Hightatras: Special Interest Content mit Pfiff.
Umfeld
Auf dem Köppchensee
Das niederschlagsfreie, kalte und sonnige Winterwetter hält an. Der Köppchensee ist am Tegeler Fließ, zwischen Schildow und Lübars in einer kühlen Senke gelegen. Hier ist es vermutlich ein bis zwei Grad kälter als im besiedelten Zentrum, das Eis somit ideal zum Schlittschuhlaufen. Insbesondere in windabgewandten Lagen ist die Eisqualität des ehemaligen Torfstichs gut bis sehr gut, zumal im Gegensatz zu innerstädtischen Gewässern hier die festgefrorenen Silvesterraketen fehlen. Ein mittelgroßes, mit Röhricht und altem Baumbestand urwaldartig bewachsenes, buchtenreiches Seengebiet, zur Ostseite von einem sandigen Abhang begrenzt. Die Szenerie auf dem Eis wirkt wie eine moderne Variation niederländischer Genremalerei des goldenen Zeitalters. Goretex, Cargohosen, Mobilfunk und Eishockeyschläger. Im Gegenlicht fügen sich die Eisläufer holzschnittartig zu perfekten Arrangements. Konstellationen die in der Bewegung zerfallen und sich neu bilden. Die umgebende Landschaft und das Eis hingegen sehr tonwertreich mit reich nuancierter Farbigkeit.
Auch subjektiv werden die Tage jetzt wieder länger. Gegen sechzehn Uhr erglüht fern am Horizont der silberne Container auf der Spitze des ehemaligen Fermeldemastes in Frohnau im gleißendem Weißorange der sinkenden Sonne. Gänzlich dunkel ist es aber erst eine Stunde später. Ab Mitte Januar kann der Winter am schönsten sein. Der Himmel verläuft von gebrochenem Violett über Orange zu goldenem Grüngelb in eine weite Kuppel aus verschwärzlichtem Cyan. Berlin ist ein Luftkreuz. Kondensstreifen zerschneiden — mit zunehmender Höhe saturierter— das Firmament. Zunächst eine scharfe, kontrastreiche Linie — eine unmerkliche Parabel, nach zehn bis fünfzehn Sekunden an Randschärfe verlierend um dann in flüchtige, kleine Zirren auszuflocken. Der Horizont schraffiert von den tintig schwarzen Silhouetten der Sträucher und kahlen Laubbäume in deren Kronen sich mit einsetzender Dämmerung aus allen Himmelsrichtungen hunderte von Krähen zur Nachtruhe niederlassen.
15. Januar 2006