Hightatras:
Diariophobia
Das pathologische Meiden der prominenten Verwendung des Personalpronomens ich in Weblogeinträgen.
Thematischer Schwerpunkt: »Modelle« |
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Portobetrug: Kavaliersdelikt oder organisiertes Verbrechen?
Hab ich neulich diverse Bücher bestellt im Internet, antiquarisch müssen Sie wissen. Der Versand sollte vier Euro kommen. So, nun handelt es sich aber tatsächlich um eine Büchersendung: macht einsvierzich. Diese Info entnahm ich mit Bestürzung dem an der Sendung befestigten Postwertzeichen. Verdien' ja diese Brüder mehr dran als wie an der Ware selbst. Da lehm die von, unzwa nicht schlecht!
Thematischer Schwerpunkt: »Warenwelt« |
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Naturstudium ist das A und O
Diese zierliche Japanerin, die unten auf dem Rasen sitzt und das Haus zeichnet mit einem Bleistift, wohl Fenster für Fenster, sie sitzt jedenfalls schon eine Weile dort. Den ganzen Vormittag bis jetze auf deutsch gesagt. Ich photographier' die mal lieber nicht, sie sieht recht scheu aus, wie ein verhuschtes Reh zum Beispiel, und ist mit einem kleinen silbernen Klapprad angereist. Mensch Mädel, leg Dir 'n Kissen untern Po, Du holst dir wat weg! Überhaupt mit Klapprad, kommt die aus Mitte oder was?
Thematischer Schwerpunkt: »Umfeld« |
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Maschinelles Geräusch raubt mir die Nachtruhe
Ein Schlafzimmer mit weißen Vorhängen, in dem sich sowohl der Ruf der Möwe vernehmen lässt, als auch, träte man auf den Balkon, sich ein frühnebelverhangenes Gebirge dem Blicke darböte. Zunächst dringt allerdings ein Sondereinsatzkommando der Bundespolizei in die Nachbarwohnung ein und vernichtet einen verwaisten Wecker, der seit fünf Uhr dreissig pausenlos elektronisch läutet. Durch klafterdicken Beton, zwei in den Gehörgang eingeführte Schaumstoffpfropfen und einem zusätzlichen, zum Behufe der Schallisolierung auf meinem müden Haupte drapierten Kopfkissen bahnt sich das penetrante Piepsen — schier ungehindert — einen Weg in mein Gehirn. Das Gerät wird mit Hämmern und schweren Stiefeln ausgemerzt, ganz so wie es der Befehl vorsah. Vielen Dank, ich biete, mit einem reinseidenen, drachenmotivbestickten Morgenmantel bekleidet, feinste Pralinés an. Und die Beamten langen ordentlich zu. Mehr
Thematischer Schwerpunkt: »Schlaf« |
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Marstransit oder sowas
Kürzlich hing der Mond groß und träge unweit des Horizontes, dunkelorange, fast rostrot glühend, wie ein überreifer, bereits halbseitig von Schimmel überpelzter Pfirsich den qualitätsbewusste Verbraucher an der SB-Theke beiseite legten.
Thematischer Schwerpunkt: »Modelle« |
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Zwei Männer fragen nach dem Weg
Heute im späten Nachmittagslicht fügten sich die hochaufgetürmten Cumuluswolken am Horizont so als seien sie ein Gebirge. Unten dunkel, wie ein bläulichschwarzer Nadelwald und oberhalb der eingebildeten Baumgrenze ein Massiv aus kalkweißem Stein. Insbesondere bei zusammengekniffenen Augen sah ich deutlich die weißen Schuttkegel aus denen sich jäh die verschiedenen Gipfel erhoben, die Orte, die sich für Passüberschreitungen anböten oder jene, an denen vielleicht Schutzhütten stünden, in denen die Wanderer zur Nacht unterkämen um im Morgendunst durch geröllreiche Wände schweigsam weiter emporzusteigen.
Später fragten mich auf einem Waldweg zwei Männer wie sie wohl zu einem bestimmten Bahnhof gelängen. Man hatte ihnen, bei einer früheren Frage, wohl diesen Weg genannt, der jedoch tatsächlich nur weiter weg vom Bahnhof führt. Zwei komische Typen, der eine der beiden, der größere, welcher im wesentlichen das Reden besorgte und dessen Gesicht wie ein Vexierbild aus Charles Manson und einem Hasen wirkte, hatte Augen von Elfenbein, zugleich ebenso kühl wie von manischer Glut. Darunter in einem Mund, der sich nicht richtig schließen ließ, zwei riesige Schneidezähne, eben wie die eines Hasens, die übrigen Zähne nur missgebildet und vergilbt oder gänzlich fehlend. Der andere Mann war ein kregeler Zwerg, der einmal den Namen einer sehr weit entfernten Bahnstation krähte, wohl um eine mögliche Alternative beizutragen, und dauernd stark, wie seines Gleichgewichts beraubt, umherschwankte, zum Teil seinen Körper in so unglaubwürdige Winkel zum Erdboden brachte wie die Tierfiguren dieser hölzernen Spielzeuge, die manche Kinder früher hatten. Giraffen oder Esel, aus auf Schnüren aufgereihten Holzkugeln recht stilisiert zusammengefügt, dergestalt auf einer oben verschlossenen und dabei niedrigen Holzröhre stehend, in deren Innerem ein kleiner hölzerner Zylinder eingelassen war, an dem die die Gliedmaßen durchziehenden Schnüre befestigt waren. Drückte man nun den kleinen, als Schalter bestimmten und federgelagerten Holzzylinder nach oben, so erschlaffte das Holztier — jeglicher Anatomie spottend — zusehends um endlich gänzlich ermattet darniederzuliegen. Ließ man nun den gedrückten Zylinder plötzlich wieder los, so schnellte das Tier recht alert wieder in seine ursprünglich aufrechte Gestalt zurück.
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Thematischer Schwerpunkt: »Passanten« |
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Vorbeischreiten an geschloßenen Türen
Es gibt Türen zu selten gelüfteten Stuben, die umweht ein undefinierbarer Geruch des Vergehens, auch wenn die Bewohner aus Trug in geckenhaftem Rock von schneeweißem Tuche gehen und ihre nächtens im Giftrausch kasteiten Leiber mit überbordenden Parfümen benetzen. Durch Ritzen und mikroskopische Poren im Beton dringt unrein der schale Odem eines früh sinkenden Sternes.
Thematischer Schwerpunkt: »Double R« |
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Roller oder Nichtroller?
Im Omnibus. Ein junger Mann mit Brille, dessen hell behaarten, weißen Beine mit Shorts und Turnschuhen bekleidet sind, sowie eine Frau, die ein elegantes champagnerfarbenes Kostüm aus voluminös strukturiertem Wollstoff trägt und einer entsprechend bedruckten Papiertüte nach zu urteilen wohl aus einem Schuhgeschäft nach Hause zurückkehrt. Vielleicht nach Kladow oder Rupenhorn falls Ihnen das was sagt. Sie sitzt auf der Gangseite jener Bank, die an die Rollstuhl- und Kinderwagenabstellfläche des Busses angrenzt, während der junge Mann, ein Bein untergeschlagen, leicht eingedreht auf dem Fensterplatz neben ihr herumlümmelt und seinen linken Arm auf die Oberseite der Rückbank gelegt hat so daß seine Hand den am Ende der Lehne angebrachten Haltegriff unfern ihres Kopfes umschließt. Plötzlich zieht der junge Mann seinen so positionierten Arm zurück, um mit dem Zeigefinger rasch in sein linkes Nasenloch einzudringen und dort bohrende Drehbewegungen auszuführen. Die andere Hand ist fortwährend damit beschäftigt, an einem recht kleinen MP3-Player etwas einzustellen. Untermalt von philcollinsartiger Musik aus dem Kopfhörer hat der junge Mann routiniert wirkend, einen stattlichen, am Finger haftenden Popel von halbfester, noch formbarer Konsistenz aus der Nase geborgen und nimmt diesen, den Zeigefinger — wohl wegen Kurzsichtigkeit — nahe den Brillengläsern drehend, aus unterschiedlichen Perspektiven in Augenschein. Befriedigt ob der Form, Farbe und haptischer Beschaffenheit schnellt nun der linke Arm wieder in die vorherige Ruheposition zurück, die drei äusseren Finger der Linken werden seitens des Jünglings erneut in den Haltegriff der Bank lose eingehängt, während Daumen und Zeigefinger frei schwebend den soeben zu Tage geförderten Popel, wenige Zentimeter neben, gleichsam hinter dem Haupte der Banknachbarin, modellieren, zärtlich drücken und energisch rollen, während sich die vornehme Dame, der hygienisch fragwürdigen Vorgänge nahe ihres Nackens nicht gewahr, interessiert über die aktuelle Situation in den europäischen Königshäusern informiert und der junge Mann gedankenverloren, musikalisch begleitet und in sich versunken — ja fast apathisch — aus dem Fenster sieht.
Thematischer Schwerpunkt: »Passanten« |
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Yippie Yippie Yeah
Ich hab mir eine Bude gemietet in einer heruntergekommenen Mietskaserne oberhalb des Hafens. Die Nachbarn sind ausschließlich junge Leute. Zu meiner Rechten, nach hinten raus, wohnen Deichkind in einer WG. Wenn die Popmusiker spät nach Hause kommen, gackern sie manchmal betrunken im Hausflur, da der Schlüssel nicht zu passen scheint. Wir grüßen uns im Treppenhaus und sind per Du. Linkerhand wohnt eine, die Jeanette heißt oder so ähnlich. Ich bin manchmal drüben bei ihr, dann quatschen wir ein bißchen. Sie trägt ein bedrucktes T-Shirt und keinen BH während sie ohne Unterlass putzt, die Teller spült oder Kochwäsche macht. Ich sitze dann am Küchentisch mit einer Flasche Bier und sie redet über Lebensmittel, daß der Einstellknopf an der Waschmaschine doof ist und hakt oder über die Charaktereigenschaften ihrer verschiedenen Liebhaber als wäre alles eins. Ich trete mit der Bierflasche an ihr frisch geputztes Küchenfenster und sehe wie zwei Schlepper einen großen weißen Ozeandampfer in den Hafen bugsieren auf dem die Urlauber an der Reling stehen und winken oder mit der Videokamera Aufnahmen machen. Wie könnte man wohl schöner das Prinzip der Vektoraddition veranschaulichen, denke ich mir, die kleinen, vor Kraft stampfenden Schlepper fahren nämlich, wenn man sie aufmerksam betrachtet, in leicht entgegengesetzte Richtungen. Hörst du mir überhaupt zu, sagt sie und tritt von hinten herbei. Ich so, klar höre ich dir zu und stelle dies durch ein treffliches Bonmot eindrücklich, mich dabei ihr halb zuwendend, unter Beweis und lasse noch einen Schluck des erfrischend prickelnden Bieres meine Kehle hinabrinnen.
Thematischer Schwerpunkt: »Schlaf« |
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Gastronomie und Hundescheiße
Männer, die das Glas affig am Stiel ergreifen und deren schmale Lippen und Mundpartien nachdem sie einen Schluck des weißes Weines nahmen von fiebrig überdrüssigem Mienenspiel umhuscht werden. Man schätzt die materielle Welt prinzipiell sehr, jedoch entspringt ihr nunmehr nur noch wenig Freude. Blütenweisse Tischtücher sind über die auf dem Bürgersteig aufgebaute Tafel gebreitet, St. Pellegrino wird in polierten Eiskübeln aus Edelstahl serviert. Man stochert in gebratenem Fisch und bellt sich über den Tisch scherzhafte und männerbündlerische Satzfetzen zu. Jetzt ist aber die Gastsstätte an befahrener Ausfallsstraße gelegen, in großer Anzahl sausen Kraftfahrzeuge vorrüber, welche eine ohrenbetäubende Lärmkulisse und nicht zuletzt reichlich schädliche Auspuffgase erzeugen. Nun, wer hier einkehrt verfügt selbst über einen schwarz lackierten Wagen renommierter Marke, welcher ebenso guttural zu röhren vermag mit einer stattlichen Anzahl von Zylindern unter der Haube. Selbst daß sich keine anderthalb bis zwei Meter entfernt in der Baumscheibe einer ob der Umwelteinflüsse verhärmten Linde diverse Hunde erleichterten und sich die Atemluft merklich mit dem Geruch von Stuhl vermischt vermag die Stimmung nicht erkennbar zu trüben. Charlottenburg übrigens. Der Reiz liegt im Sozialen, Männer die Designerjeans, das Paar à 300 Euro, die gleichen legeren Jackets sowie hellblaue, auf den Leib geschnittene Hemden tragen und aus dem selben Holz geschnitzt zu sein scheinen bei einem opulenten Mahle zu treffen, begleitet von schweigsamen jüngeren Freundinnen, darin besteht das Leben des Philanthropen, der den Kellner mit nachlässig ausgeführter und herablassender Geste herbeiwinkt. Am gleichen Abend flaniere ich aber zufällig auch noch durch jene Straße Berlins, die sowohl das Hauptquartier der Zahnarztkammer beherbergt, als auch jenes mehrstöckige Haus, in dem Alfred Wegner, der Vater der Kontinentaldrifttheorie, einige Jahre seines Lebens verbrachte und in dessen Hochparterre heute eine Mietpartei in einem Wintergarten zahlreiche Terrarien aufgestellt hat, an deren gläsernen Wänden sich Geckos und Warane emportasten. Dort, ebenfalls hinter Glas, sitzt Rücken an Rücken ein offenkundig reptophiles Ehepaar versunken in Bildschirmarbeit, während kleine Saugfüsse ihre Grenzen erkunden und die Stadtautobahn leise rauscht wie ein mittelgroßer Wasserfall. Mehr
Thematischer Schwerpunkt: »Warenwelt« |
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Den Kapitalismus angreifen
Ms Mutter tanzt am Rand der Gleise oben am sonnenbeschienenen Bahndamm, getrieben von Hippiemusik aus dem Walkman. Sie wirft berauscht ihre Arme in die Höhe und wenn ein mit Atommüll beladener Güterzug kilometerlang vorbeirattert, flattern ihre Haare im Wind und sie wirft dem Lokführer Kußhände zu. Wir müssen schon um vier Uhr dreissig los — also krass früh — mit quietschenden Fahrrädern im Schutze der Dunkelheit und dennoch bange ob der Bullen. Angestrebtes Ziel ist ein Protestcamp inmitten von Raps und Maisfeldern. Nicht sortenrein zusammengemanschter und mangelhaft restentleerter Verpackungsmüll, der zu Technobeats in die matschig rotbraune Scholle getreten wurde. Ich bin nur hier weil ich weich bin, den Erwartungen der Clique gerecht zu werden trachte, insgeheim mag ich den Kapitalismus, endlos aus dem Hahn fließendes Heißwasser, ein akurat gefaltetes, idealerweise mit meinen Initialen oder dem Familienwappen schön besticktes, frisch und hart dem reinlichen Wäscheschranke entnommenes Handtuch; kurzlebige Waren im Überfluss, die neuesten Turnschuhe zum Beispiel, geliefert von jüngst aus dem Boden gestampften Produktionsstätten in den Urwäldern entfernter Erdteile (an der uns gegenüberliegenden Seite der Kugel). Ich wünschte, ich könnte meinem unbestimmten Weltschmerz vermittels einer Playstation greifbaren Ausdruck verleihen.
Großer Ärger indes um Ike Turner und David Bowie: die beiden abgehalfterten Popstars plauderten unter dem Einfluss von Kokain, in einer von Thomas Gottschalk moderierten Fernsehsendung, das Lösungswort des vom Berliner Kurier ausgerichteten großen Globalisierungs-Gewinnspiels aus.
An der Ferse meines rechten Fußes klafft eine viereckige Wunde begrenzt von vier Einstichstellen, der Biss einer Viper, die an einer mutagenen Gebissfehlstellung leidet offenbar.
Thematischer Schwerpunkt: »Schlaf« |
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Randbräune
Dieser süßliche Vanillegeruch der vergehenden Büchern entströmt. Einige meiner köstlichsten Erstausgaben rafft es so dahin. In seiner säurefreien Beschaffenheit ist das Internet hingegen von so hartnäckiger Beständigkeit wie sonst nur Atommüll.
Thematischer Schwerpunkt: »Materie« |
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Schwelbrand
In der ebenerdigen Aservatenkammer eines Puppentheaters ist ein Brand ausgebrochen. Daß bis heute noch kein Stoff entwickelt wurde, der Feuer löscht ohne zusätzlich zu zerstören sage ich zu K, den ich bei einer Party sitzend antreffe. An eine Alternative zu Wasser denke er auch ständig sagt K und reicht mir die Hand. Gegenüber, am geöffneten Fenster im ersten Stock, tanzt eine große Frau mit breitem Kreuz und schwarzem Haar zu den Klängen eines Kassettenrecorders. Sie hat ihre Handtasche auf die Fensterbrüstung gestellt. Jemand sagt das ist Disco, andere stimmen stumm nickend zu. Schritte man über das blankpolierte Kopfsteinpflaster die leicht abschüssige Straße hinab, so gelänge man zur Schleuse, wo die Dampfer tuten und Sportboote im Schaum der Schrauben umhergewirbelt werden daß den Athleten mau zumute wird.
Thematischer Schwerpunkt: »Schlaf« |
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Einfach mal mit Caramba beigehen
Ja dahamwa die für 18,95 und hier die für 35, müsstense sesich ansonzen mal an den Kollegen wenden an unsan Servicepoint sagt die junge Frau, deren Antlitz von Sternenstaub überpudert zu sein scheint, welche ich in der Gartenscherenstraße anspreche mit einer recht speziellen, ihr Fachwissen übersteigenden Frage. Der Mann schleudert umständlich seine rechte Hand von sich, auf Augenhöhe, spreizt Daumen und Zeigefinger, daß man die Gelenke knacken zu hören vermeint, schiebt nervös die aus Horn gearbeitete Brille zurück auf ihren angestammten Platz im Zenith des Nasenflügels. So, sie können die Ware nicht liefern, aha, er hat sich ein wenig in Rage geredet und schlägt mit der Hand auf ein, mit verschiedenen, der Schriftfarbe nach zu urteilen auch zeitlich auseinanderliegenden, Notizen versehenen, Prospekt, der die diversen Farbnuancen eines Produktes vorstellt, vornehmlich Pastellfarben, es dreht sich wohl um eine Swimmingpoolabdeckung oder so. Wir befinden uns am Informationsschalter eines großen Gartencenters, ich trat an den Tresen da ich gedenke mich nach dem Korrosionsverhalten der Schneide einer zum Kauf ins Auge gefassten Gartenschere zu erkundigen. Ja, gibt die Zentrale raus, da könn wir nichtsmachen, sagt der Mann hinter dem Schalter, ich sag ihnen nur das was hier im Rechner steht. In einer Aktentasche, welche nahe den sommerlich durchbrochenen Wildlederschuhen des Fragestellers herumlungert, befindet sich, nun sichtbar werdend, ein in Klarsichtfolie geschlagenes Buch, welches unter unabsichtlicher menschlicher Einwirkung, durch fortwährende Knüffe und Püffe ein wenig nach vorne, dem Lichte entgegen rutschte. Der Schutzumschlag des Bandes wird von einem ausdrucksstarken photographischen Wolfsportrait in schwarzweiß und dem in altertümlicher Scriptschrift scharlachrot gesetzten Titel, Wolfsblut von Jack London, bestimmt. Eine verblüffende Koinzidenz, trug doch ein in die rote Griffschale der Gartenschere reliefartig eingelassener, schön stilisierter Wolfskopf nicht unerheblich zu meiner, zu diesem Zeitpunkt noch nicht gänzlich unerschütterlichen, Kaufentscheidung bei. Mehr
Thematischer Schwerpunkt: »Warenwelt« |
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