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Sprechblase
Das Christentum und die Schafe im Weltall
Dr. Guy Consolmagno hat am MIT studiert und ist heute Astronom im Auftrag des Vatikans. Consolmagno ist nicht nur Kurator der Meteoritensammlung des vatikanischen Observatoriums sondern veröffentlicht auch Theorien über intelligentes Leben im Universum. Der Astronom im Namen des Herrn geht von der Existenz von Aliens aus, sieht darin aber keine Gefahr für den katholischen Glauben. Mit dieser Annahme stellen sich, in dem Weltmodell der christlichen Kirchen gedacht, einige interessante Fragen. Der Autor dieses Artikels wirft die Frage auf, ob Christus mit seinem Erscheinen auf der Erde gleichzeitig ebenfalls die Ausserirdischen erlöst hat und ob jene wie der Mensch von Adam abstammen. Sind Inkarnationen Gottes auch auf anderen Planeten gelandet? Ich möchte die Frage hinzufügen wie die katholische Kirche den Rang möglicher Aliens in Bezug auf den Menschen bewertet? Vermutlich untergeordnet, da diese zwar intelligent sein können, aber eben keine Menschen im anatomischen Sinne sind.
Die Außerirdischen, mit denen wir es im biblischen Kontext zu tun haben — Engel —, wurden in der christlichen Bildwelt bislang immer als menschenähnlich dargestellt. Laut Bibel schuf der Herr den Menschen zu seinem Bilde, und verlieh ihm damit implizit die Führung über diesen Planeten. Würde der selbsternannte Ober-Stellvertreter Gottes auf Erden, der Papst, durch eine mögliche Entdeckung intelligenten Lebens auf einem anderen Himmelskörper zum spirituellen Oberhaupt des ganzen Universums avancieren? Wo Schafe sind muß schließlich auch ein Hirte sein, egal, ob die Schafe grün sind. Mit der Annahme extraterrestrischer Intelligenz würde ferner das anthropozentrische Weltbild des jüdisch-christlichen Abendlandes in Frage gestellt. Mit neueren Erkenntnissen über die Übereinstimmung der DNA des Menschen und dem Genom der gehobenen Säugetiere wird dies ohnehin ein immer weniger überzeugender Standpunkt im wissenschaftlichen Sinne. Speziesismus, eine Prämisse im Widerspruch zur Bibel, die u.a. dazu führte, daß der Mensch seit Jahrhunderten Lebewesen, die nicht aussehen wie Menschen, in Käfigen hält und diese, bei Bedarf, zum eigenen Verzehr tötet. In Verteidigung des menschlichen Führungsanspruchs lehnt die Kirche ja auch die Evolutionstheorie ab, da diese den Menschen als Teil des Tierreichs zu einem gleichberechtigten Teil der Schöpfung degradiert. Consolmagno kann jedenfalls froh sein, seine Thesen im Jahr 2005 veröffentlicht zu haben, einige hundert Jahre früher hätte man wohl unverzüglich das Brennholz zusammengetragen. So erging es Giordano Bruno, der in den Augen der katholischen Kirche die Frechheit besaß, am geozentrischen Weltbild der damaligen Zeit zu zweifeln und damit die Krone der Schöpfung zu kränken. Der Wissenschaftler wurde im Jahr 1600, mit herausgeschnittener Zunge, auf dem Scheiterhaufen verbrannt.
Kontakt zu intelligenten Lebensformen im Weltall würde auf diesem kleinen Planeten sicherlich den Katholizismus als auch die Bedeutung des Menschen im Allgemeinen in einem neuen, noch weniger leuchtendem Licht erscheinen lassen.
Worauf können wir zurückblicken? Auf den Koloss von Rhodos, Auschwitz, Ferrero Küsschen, Goethe und die Fähigkeit MP3-Player in Silikontitten einzubauen. Was haben die Anderen so erfunden? Es bleibt spannend.