
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