Hightatras:
Apparate
Brotbackautomat
Die Maschine mutet äusserlich an wie eine kleine Waschmaschine, hygienische weiße Ware. Ein bald vierzig Zentimeter messender Kubus aus Plastik und Stahl, der den Haushalt halbautomatisch mit Backwaren versorgt. Wesentliche Module des Apparates sind eine Heizspirale und ein, scheinbar vor Kraft strotzender, kleiner Elektromotor, die Urzellen der modernen Technik, Bauteile, die dem Wunsche des technischen Menschen entsprechend, Elektrizität in thermische oder kinetische Energie transformieren. Herz des Automaten ist allerdings ein, dem Prinzip unserer Zeit folgender, Microchip, der überhaupt erst der ihn umgebenden toten Materie koordinierende Information einhaucht. Erst der in Silizium gebrannte, schier endlos reproduzierbare Sachverstand des Chips ermöglicht es dem Gerät recht mannigfaltige, dem gewünschten Teige gemäße, Produktions-Programme durchzuführen.
Der bedienende Mensch befüllt den Schlund des kleinen Ofens mit Wasser und Backmischung, betätigt die entsprechenden Tasten, der Produktionsvorgang beginnt mit dem guttural wirkendem Mahlen des den Teig knetenden Hakens, das Gehen des Hefeteiges wird anschließend durch die entsprechend gesteuerten Heizstäbe eingeleitet. Eine in den Programmen vorgesehene Pause, soll der Entfremdung des Menschen von seinem Produkt entgegenwirken, die Betriebsanleitung sieht hier ein Öffnen des Deckels und je nach Gusto ein Hinzufügen von Körnern, Zwiebeln oder anderen Individualität erzeugenden Zutaten vor. Es folgt der finale, recht unspektakuläre Backvorgang, dem Gerät entströmt, durch das Gehäuse durchbrechende Schlitze, zumeist vorzüglicher Wohlgeruch. Ein an großindustrielle Anlagen gemahnendes recht durchdringendes Geräusch bezeichnet das Ende des Backprogrammes. Die Produkt-Designer nahmen an, daß sich der Mensch während des Backens in einem anderen, fernen Raume des Haushaltes befindet, dies ist ja schließlich Sinn der heimischen Automatisierung: dem Leben Zeit abzutrotzen. Das in die Front des Gehäuses eingelassene LCD-Display bestätigt es, der Verbraucher kann nun der Einheit den fertigen Laib entnehmen.
5. Juni 2005