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Apparate

Das Verschwinden der Laufwerks-Schublade

Im wesentlichen strahlt der neue Computer verhaltene Eleganz aus. Beispielsweise ist das Gerät überwiegend mit Tasten ausgestattet, die über einen gut gewählten Druckpunkt verfügen und so dem Benutzer ein angenehmes Feedback bezüglich seiner Interaktionsmaßnahmen an die Druck ausübenden Fingerspitzen senden. Mit ausschlaggebend für den Kauf des Rechenapparates war jedoch ein mutmaßlich verbesserter Lüfter. Tatsächlich, der miniaturisierte Ventilator haucht zunächst lediglich ein wenig kühlenden Odem auf den arbeitenden Prozessor. Werden nun in dem Computer raffinierte Programme ausgeführt, die dem Gerät kompliziertere Rechenleistungen abverlangen, so schwillt langsam das Lüftergeräusch ein wenig an. So als würde man in einem komplett mit Isolierfenstern ausgestatteten Raum sitzen und hinausschauend Zeuge einer vielleicht 100m entfernten Heuschreckenschwarmpassage werden. Sind die kniffligsten Rechenaufgaben bewältigt, so verebbt das Rauschen merklich, der Schwarm zieht weiter. Sicherlich Fuzzy-Logic. Muhende oder gar weinende Geräusche des Prozessors, wie im Internet berichtet, blieben bislang aus.

Zu geißeln ist das DVD-Laufwerk. Die Designer verzichteten auf die mir bislang vertraute, schrittmotorgesteuerte Laufwerks-Schublade. Kein dienstbeflissen mechanisches, Kaffeetassen-zur-Seite-schiebendes, den immateriellen Arbeitsablauf kontrastierendes Hardwareintermezzo mehr. Der Benutzer sieht sich vielmehr genötigt den Datenträger in einen schmalen, seitlich in das Gehäuse eingelassenen Schlitz einzuführen, wobei jederzeit zu befürchten ist, die empfindliche, kostbare Informationen bergende Plastikscheibe durch nicht perfekt waagerechte Haltung zu zerkratzen oder gar zu verkanten. Hat man die DVD zu 85% in dem düsteren Schlund versenkt, bemächtigt sich im Inneren abrupt eine harsche Mechanik des Datenträgers, reisst das Stück dem Menschen förmlich aus der Hand. Sodann verschließt eine schmale, schwarze Kunststoffklappe schafottartig — Meinten Sie: schafkotartig? — den Schlitz und im Gehäuse hebt umgehend grob anmutendes, maschinelles Geräusch an. Durch Rotation hervorgerufenes Brummen wird überlagert von knirschend klackerndem Mißton; unwirsch rattert der Lesekopf über die DVD und es drängt sich zunehmend Zweifel auf, ob es ratsam war, dem Gerät zum Testen den liebsten Spielfilm anvertraut zu haben. Zumal das im höchsten Notfall mitunter hilfreiche Einführen einer aufgebogenen Büroklammer mangels dafür vorgesehener Öffnung nunmehr ausscheidet, der Hersteller setzt gänzlich auf die Vollkommenheit seiner Software. Die DVD wird übrigens nicht gemountet — zunächst. Einen weiteren Wermutstropfen bildet das Oberflächenfinish des Apparates; das mattschwarze Gehäuse ist, selbst bei höchster Reinlichkeit, empfindlich gegenüber menschlichen Fingerabdrücken und vermittelt so dem Benutzer stets das Gefühl ein die Perfektion vergällendes, Talg, Schweiß und Öl absonderndes, ungeschlachtes Tier zu sein.

26. Oktober 2006
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