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Warenwelt

Duroplaste als List gegen das Verbrechen verärgern den Verbraucher

Einem Bedarf folgend, bestellte ich im Internet, ein den Ablauf meiner Arbeit mutmaßlich verbesserndes Kleinteil. Das Warten auf die Sendung fand heute ein Ende, ein mit stiller Verachtung arbeitender Bote händigte mir das ersehnte Päckchen aus. Nachdem das, das eigentliche Produkt ummantelnde Pappkuvert erbrochen war, sah ich mich, mit einem mir schon geläufigen Problem konfrontiert, wurde ich doch einer wiederum in eine Sichtverpackung eingeschweissten Schatulle, welche das Produkt birgt, gewahr. Dieses mir verhasste Verpackungsmaterial entzieht sich der Bearbeitung mit den meisten, in einem guten Haushalte vorhandenen Werkzeugen. Seine Eigenschaft ist recht zäh, transparent und scharfkantig.

Der Hersteller bettet seinen Ware mit Bedacht in diese widerspenstige Materie, die Verpackung ist zum Aufstellen konzipert, eine im oberen Bereich eingearbeitete Öffnung dient dem Zwischenhändler zum Aufhängen an einem Warenständer. Man denkt hier auch an Spontan- und Zusatzkäufe und wählt sicher einen Platz nahe der Kasse. Manuelles aufreißen ist gänzlich zum Scheitern verurteilt und führt im schlimmsten Falle zu Fleischwunden. Obwohl ich über einen wahrlich wohlsortierten Werkzeugkasten verfüge, fiel mir die Wahl des Werkzeuges nicht leicht. Letztes Mal arbeitete ich mit einer Säge. Eine grobe Schere, wie zunächst erwogen, erschien dann wenig geeignet, unter hässlichen Kratz-und-Quietsch-Geräuschen war ich schließlich mit Teppichmesser und Saitenschneider erfolgreich. Die Industrie ist nur auf den Verkauf bedacht man ist dort wenig am Befinden und der Meinung des Verbrauchers interessiert. Wird dieser doch, durch die für ihn minderwertig anmutende Verpackung, negativ für ein Produkt eingenommen, obwohl Berichte den eigentlichen Artikel über den grünen Klee loben. Eines billigen Effektes im Verkaufsraum willen verscherzt man sich die Reputation beim, den Handel überhaupt erst möglich machenden, zahlenden Kunden grollte ich.

Vielleicht ist die Verpackung aber auch so störrisch, wehrhaft beschaffen um dem Ladendieb die Suppe zu versalzen. Die Ware erhält durch die äußere Kunststoffhülle eine gewisse Größe und lässt sich deshalb nicht gar so leicht in den Taschen des Verbrechens verstauen. Ferner sorgen unsichtbar, inwändig angebrachte Sicherheitsetiketten an der Kasse für schellende Alarmglocken, die, den Strolch dingfest machende, Wächter auf den Plan rufen.
In unserem Jahrtausend werden die wertvollen Waren immer kleiner, so daß der zeitgenössische Dieb, schöbe man dem keinen Riegel vor, die begehrten Objekte einfach runterschlucken würde und später seinem Stuhle entnähme, nach dem Vorbild der Schmuggler.

24. Mai 2005
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