Hightatras: Special Interest Content mit Pfiff.

Tierreich

Der Begriff der Wasserratte wird mit Bedeutung erfüllt

In einem großen innerstädtischen Park fiel mir auf, daß die Parkverwaltung an den Brücken, die eine kleine Insel erschließen, Schwingtüren angebracht hatte. Schilder ersuchen die sich hier ergehenden Flaneure, die Türen geschlossen zu halten, da einer »Kaninchenplage« Herr zu werden sei. Die Gartengestaltung der kleinen Insel ist recht artifiziell, viele Rabatten und auch, in unseren Breiten, einjährige exotische Pflanzen bestimmen das Bild des Eilands. Scheinbar ist diese Vegetation für Hauskaninchen (Oryctolagus cuniculus) besonders schmackhaft, gibt es doch in den weniger aufwändig, eher romantisch, naturnah konzipierten Teilen der Anlage genügend Grünmasse zum Verzehr.

Eben noch darüber nachsinnend, ob Kaninchen die Abschottung schwimmend, des Geschmackes willen überwinden könnten, bemerkte ich eine, in dem flachen, stehenden, die Insel umgebenden Gewässer, schwimmende Wanderratte (Rattus norvegicus). Das Tier schwamm ausgezeichnet, fast genußvoll, und tauchte routiniert unter einer auf der Oberfläche treibenden Algenansammlung hindurch. Der lange Schwanz diente dem Nagetier als Steuerinstrument. Mit diesem Erlebnis gewann das Bild des »wohlig Schwimmens«, den der Begriff Wasserratte* bezeichnen soll, für mich erstmals an Bedeutung. Vergleichbares beobachtete ich im Zoologischen Garten früher bereits bei Seehunden. Allerdings bezeichnet man in unserem Sprachraum Schwimmer wohl selten als Seehunde, Wasserratte ist hier gebräuchlicher. Vornehmlich interesselos planschende Kinder werden als solche tituliert, unangemessen erschiene es, den Vergleich aus dem Tierreich beispielsweise auf Franziska van Almsick anzuwenden. Schlimmstenfalls ist dies sogar justitiabel und der vermeintlich possierliche Worte führende, fände sich vor Gericht wieder, bedroht von empfindlicher Geldbuße. Nein, Wasserratte trifft hier auch nicht, athletische Schwimmer betreiben ihr Gewerbe dem Siege willen, mit dem Ziel ihre Mitstreiter zu überflügeln, nicht aber des unmittelbaren Genusses frönend.
Der bezüglich Wanderratte befragte Naturführer ist in seinem Urteil, über das zur Ordnung der »Rodentia« zählende Tier schonungslos, resümiert wird der kurze Artikel mit dem Wort »Schädling«. Werden die Tiere hier doch immer recht primitiv im Lichte der Gefahr oder des Nutzens für den Menschen bewertet, dabei könnte im Falle der Stadtparkinsel die Feindschaft der Ratten und Kaninchen eine Chance für den dort betriebenen Gartenbau darstellen.

*Der umgangssprachlich als Wasserratte (Arvicola terrestris) bezeichnete Nager gehört mitnichten zu den Ratten und lebt sogar häufig fern des Wassers.

26. Mai 2005
Kommentare:
da muss ein bild dabei sein
Meinte laura wagner am 14. Oktober 2005 um 17:54 Uhr

Powered by Movable Type | XML