Hightatras: Special Interest Content mit Pfiff.
Warenwelt
Ich weiss was Du letzten Sonnabend gekauft hast
In der neuen Stadtbücherei wird der Diskretionsabstand an der Ausleihe ziemlich lax gehandhabt, in der alten Bibliothek gab es sogar einen durch Absperrbänder gebildeten Gang um die Warteschlange zu disziplinieren ferner eine weiße Linie auf dem Boden. Vortreten nur nach Aufforderung. Manches war dort anders, insgesamt mehr klebegebundene Bücher sowie kleine Genre-Etiketten auf dem Buchrücken, z.B. »Frauen«, »Krimi«, »Pferde« aber auch »Jüdisches Schicksal«.
Das die Bibliotheksleitung auf die Privatsphäre der Leser bedacht ist, finde ich verständlich, vielleicht folgt man dort auch der Direktive des Datenschutzbeauftragten. Mittlerweile ist das ja in Deutschland fast überall so üblich, ausser vielleicht an der Imbissbude oder im Supermarkt.
An der Supermarktkasse und auch im Laden selbst kommt man als Kaufverhaltens-Voyeur voll auf seine Kosten. Wie langweilig ist der Kontostand oder das am Billet-Schalter geäusserte Reiseziel im Vergleich zum Bände sprechenden Blick in den Warenkorb der Nachbarn. Je mehr Produkte der Kunde auf das Förderband vor der Kasse legt, desto differenziertere Rückschlüsse kann der des »in-den-Waren-Lesens« mächtige über den Käufer und den hinter dem Konsumenten stehenden Haushalt ziehen. Nicht gemeint sind so triviale Feststellungen, wie Kunde A kauft Hundefutter, also hat A einen Hund. Nehmen wir an, Kunde A kauft Hundefutter und eine große Flasche Schnaps und sechs Dosen Pilsener. Ein einfaches Beispiel.
Kunde B kauft Hundefutter speziell für kleine Hunde, Weichspüler, Lachsschinken, Spargel, Sauce Hollandaise im Tetrapak und Slipeinlagen. Kunde C kauft eine Fernsehillustrierte, lange Blättchen, leichte Zigaretten, Eistee Aprikose, Weingummi und Schokolade. Kunde D kauft tiefgekühlte Pizza Salami, Schnitzel, Bouletten, Würstchen, Hackfleisch, Toastbrot, Kartoffeln, Brause und eine kleine Flasche Weinbrand. Kunde E kauft Sanddornsirup, »Weetabix«, Joghurt, Orangensaft in der Pfandflasche, Tortiglioni, Poree, Tomaten, Höhlenkäse, ein Latte-Machiato-Getränk aus dem Kühlregal und die CD »Summer-Emotions«.
Mysteriös und höchst interessant erschien mir neulich die Asiatin, die zwanzig Flaschen Spülmittel erwarb, welche zu jener Zeit nicht »im Angebot« waren!