Hightatras: Special Interest Content mit Pfiff.
Umfeld
Auf der Eisbahn


Bekanntlich ist Eislaufen die beste Wintersportart die man in der Stadt ausüben kann. Allzu viele Möglichkeiten gibt es in Berlin nicht, zumal die Seen nicht mehr sicher zufrieren, vielleicht alle paar Jahre einmal. Am Besten ist das Eisstadion Wilmersdorf, was im wesentlichen am Eisschnelllaufring liegt, den es hier gibt. Die Sportstätte liegt in einer kleinen Grünanlage zwischen Stadtring, Versicherungshochhaus und Heizkraftwerk, trotz des industrialhaften Umfelds ist es hier ganz schön. Auf dem 400m-Ring ist genügend Platz, es nervt also nicht so wie in anderen Stadien mit kleineren Eishockeyfeldern.
Das Publikum ist sehr gemischt.
Zunächst ist die Eisbahn natürlich ein Treffpunkt der Jugend, die hier im Winter ihre Freizeit verbringt. Wer dazu gehört, hat im Eingangsbereich ein Schließfach gemietet, in dem die selbstverständlich allerlässigsten, brandneuen Schlittschuhe der Saison aufbewahrt werden. Fahrkompetenz auf der Kufe eröffnet einem jungen Mann hier alle Türen, sowohl in der eigenen Bezugsgruppe, als auch bei den gleichaltrigen Mädchen, die mit an den Schlittschuhen befestigten Kuscheltieren, bauchfrei und mit kunstpelzverbrämten Anoraks, reichlich zu Gast sind. Balzverhalten und alterstypisches Rollenverhalten wird hier etwas abstrakt als Wintersport ausgeübt. Mit tollen Kapriolen und rasanten Bremsungen buhlen die Burschen um die Gunst der Mädchen.
Herren in den besten Jahren ziehen hier gemächlich ihre Runden, die behandschuhten Hände über dem Po verschränkt, so mit einem Bekannten ein gepflegtes Gespräch führend. Finanzfragen, Urlaub und Autoreparatur sone Themen. Weibliche Bürokräfte, die sich hier Bewegung verschaffen. Runde um Runde verblasst der Groll über die unerträgliche, gemeinsame Kollegin. Familien sind natürlich auch häufig anzutreffen, einmal wurde ich versehentlich Zeuge einer Faschingsveranstaltung auf dem Eis, zahlreiche Kinder in farbenfrohen Kostümen von einem Conférencier zu einfachen Spielen angehalten. Aufopferungsvolle Mütter die sich ihre Töchter als glamouröse Eisprinzesinnen ausmalen, hier die ersten Schritte mit ihren Sprösslingen wagen. Graue Herren, sicherlich Eislaufprofis im Ruhestand, ziehen still und routiniert ihre Runden, sie kennen das ganze Leben hier wie ihre Westentasche. Damen jenseits der 60, die einmal den Eistanz ausgeübt haben oder Zeit ihres Lebens davon träumten, entfalten hier befreit ihre Arme zu anmutiger Geste, sie können nicht an sich halten, die Musik fließt durch sie hindurch. Türkische Cliquen, die einen Kameraden dazu überredet haben, einmal auf die Eisfläche mitzukommen, der Anfänger, in geliehenen Schlittschuhen, fühlt sich nicht sicher, sucht die helfenden Arme seiner Freunde aber erträgt die Stürze und die wenig elegante Figur die er macht stoisch lächelnd. Ein modernes vielschichtiges Genrebild ist das hier, jeder ein unterschiedlich schneller Teil einer fortwährenden Kreisbewegung.
Mitunter üben auf der Eishockeyfläche, die im Inneren des Runds liegt, Vereine Eistanz. Einzelne Paare proben ihre Figuren, ein Assistent begleitet das jeweilige Tanzpaar auf Schlittschuhen, in der Hand einen kleinen Kassettenrekorder, so für die geeignete musikalische Begleitung sorgend. Manchmal sind einzelne Paare so schön anzusehen, daß das ganze Stadion applaudiert wenn sie ihren Tanz beendet haben. An dieser Stelle trainieren an anderen Tagen junge Athleten Shorttrack, eine sehr rasante Form des Eisschnelllaufs.