Hightatras:
Im Alleingang (Mit Schokoladenbrunnen)
Goethe wiegt mehr als Musil. War ja klar. Das literarische Equivalent zu Gervais Obstgarten. Aufgedeckt: Wieso Hans Kammerlander und Reinhold Messner so lange Bärte haben. Keine Böcke einen Rasierer einzupacken, wg. zu schwer — diese Memmen. Die letzte große Herausforderung für einen Mann ist es die Welt zu Fuß zu umrunden, nur in Leibwäsche und mit vollkommen nutzlosen Gegenständen im Reisegepäck, wie einem elektrischen Schokoladenbrunnen nebst Dieselgenerator beispielsweise. Dada-Extreme oder wie ich einmal mit Vollmilchschokalade überzogene Weintrauben auf dem K2 verzehrte.
Thematischer Schwerpunkt: »Materie« |
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Westend
Ein Pullunder von Lacoste, der noch unentschlossen halbhoch vor dem Kühlregal schwebt und, als plötzlich und unerwartet Phil Collins erklingt, munter und beschwingt zu einem probiotischen Joghurtdrink greift. Die eine junge Frau am Telefon so, ich verdien' ja jetzt einsdrei auf die Hand: ich meine Halloooo, wie geil ist das denn? Vermutlich heißt sie Ariane oder Vanessa und ist recht groovy drauf. Einsdrei. Die Kehrseite der Medaille: eine depressiv wirkende Dame in Weiß, die Piccoloflaschen sowie Slimsize-Zigaretten kauft und sich bei ihrem Gang durch die Verkaufsräume reptilienhaft schleppend bewegt, wie auf Tabletten, knapp die Hälfte des marilynmansonartig fahl geschminkten Gesichtes wird von einer ausladend dunkelbraunen Sonnenbrille verdeckt. Prosperierendes Poppertum neben still und mit buddenbrookscher Tragik scheiternden letzten Sprößlingen einst angesehener Bürgerfamilien. Alles bei Rewe-Nahkauf. Gibt aber auch ganz normale Assis hier, die intensiv stinken und mit grobschlächtigen Bewegungen Schnapspullen kaufen.
Thematischer Schwerpunkt: »Passanten« |
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Der Tag eins nach Oberschledorn
Ich gerate recht plötzlich in Streit mit einem Unbekannten über die Frage ob man Honig mit Wasser verdünnen dürfe. Natürlich nicht, das Werk der Bienen würde so entweiht. Als sich dieser Unbekannte, der sich als H ausgibt, zudem anschickt defekte Computerplatinen in das auf dem Tische stehende, schöne Honigfass zu werfen, eine sinkt bereits langsam blasenwerfend auf den güldenen Grund des irdenen Hafens, eine weitere schlage ich ihm rasch aus der Hand, packe ihn sodann erzürnt am Schlaffitchen und zeige dem hilflos Strampelnden sowie zugleich bald dämonisch, bald schwachsinnig Grinsenden, wo der Maurer das Loch ließ. Draussen vor der Tür greint H herum und macht mir halblaut moralische Vorhaltungen. In einem Popup erscheint meine Mutter — als Mediatorin, wie eine Unterzeile erläutert — das klick ich aber gleich weg. Honigseim ist Honigseim ist Honigseim. Ich dulde in dieser Frage keine Widerrede! Es ist ja nicht einmal so, daß H versuchen würde die Tür einzutreten oder eine Szene zu machen und lauthals Arschloch o.ä. zu rufen, daß die Mietparteien pikiert und in Bademänteln an die Spione treten. Oh my gosh, he is such a windelweicher whacko!
Thematischer Schwerpunkt: »Schlaf« |
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Fledermäuse
Unterhalb der Rudolf-Wissell-Brücke, dort wo sich die Autobahn über die Spree spannt, wohnt eine größere Gruppe von Fledermäusen. Aus dem wuchtigen Betonfundament der Brücke sind an der Fahrbahnunterseite schmale Vertiefungen ausgespart, in denen sich im Halbdunkel schwarze Kabel und Rohre erahnen lassen. Dort fliegen die Tiere in der Dämmerung ein und aus und jagen Insekten, die, vor dem kalten Regen Schutz suchend, unter der Brücke umhertaumeln. Am Tage schlafen die Fledermäuse wohl in diesen Versorgungsschächten obwohl ständig Kraftfahrzeuge über sie hinwegbrausen und der Spannbeton sicher stets in leichter Schwingung begriffen ist. Manche Menschen haben ihre Wochenendgrundstücke direkt unter der Autobahn, auch gibt es eine Gaststätte, die im Schatten der massiven Brückenpfeiler nahe eines finsteren Tunnels gelegen ist. In dem Tunnel tropft das Wasser hallend von der Decke und manchmal scheppern olle Büchsen über den Boden. Früher pflegten wir dort mit Himbeergeschmack ummanteltes Vanilleeis am Stiel zu holen; wer beim Tischtennis verloren hatte, zahlte, so sah es eine eherne Regelung vor.
Thematischer Schwerpunkt: »Tierreich« |
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Ostdeutschland riecht nach Wurst und Weichspüler
Ich bin mir nicht schlüssig ob mich die Bevölkerung der deutschen Provinz so befremdet, ihre schwieligen Pranken, die mangelhafte Schöngeistigkeit und das daraus resultierende rüde Auftreten, oder ob es speziell die männliche ostdeutsche Landjugend ist. Diese von Aknepusteln gezeichneten, grünschnäbligen Bundeswehrsoldaten, die im gleichen Eisenbahnabteil sitzen, deren Gespräche ich lieber nicht hören würde, mir aber nicht die Ohren zuhalten kann, da ich im Begriff bin einen Apfel zu essen. Solche Kanaillen sind nicht mal im Sinne der Landesverteidigung tauglich, ich bezweifle, daß diese Rotzlöffel im Dunkeln einen Lichtschalter finden, geschweige denn ein Maschinengewehr richtig zusammensetzen können. Das Heer besteht wohl aus Idioten, eigentlich gut, führt — nach einigem hin und her und aus dem Fenster blicken — der sonst schweigsame pazifistische Teil meines Gehirns aus, so geht von Deutschland keine ernstliche Bedrohung mehr aus, da die Truppe durchsetzt ist von Amechanie, von unfreiwillig schwejkscher Sabotage: Panzer die im Schlamm stecken bleiben, Granaten die in den eigenen Gräben explodieren und fettleibige Soldaten, für die befohlene Gewaltmärsche bereits nach fünf Kilometern enden mangels Kondition. Der Marsch auf Stalingrad könnte also heute nur in klimatisierten Reisebussen durchgeführt werden und würde so schon recht bald, vermutlich an der Grenze zu Polen vereitelt werden. Wenn wenigstens Demut das Produkt nächtlicher Übungen im Schlamm wäre, hätte die Bundeswehr doch eine für mich immerhin nachvollziehbare und sinnvolle Funktion. Äpfel esse ich unterwegs immer im Ganzen, lediglich den Stiel verschmähe ich und werfe ihn fort. Zuhause jedoch mache ich mir Äpfel mit dem Messer zurecht, entferne das Kerngehäuse und den verschrumpelten Blütenansatz.
Thematischer Schwerpunkt: »Modelle« |
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