Hightatras: Special Interest Content mit Pfiff.
Zur Verwendung von Capsicum chinense in Pizzaölen
Pikantes Gewürzöl wird in renommierten Restaurants als letzter Arbeitsschritt aus einer geeigneten Flasche, oft mit metallener Tülle, auf die vor Hitze dampfenden und brodelnden Käseoberflächen just dem Ofen entnommener Pizzas pizze aufgebracht. Bei Tisch, dem Gusto des Gastes gemäß, oder in geringer Menge bereits in der Küche, dort in einer scheinbar nachlässigen Bewegung aus dem Handgelenk. Das Ergebnis entspricht in etwa der Form der Zahl sechs, wobei der aus der Drehung herausführende Endstrich der annähernden Ölsechs dem Moment in der Drehbewegung entspricht, in dem die Ölflasche recht zügig wieder in eine senkrechte Position gebracht wird, um somit ein tropffreies Abreißen des niedrigviskosen Ölstromes zu erreichen. Die zentrale Aufgabe eines speziellen Pizzaöles besteht zweifelsohne in der Erzeugung von Schärfe im Sinne der Scoville-Skala; ein durch den Pharmakologen Wilbur L. Scoville entwickeltes Meßverfahren, welches die Schärfegrade der verschiedenen Paprikafrüchte untersucht und das Ergebnis in sogenannten Scoville-Graden (kurz scu) darstellt und somit vergleichbar macht. Die von mir verwendeten Capsicum chinense liegen bei 300000 scu, wobei Gemüsepaprika 0-10 scu aufweist und das in der Selbstverteidigung zum Einsatz kommende sogenannte Pfefferspray einen Wert von 5300000 scu. (Reines Capsaicin liegt übrigens bei 16000000 scu).
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Weetabix im zarten Spinatmantel an Baked-Beans-Inseln
Einzelne Weetabix in Morchelöl schwenken und in der Pfanne goldgelb ausbacken. Die krossen Weizenbriketts auf einem zarten Bett aus blanchierten Spinatblättern arrangieren und mit einigen Parmesansplittern sowie jeweils zwei halben Basilikumblättern garnieren. Den auf dem großen, flachen Teller verbliebenen Weißraum mit drei unterschiedlich sparsamen Baked-Beans-Inseln asymetrisch gestalten. Mit schwarzen Oliven sowie roten und blauen M&M's die spannungsreich transeuropäische Gourmetkomposition vervollkommnen. Dazu einen leichten, wohltemperierten Grauburgunder mit zartsäuerlichem Abgang servieren. Bei dieser Komposition ist selbstverständlich service à la russe angezeigt. Gerichte werden demnach von links vorgelegt. Der Wein wird dem Gast von rechts kredenzt.
Eurofastfood
Zwei Stück Backcamenbert, schöne kalorienreiche Fettpucks, der Umverpackung entnehmen. Hinein in die vorgeheizte Glut der Backröhre. Währenddessen Rote-Beete-Scheiben in eine kleine flache Porzellanschale geben. Vollkorntoast in den Heizschächten des Toasters versenken. Möglichst säuerliche Äpfel achteln, das Kerngehäuse entfernen und recht gefällig auf einem flachen Porzellanteller verteilen. Den Backcamenbert im Auge behalten. Indiz für das Erreichen der geeigneten Konsistenz ist, wenn die vertikale Aussdehung des Camenberts das anderthalbfache seiner Ursprungshöhe erreicht hat. Die Toastbrotscheiben dem Toaster entnehmen, einem Dach gleich aneinanderlehnen, damit Feuchtigkeit und übermäßige Hitze entweichen können. Gewünscht ist ein cremiger Verlauf der zum Bestreichen bereitgehaltenen Biosauerrahmbutter, nicht das Schmelzen derselben, welches die Toastscheiben in unknusprige Fettlappen verwandeln würde. So, alles fertig. Beim Kauen die Augen schließen und verschiedene England- und Tschechoslowakeireisen sanft schmelzend Revue passieren lassen — gustatorisch.
hausrat.search?q=pinzette
Weiche von mir Du Satellitengürtel aus Spargelschälern, SCSI-Kabeln, Steuerunterlagen 2004 und halbvollen Shampooflaschen! Ich suche gerade eine Pinzette, wie kürzlich schon einmal, weiß nicht wo die geblieben ist. Bestimmt verschollen in einer der zahlreichen messiehaft bestückten Schubladen hier. Eine Suchmaschine für verlegte Gegenstände wäre jetzt gerade wirklich nicht schlecht. (Das ist natürlich ein ziemlich technokratischer Ansatz für ein Problem, welches sich durch ein wenig Konzentration und Training des Ultrakurzzeitgedächtnisses wesentlich einfacher lösen ließe.) Überall RFID-Chips drankleben, einweben usw. Ein Rechner, der die jeweiligen Standorte, wo ich z.B. nachlässig und in Gedanken meinen Schlüssel oder die Sonnenbrille ablege, protokolliert und zusammen mit einer ID in eine Datenbank schreibt.
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Zitronenwasser (un mezzo litro)
Sich mit Eis mischendes, lauwarmes Leitungswasser erzeugt in der Karaffe komplexeste thermische Strömungen. Winzige Turbulenzherde, verhalten platzende Eiswürfel und nach unten ausflockende, nah am Eichstrich zusammendrängende Zitronenstücke. Tyndalleffekte vor Gardinenlicht. Säurebedingte Gasentwicklung an träge sinkenden Fruchtfleischpartikeln. Auf dem Sofa liegend, den Kopf um zwei Grad drehen. Luftschiffe im Landeanflug auf Berlin. Geschäftsleute, die ihre Krawattenknoten richten und in Gedanken schon nach dem Jacket tasten. Unten, im Garten hinter dem Haus, hat man krabbelnde Kinder in flache blaue Schwimmbassins eingelegt, sie quengeln dann weniger.
Bannbulle wider den Gilb
Im Treppenhaus wabert brühwarm träge der Abdunst naher Wirtschaftsräume. Undurchdringlich und garküchenhaft, mit Haarspray versetzter kalter Rauch, der Darmtrakt des Hauses. Gestern abend lehnte ich mich, während sich bereits der Einbruch der Dunkelheit Zwielicht ankündigte, aus dem Fenster, eine leichte Brise strich um das Objekt, die Sonne war soeben in den phantastischsten Rottönen hinter dem unweit westwärts gelegenem Alt-Neubaugebiet versunken. Das Haus bildet mit benachbarten Häusern Schluchten von mittlerer vertikaler Ausdehnung, in die sich, dieser Tage, Mauersegler mit gellendem Schrei und in gewagtester Manier zur Insektenjagd stürzen, die, als Nahrung begehrten, Kerbtiere sind hier, mitunter vergeblich, auf der Suche nach kühlend schutzbietenden Ritzen. Aus diesen menschgemachten Tiefen, dringt nun, leicht verweht, ein sehr komplexer Geruch, die noch warme Fassade schwitzt den Odem der dahinter brütenden Wohnräume aus. In den kühlenden Dunst rasensprengerfeuchter Erde, mischen sich die, zielgruppengerecht von Marktforschern und findigen Chemikern entwickelten, Duftöle hoch spezialisierter Reinigungsmittel, mit denen die einzelnen Mietparteien ihre Wohnräume und Schlafgemächer in Schuß halten.
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Kreis des Vertrauens
Ich stehe vor einer erbsgrün lackierten Tür, in meiner Hand ein kleiner Zettel mit einer handschriftlichen Notiz. Eine Zahlenfolge als Schlüssel zu einer Sprachverbindung mit einem Teilnehmer, die Rufnummer eines polnischen Handwerker, der in Schwarzarbeit für den Leistungsnehmer preiswerte und gute Renovierungsarbeiten ausführt. Durch Drücken betätige ich ein neben der Türe angebrachtes Aktionselement, in null Komma nichts wird ein Schwachstromkreis geschlossen, Strom fließt durch eine Spule, einfache Mechanik bewegt einen kleinen Klöppel welcher wiederum eine metallene Glocke in Schwingung versetzt. Im Rahmen eines Gesprächs, daß ich vor Tagen mit einer Nachbarin, vor deren Tür ich jetzt stehe, führte, beschrieb sie einen häuslichen Mangel. Der Zustand von Bad und Küche ihrer Wohnung wird nicht mehr als gut bewertet. Sie fasst Renovierungsarbeiten in’s Auge, selbst schon gebrechlich, vermag sie diese indess nicht selbst auszuführen.
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Handlanger und Hurensöhne
Falls Sie gerade sowieso Geschirr spülen oder turnusmäßig dem Meerschweinchen die Krallen schneiden wollten, bitte, ich möchte Sie nicht aufhalten. Hier, so heute Vormittag, ich und meine Crew schickten uns gerade an, einige richtig krasse Bitches zu gangbangen, als an der Außentüre der Wohneinheit ein leichtes Scharren zu vernehmen war. Ein zartes Rascheln und Kratzen, als riebe ein Maikätzchen sein rosa Pfötchen am Türstock, so um Einlass ersuchend. Nein, Alter da macht sich so einer voll an der Tür zu schaffen. Ohh, Ah, Yes, Oh my god. Könnt ihr mal das Maul halten ihr zugekoksten Nigger sag ich so zu meiner verfickten Crew und bin schon am Waffenschrank. Der Schrank ist so aus Palisanderholz. Mann, der sieht so richtig geil aus. Voll poliert und so. Hier, ich check mal so mit welche Knarre ich den Schwanzlutscher an der Tür wegpuste. Da, das unheimliche Geräusch hebt wieder an, klingt als wünschte ein Eindringling mit einem feinen Drahte das Schloß der Pforte zu öffnen. Ok Mann, ich nehm' so die Smith & Wesson 629 mit Dum-Dum-Geschossen aus Iridium.
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Amaryllis
Es schellt an der Türe
Eine Frage der Sicherheit. Werbung, sagen manche, die an der Tür klingeln. Reicht wohl, ich mach immer auf, auch ohne Sprechanlage. An und für sich kann das jeder sagen, auch Fahrraddiebe oder andere Verbrecher. Es läutet und irgendwelche windigen Typen wollen das ich den Öffner betätige. Manche grunzen nur oder rascheln. Bin mir meist nicht so sicher, ob ich mit meiner ehrenamtlich freizügigen Portierstätigkeit nicht das Prinzip der Tür verrate —Fremden den Zugang zu verwehren— gar die Sicherheit des Hauses auf's Spiel setzte. Man hört ja so viel. Diesmal ein Scherenschleifer, na das klingt ja romantisch. Kesselflicker, Rosstäuscher oder Exorzismus an der Wohnungstüre, denkbar ist alles. Früher kam der Leierkastenmann und generöse Mietparteien warfen kleinere Hartgeldbeträge in den Hof herab.
Rohrbruch
Stimmengewirr im Treppenhaus, Mieter schlagen Alarm. Ein Wasserrohr ist geborsten und überflutet das ganze Haus. Die Behinderten aus der Behinderten-WG im Erdgeschoss stehen mit ihren Rollstühlen im Wasser und verfolgen weiter das Nachmittagsprogramm während sich stattliche Wasserlachen bilden und die ersten Tapeten an gelblichen Wasserflecken von der Wand herunterlappen. Das Problem ist, daß sich das Wasser nicht abdrehen lässt. Ursprung des Sturzbaches ist eine unbewohnte Wohnung im zweiten Stock. Zeitpunkt für einen bislang unscheinbaren Mieter aus dem Erdgeschoss sich als Mann der Tat zu positionieren. Er schickt sich an die Tür der Quellwohnung einzutreten. Kennt der so aus dem Fernsehen, allerdings haben die Türeintreter dort immer festes Schuhwerk an, keine Badelatschen, doch lieber den Rohrnotdienst anrufen. Patsch, Patsch, Patsch.
Manchmal zahlt sich Lebenserfahrung aus, ich wohne ganz oben unter dem Dach.
Schauplatz Badezimmer
Was ist nur mit dem Autor dieses Weblogs los, wird sich mancher Leser fragen, immer nur Seuchen, Kriege lauter morbides Zeug. Ich weiß was Sie denken, und Sie haben recht. Schön ist das nicht! Auch in den eigenen vier Wänden passieren mitunter die skurilsten Dinge. Zum Beispiel beim Zähneputzen, da stehe ich so vor meinem Badezimmerspiegel und putze so, mit einmal, Sie wer'n lachen, löst sich die Zahnbürste auf. Da sagt man nichts.
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Wie dunkle Mächte im Haushalt Unheil stiften
Die Wohnung drohte zu verwahrlosen, andere Beschäftigungen schienen wichtiger und verzehrten Zeit. Nun also wieder Hauswirtschaftliches im Fokus. Ein Anfang bildet das Abräumen des Wäschetrockners, der hier schon seit über einer Woche im Weg rumsteht und den liederlichen Gesamteindruck meines Schlafgemaches maßgeblich prägt. Also T-Shirts zusammenlegen, Socken paarweise bündeln. Wieder drei einzelne Socken! Frühere Unikate sammelte ich in einer Ecke meines Kleiderschranks, genau genommen ein hölzernes Sideboard. Der Abgleich der bisher archivierten Einzelstücke mit den neuen partnerlosen Teilen ergab keine neuen Paarbildungen, leider. Die Strümpfe würden sich im Laufe der Zeit, nach einigen Waschgängen, wieder zu sinnvollen Einheiten zusammenfügen, so meine optimistische Annahme bislang. Dem ist nicht so, lauter einzelne Socken, ein Riesenberg! Früher, ganz Wegwerfkonsument, habe ich diesen Umstand immer verdrängt, neu gekauft, Putzlappen, egal.
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Wenn Luftwurzeln zum Ärgernis werden
Zimmerpflanzen sowie deren artgerechte Pflege sind eine eigene thematische Galaxie im vielschichtigen Universum der heimischen vier Wände. Verbreitet haben sich im mich umgebendem Wohnraum, humides Klima liebende Pflanzen mit wohlgeformten Blättern, ursprünglich halbhoch unter grünem Dache beheimatete, von kleinen Affen behende behände durchkletterte, Halbschatten-Pflanzen des tropischen Regenwaldes, namentlich Maranten und Monstera-Pflanzen. Letztere werden in unseren Breiten aufgrund der schönen, charakteristisch durchbrochenen Blätter kultiviert. Jene vegetative Lebensform ist eine klassische Rankpflanze und bildet, so nach tragfähigem Material tastend, bisweilen überreichlich Luftwurzeln aus. Ein schon betagteres Exemplar umgarnte sich hier selbst, die Triebe schlangen sich mit den Jahren unentwindbar umeinander — knäuelartig der Zimmerdecke entgegenstrebend, so eine bizarre, recht sperrige Grünskulptur bildend.
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Fotostrecke: Erdbeer Dessert