Hightatras:
Eislaufen

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Thematischer Schwerpunkt: »Materie« |
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Mischkonsum und Fernsehen
Haha. Der Fahrstuhl schickt sich an, ohne Fahrgäste abzufahren, da diese stumpfsinnig vor der falschen Schiebetüre ausharren. Ausser mir ein älterer Schwuler mit Glatze, freundlichen Augen und einer gefütterten Lederjacke in Antikoptik, der einen kraushaarig mittelformatigen Hund an der Leine führt. Er trägt eine kleine Handtasche aus Jeansstoff bei sich, die wohl Spielbälle und andere Wurfutensilien enthält, die das Tier im Ausagieren seines Bewegungsdranges unterstützen sollen. Auf die Deckklappe des selbstgenäht wirkenden Futterals ist ein Aufnäher in rot und silber appliziert; ein munter japsender, die Zunge kregel heraushängen lassender Hundekopf im Halbprofil. Der Hund nutzt die intime Situation in der Fahrgastzelle um den schweißgesottenen Aufschlag meiner Sporthose zu beschnüffeln. Ich so: Ja, ist ja nicht schlecht hier so direkt am Grunewald – speziell für den Hund. Vierte Etage: man muß dem Mitreisenden schließlich auch noch genügend Gelegenheit bieten etwas hinreichend Affirmatives zu erwidern. Mein Nachbar hat sich kürzlich eine Schlafbrille gekauft, da ihm selbst die spärliche Sonneneinstrahlung dieser kurzen Tage den Schlaf raubt. Er verbringt seine Nächte jetzt bei Kunstlicht hinter einer Scheibe aus Panzerglas und legt den Besuchern eines Spielcasinos die zum Glücksspiel erforderlichen Jetons in eine horizontal bewegliche Schublade aus Metall.
Thematischer Schwerpunkt: »Passanten« |
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X34
Sie so: Omma ist ja auch viel schlanker als wie beim letzten mal. Er so: Joo… liegt aber vielleicht auch an ihre Darmgeschichte. Sie so: Na, die ist schon fit!. Er so (zögerlich): Jaja klar … fit isse. Und weist nach Momenten des Schweigens seine Partnerin lächelnd auf ein kleines qualmendes Automobil der Marke Trabant hin. Mit dem Ellenbogen. Reckt wenig später, sich abrupt auf der Sitzbank wendend, den Zeigefinger deutend in die Höhe, da dort eine, die Schnellstraße überspannende, Lichtertafel vorbeizuhuschen droht, welche üblicherweise Auskunft über die innerstädtische Verkehrslage gibt, nun aber ein simpel animiertes, stark stilisiertes Weihnachtsmotiv vorstellt. Aus der Drehung heraus schnellt ein sportiver Herrenhalbschuh in den Mittelgang des Omnibusses und der Blick des Betrachters fällt auf erbspüreefarbene Söckchen, die gestreng in bleich dunkelbehaarte Waden einschneiden.
Thematischer Schwerpunkt: »Passanten« |
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Wintersonnenwende
Thematischer Schwerpunkt: »Witterung« |
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I've Lost That Loving Feeling
Daß es bereits für jede denkbare amouröse Stimmungslage einen Popsong gibt, wirft ein schlechtes Licht auf die Menschheit wie ich finde – wenigstens auf mich. Ich lausche hier Musikstücken, die die Party-Jukebox des Computerprogrammes iTunes auswählt und denke so hmm oder so ist es, ja genau! Der emotionale Massenspeicher Soul, oder gar deutscher Schlager der sechziger – pathetisch, trivial und doch so wahr. Nicht das Maß aller Dinge, sondern in genetisch bedingten, millionenfach gleich durchlebten Verhaltensmustern befangene Säugetiere unter Vielen sind wir, das ist natürlich ohnehin klar aber auch der Subtext der kitschigsten Liebeslieder der Welt.
Thematischer Schwerpunkt: »Modelle« |
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Selters vs. MacBook
Gestern zur Unzeit eine Flasche Mineralwasser umgekippt, die sich munter sprudelnd in die Tastatur und den Lüfter ergoss. Zack, schnell Batterie raus und den Heimcomputer energisch ausgeschüttelt sowie mit einem Handtuch betupft. Nach Neustart waren im unteren Teil des Monitors interessante Bläschen und mäandernde Mikrowasserströme zu beobachten. Einfach jede Menge CPU-Intensive Anwendungen gestartet, der Wärmeentwicklung wegen, Flackern und schreckliche Geräusche vom Feinsten sag ich mal so, aber nach einer Stunde war wider Erwarten alles wieder trocken und funktionstüchtig. Ächz.
Thematischer Schwerpunkt: »Apparate« |
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Schlachtensee
Erstes mürbes Eis auf den Seen. Menschen und ihre agilen Hunde. Domestizierte Wildnis, die sich von der loyalen Seite zeigt. En passant bürgerliche Satzfetzen, gemeinsame Lebensplanung oder den Dienst betreffend. Schlafen, Lesen und Müßiggang. Ein Krähenschwarm vor grauem Himmel, der durchwirkt ist von späten und vereinzelten fahlgelben Sonnenfasern. Eine gute Schule: die unbedingt noch zu verfeinernde Kommunikationstechnik, komplexe Bilder und Stimmungslagen in 160 Zeichen zu formulieren — auch trunken. Der Weg des SMS schreibens. Zungenküsse, Subprimekrise, erhabene Leere und Istigkeit.
Thematischer Schwerpunkt: »Umfeld« |
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Die Früchte eines aggressiven Portfolios
Breitcord, Cashmere, Maserati Concept Cars, Lounge Chairs von Eames und geflammtes Nußbaumholz, bitteschön: mein Haus, mein Boot. Die Schläfen werden grau und ich fokussiere mich zunehmend auf die Perfektionierung meines Golfabschlags. Genieße in kultivierter Gesellschaft (internationaler Jetset) einen trockenen Martini auf meiner Dachterrasse über dem Luganer See und trage dabei legere Wildlederslipper sowie eine geschmackvolle Armbanduhr von Patek Philippe. Als letzter Sproß einer Hochbegabtenfamilie verzehre ich das Vermögen mit Müßiggang und schreibe unter klangvollem Pseudonym gelegentlich romantische Liebesromane, die die Frauen verschlingen.
Thematischer Schwerpunkt: »Warenwelt« |
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There's a Kind of Hush
Hinter den getönten Scheiben eines Reisebusses kniet ein stumm brüllender Fußballfan auf seinem Sitz und ist recht verbissen bemüht mich pantomimisch zu beleidigen. Der Wagen wird ausschließlich zu meiner Erheiterung an mir vorbeichauffiert. Vom Kühlturm des Kraftwerks Reuter windet sich knotig und reinweiß Wasserdampf gen Osten. Der Himmel wölbt sich von cyan zu königsblau und die Sonne geht gesättigt und glühend goldorange unter, ein schwarzer Schlepper fährt die Havel stromaufwärts und vom anderen Ufer erklingen Sirenen und das verwehte Spiel einer Hochzeitskapelle. Mein Geist stülpt sich heute nach außen. Die Frau mit ihrem Rollator, die den Gang zur Supermarktkasse versperrt. Sie sieht sich sehr genau die Abbildung auf einer Lebkuchenverpackung an, und ist nicht empfänglich für Bitten und Fragen. Denken Sie schon jetzt an ihren Silvesterkarpfen steht auf einem Schild. Die Kunden warten hinter ihren Einkaufswagen, aber es stellt sich eine große Ruhe und Frieden ein und die Zeit bleibt stehen – wird wenigstens langsamer in Gedanken. Wieso erscheinen plötzlich Vögel, wann immer Du in der Nähe bist? So wie ich wünschen sie Dir nahe zu sein. Der Moment, in dem Karen Carpenter ihr Haupt neigt — ihren seidig schimmernden Ponyhelm — und zart und fließend über ihr Instrument streicht. Oder Dave McClain von Machine Head, dessen Trommeln an einem recht stabilen Metallgestell montiert sind, damit der Schlagzeuger sein Instrument nicht umstößt beim energischen Musizieren. Ein gigantischer Monolith, der in den süßesten Bonbonfarben schillert oder stumpf und matt ist – in den fahlsten Anthrazit- und Bronzetönen, der alles Lichte, alles Düstere, alles Banale und alles Erhabene enthält. Mit den Fingerspitzen, aus Polygonen gefügte Rennwagen in hoher Geschwindigkeit einen palmengesäumten Boulevard entlangzusteuern; Comics, Avatare und soziale Nähe generierende Kurznachrichten, die x Millionen Bilder, die an diesem Tag mit Digitalkameras aufgenommen werden, Minnegesänge und der Zauberberg. In einem Webcamfenster zu betrachten, wie von Pupillen reflektiert Fenster auf dem Desktop bewegt werden, deren Inhalt durch das Gehirn hindurchfließt und wiederum durch die Augen abgestrahlt wird. Die stilisierten Nagetiere eines Animationsfilms tollen durch ein Fenster, schemenhaftes Interieur im Hintergrund fließt in lyncheske Schatten.
Thematischer Schwerpunkt: »Ausdruckstanz« |
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