Hightatras: Special Interest Content mit Pfiff.
Sprechblase
Muslimische Reformation
Man sagt der Islam müsse eine Reformation, ähnlich der des Christentums, durchlaufen um der Gewalt in seinem Namen die Grundlage zu entziehen. Der Koran werde auf einige Suren reduziert, die Inhalte aus dem historischen Kontext gerissen und diese in politischem Interesse wortwörtlich in das 21. Jahrhundert übertragen. So sehr ich an muslimische Aufklärer und eine damit einhergehende Entflechtung von Politik und Islam sowie eine Renaissance der religiösen Toleranz glauben möchte, so wenig sehe ich die Möglichkeit zu interpretatorischer Freiheit in der deutschen Übersetzung des Koran. Auch wenn ich Zweifel an der Authentizität des derzeitigen medialen Bildes der islamischen Welt habe, weiss ich nicht nur hier nicht wo der Spielraum moderner Auslegung liegen könnte. Ich mag die harsche Poesie der Verse des Koran, sie erscheinen aber inhaltlich teilweise recht explizit. Betrachtet man selbst eine bekannte archaische Gewaltpassage des alten Testaments, so bietet sich immerhin neben der fundamentalistischen Auslegung, der Aufforderung zur ewigen Blutrache, auch die Möglichkeit die Worte als Aufruf zur Beschränkung der Vergeltung auf nur ein Körperteil zu interpretieren. Das Problem der Vergeltung wird später in der Bergpredigt wieder thematisiert, Jesus vertritt dort einen neuen Standpunkt. Wurde in der Geschichte des Christentums bis heute die Bibel auch für die Legitimation der schrecklichsten Verbrechen herangezogen, so bietet der Text in seiner Widersprüchlichkeit Potential zu zeitgemäßer Lesart.