Hightatras:
Demontage
Ein stählerner Dinosaurierkopf zerpflückt zögerlich tastend, aber schließlich energisch zuschnappend ein Haus. Die Trümmerhalde über die der spezielle Bagger vor und zurück malmt, liegt in scharfem Licht und ein Schlauch schlenkert Wasser durch die Luft gegen den Staub. Es hat sich eine Traube von Männern gebildet mit den Händen in den Taschen. Gebürstete Aluminiumbleche knautscht und nagt das Maschinenmaul mit transformerartigen moves herunter und lässt sie scheppernd und nachlässig in die Tiefe krachen. Schlägt mit Leichtigkeit, durch eine jähe seitliche Kopfbewegung, einen Stahlträger weg, und als der Mittelteil ächzend und wund zusammensackt, klatschen welche oder stecken sich Zigaretten an, wie bei einem futuristischen Stierkampf. Es war ein altes Haus, teilweise noch aus Ziegelsteinen gemauert, in dem zuletzt nur noch schlechte Geschäfte gemacht wurden. Von Prionen bevölkerte Fischbrötchen oder rosa Pumps, Talmischmuck und Handtaschen aus Plastik.
Thematischer Schwerpunkt: »Apparate« |
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Ein städtebauliches Konzept
Selbst eine der häßlichsten Ecken Westberlins, der Stuttgarter Platz, der eigentlich gar kein Platz mehr ist, mit seiner betonverplombten Kriegskaries, den Import-Export-Läden, dem allgegenwärtigen Pissegeruch, den kleinen Hustlern und schäbigen Stundenhotels versprüht mehr Charme und weltstädtischen Esprit als ganz Berlin-Mitte. Die Fakten liegen auf der Hand: die lichte und schöne Seite der Hauptstadt verfügt über vorzügliche Infrastruktur, sehr gute Gastronomie, gepflegte Grünanlagen und gehobenes, seit Generationen hier verwurzeltes Bürgertum; die apokalyptische Schattenseite der Stadt jedoch wird verkörpert durch in der Gosse vergammelnde Sofas, Crack, Hundescheiße, Gewalt und Glasscherben. Daher plädiere ich dafür, daß nicht mehr zeitgemäße Stadtbezirke, wie Kreuzberg SO36, Mitte und Friedrichshain, dem Erdboden gleichgemacht werden sollten. Die so gewonnenen Baulücken würden dann sukzessive durch gute moderne Geschäftshochhäuser für international operierende Konzerne, Chipfabriken und Produktionsstätten der Biotechnologie geschlossen werden.
Thematischer Schwerpunkt: »Umfeld« |
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Herr No schreibt einen Weblogeintrag
Einige dick eingemummelte Boote in den Werften. Der Wind, der in den Planen knattert. Und Eisscherben klimpern in Molltönen im bleigrauen Blesshuhnwasser. Das Hausboot liegt an der Mole; an Deck steht Gerümpel und Brennholz und einzelne Fischreiher waten durch die zahme Brandung. Ein Schlepper, mit Schrott beladen, fährt stromaufwärts. Unsichtbar, hinter den efeuberankten Buchen wälzt sich die Heerstraße über eine Brücke. Die Eisflächen der Seen im Wald sind so zart, daß selbst schwerere Enten einbrechen. Bald über den Eisfilm patschen, bald knisternd schwimmen. Ich blicke in blassgrüne Augen wie feuchte Jade und die Akustik ist komisch. Eine hysterische Frau, die ich dauerhaft am rechten Ende meines Blickfeldes sehe, ist so groß wie ihr Kopf, sie trinkt einen grünlich gefärbten Cocktail nach dem anderen und kreischt und gestikuliert. Den Getränken gebricht es an Kohlensäure, da wenig verzehrt wird. Sie riecht gut. Es geht um Quantenmechanik, schlösse ich die Augen wie es die Katzen tun, wäre die Gaststätte mit ihren glatten Flächen, den nicht auf dem Tisch stehenden Aschenbechern, der irdenen Reisschale undsoweiter vielleicht gar nicht da. Ausgehen in Westberlin. Es ist weltstädtisch, freundlich vertraut wie unser Gespräch und sehr provinziell zugleich. Der Baumpate Ben Wargin mit seiner vermotteten Kunst, das Kantkino: und nach der Vorstellung in die Pizzeria sowieso. Der neue Cronenberg ist sehr gut! Perfekt ausgestattet und besetzt, jede Menge Mafiafilmzitate, ästhetische Gewalt und hitchcockeske Bilder. Im Zuschauerraum saßen allerdings viele Menschen mit schweren Atemwegserkrankungen.
Thematischer Schwerpunkt: »Umfeld« |
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Es geht eine Träne aufs Eis
Dieser ältere graumelierte Herr auf der Eisbahn, dessen Blick unter der blauen Schirmmütze hervor, mich stets an einen etwas melancholischen Vogel erinnerte. Früher lief er immer mit Würde eine Runde nach der anderen, drehte gelegentlich eine altherrenhafte, etwas steife Pirouette und das wars. Ende der Eislaufzeit. Heute nun, ich hatte ihn schon vermisst die vergangenen Male, sah ich ihn wieder. In Begleitung einer Dame mit blondierten, zu einer Dauerwelle gelegten Haaren. Hand in Hand liefen die beiden, dann drehte er sich und lief geschmeidig rückwärts, nur um ihr in die Augen sehen zu können und zärtlich ihre Lippen zu küssen. Und aus seinen Bewegungen war alles hölzerne gewichen, die perfekte Technik des alten Eislaufhasens war nun durch das Feuer der Liebe zu köstlichster Anmut geadelt worden. Auf vier Kufen tänzelten die zwei ergrauten und zugleich doch so strahlenden Turteltäubchen umeinander und aus den Lautsprechern erschallten die größten Erfolgstitel von Juliane Werding.
Sie werden sich sicher fragen, ist dieser Herr No nun eigentlich komplett verrückt geworden? Die Antwort lautet Nein. Ich bin lediglich bestrebt meinen ohnehin guten Ruf als Blogger der Herzen noch weiter auszubauen, auch gedenke ich mit sentimentalem Frauencontent brigitte.de ein gerüttelt Maß an Page Impressions abzutrotzen. Soviel dazu. Was ich eigentlich sagen wollte: Runter von der Bande da Sportsfreund, und zwar zackig! Übrigens arbeite ich gerade an einem größeren ziemlich kritischen Beitrag über diese neuen Tetrapaks mit Schraubverschluss, die sich nicht problemlos restentleeren lassen.
Sie werden sich sicher fragen, ist dieser Herr No nun eigentlich komplett verrückt geworden? Die Antwort lautet Nein. Ich bin lediglich bestrebt meinen ohnehin guten Ruf als Blogger der Herzen noch weiter auszubauen, auch gedenke ich mit sentimentalem Frauencontent brigitte.de ein gerüttelt Maß an Page Impressions abzutrotzen. Soviel dazu.
Thematischer Schwerpunkt: »Umfeld« |
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Der Jahreswechsel
Mal kurz zum chillen auf das Canapée gelegt mit einem leinengebundenen Buche und prompt eingeschlafen. Erst erwacht als hektische Blitzlichter das schummrige Interieur in mannigfaltigste Bunttöne tauchten und ferner ein anschwellend gutturales Grollen vernehmlich wurde. Aha, ganz klar, draussen wird ein Feuerwerk durchgeführt. Die Zeiger der Uhr schon nach 12.
Die Devise lautet: In 2008 unbedingt noch mehr onkelhaften Biedermeierscheiß hier reinschreiben. Because i can.
Thematischer Schwerpunkt: »Haushalt« |
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