Hightatras: Special Interest Content mit Pfiff.

Passanten

Im Stelenfeld

Das Mahnmal das an die Ermordung der Juden erinnern soll sieht gut aus, es wurde von dem Stararchitekten Peter Eisenman entworfen. Beim Betreten riecht es angenehm nach frischem Beton und nach dem Regen funkeln die Tropfen recht schön auf der Anti-Graffiti-Beschichtung. Auch die Färbung der das Feld bildenden Klötze gefällt mir, je mehr man zum Zentrum der Stätte geht, desto tiefer wird das Bodenniveau und das Lärmen der Kraftwagen ist nur noch aus der Ferne zu vernehmen. Allein mit den Stelen, dem SAT1-Ball, der über allem schwebt und natürlich den vielen anderen Schaulustigen. Sicherlich wird sich die ganze Anlage zu einem Eldorado der Amateur-Fotografen mausern, die hier das pittoreske Spiel von Licht und Schatten auf ihre Speicherkarten zu bannen versuchen.

Später. Zwei Frauen mitte vierzig halten einen kleinen Jungen auf, der im Begriff ist die Gedenkstätte mit seinem BMX-Rad zu durchqueren. Die mit anthrazitfarbenen Strickkleidern und szenetypischen Broschen bekleideten Shoah-Tanten versuchen den kleinen Rabauken zur Ordnung zu rufen aber dieser kann der, mit sozialarbeiterischer Verve, vorgetragenen Standpauke nicht folgen. Er hält ein kleines Sprechfunkgerät ans Ohr gepresst und spricht mit einem Spielkameraden, der sicherlich unweit den Ort der Andacht entweiht mit gedankenlosen Versteckspielen.

19. Mai 2005
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