Hightatras: Special Interest Content mit Pfiff.

16:35 Uhr

Ich trug einen dunkelblauen Trainingsanzug. Aus vom Staub ermatteten Metallrohren wabert der Geruch von Tiefkühlherzhaftigkeit. Tiere, deren Tod in Maschinen eintrat, werden hier zu abstrakten Waren verarbeitet. Der jetzt wieder kondensierende Atem bietet stets einen anschaulichen Eindruck vom aktuellen Lungenvolumen.

Normalzeit

Aus dem Dunkel des Werksgeländes läuft eine schwarzweiße Katze. Nasser Wind klebt müdes Laub in Nischen aus Beton. Spitze Schritte, im flachen Lichtkegel zögerlich. Entfernt schlägt eine Autotür. Bewegte Schatten sind zarte Schulterblätter aus Fell. Tropfend glänzt eine vergilbte Laterne im Zinkblech.

Westberlin

Heute bin ich seit Jahren mal wieder am Bahnhof Zoo ausgestiegen. Ein Bahnhof der kein Tor zur freien Welt mehr ist, hier hält nur noch die Regionalbahn. Geblieben ist ein in Frontstadtjahrzehnten abgelagertes Bahnhofsviertel, daß mehr bietet als die üblichen fettigen Croissants und Krawatten mit Micky-Maus-Motiven. Eine lärmige Passage zum Beispiel, die Wände mit brauneloxiertem Aluminium verkleidet. Bumsmusik und Leuchtreklame wirbt um Kunden für das schnelle Glück. Einzelkabinen, Wettbüros, Pornokinos, Schnellimbisse, halbseidene Wechselstuben sowie mit — von Alkohol lebenden — Fossilien bevölkerte Traditionskneipen aus denen Nikotin und kalter Bulettenhauch wabert. Handretuschierte Ansichtspostkarten der Spandauer Zitadelle und des Funkturms. Unveränderter Nachdruck seit 1976. Windige Südländer treten zügigen Schrittes aus dem Dunkel und bieten zunächst pantomimisch, später zischelnd Genussgifte an. Zum langsamgehen verdammt, die zombiehaft herumwankenden Fußgänger sind schuld. Eine Besorgung schickt mich hierher, die Ware wurde in den Geschäftsräumen des Anbieters hinterlegt, man kann nicht alles bei Amazon kaufen. Mehr

Märkische Landschaft

Vielleicht direkt den Bahndamm überqueren? Hier ist kein Weg oder derer viele. Sandige Rechtwinkligkeit rahmt ausgedehnte Weiden und Rapsfelder ein. Gefühlte sieben Minuten fährt ein Güterzug vorüber, eine lange, horizontale Linie aus Containern, blau und rot lackiert, die Farben gebrochen von Staub und Rost. Kühe glotzen stoisch über schlammige Kanäle. Agrarisches Rasterland ohne ausgeprägte Vertikalen, mal ein Kirchturm oder ein Mast für Mobilfunk. Auf dem Bahndamm, kilometerweite Gleise, die sich im Fluchtpunkt verlieren. Jenseits der Eisenbahntrasse ein Feld mit stehenden und liegenden Heuzylinderabschnitten. Weglose Agrarfläche, bis zum Horizont mit dem Auswurf einer Ballenpresse übersät. Immer wieder Gräben, die zu breit sind zum Springen. Also dem Verlauf eines Grabens folgen, zurück zum Bahndamm oder in den Wald. Besser Wald. Ein Urwald, die Vegetation wird schlagartig dichter. Brennesseln, Schilf, unter den Turnschuhen beginnt der Boden sumpfig zu schmatzen. An der schweißnassen Haut kleben zahllos gierige Mücken. Enten, die am schlammigen Ufer des Kanales lagerten, fliegen auf. Rechts der trübe Wasserlauf, links verwitterte Betonpfähle und Stacheldraht, der sich, durchgerostet, in Augenhöhe frei umherwindet. Pappelluft und Ruinenreste, Schweinemast oder Militär vielleicht — früher. Mehr als mannshoch sind die Brennesseln hier, zu den Mücken gesellt sich die aufgeschreckte weiße Tigermotte, welche hier in reicher Zahl auf den Blättern sitzt. Umgeben von Grünmasse, die zurückliegend gebahnte Schneise scheint sich umgehend wieder zu schließen. Im Rücken schallt ein weiterer Güterzug durch die Mark. Ein fernes Motorradgeräusch beschreibt in Gedanken den Verlauf einer Straße im Nordosten. Mehr

Dachs in der Stadt

Füchse sind schon seit langem, auch vermehrt abseits von S-Bahntrassen und langgestreckten Grünzügen, in der Stadt anzutreffen. Heute sah ich zum ersten Mal, wenn auch nur kurz, einen Dachs in Berlin. Das marderartige Tier, mit dem charakteristisch schwarzen Streifen im ansonsten weißen Gesichtsfell, wohnt im maroden Fundament einer verfallenen Baracke. Sehe ich aus dem Fenster nach links, so erblicke ich ein, abends durch rote Baustellenlampen gesichertes, stetig größer werdendes, gähnendes Loch im Asphalt, welches mittlerweile die Größe eines Kleinwagens erreicht hat. Spurlos verschwindendes Erdreich sorgt für, hoffentlich dauerhafte, Verkehrsberuhigung. Man erlaubt den Kindern mit dem Fahrrad auf der Straße zu spielen, Federball, usw. Richtung Nordwesten hatte die Sonne, spät nachmittags, einen anscheinend langsam fortschwebenden neuen Satelliten, eigentlich die detailarme Silhouette eines Fesselballons, der seine goldbraune Farbe lediglich durch die Reflexion glühender Felder erhielt. Sonst wolkenlos, mit scharfen violettroten Schnitten, in der, das zunehmend gesättigtere Cyanblau überlagernden, gelbgrau städtischen Dunstglocke. Flieger unterwegs nach Moskau oder Stockholm. Einmal auch Nordlichtsichtungen aus dem Küchenfenster.

So, die Nummer 57 mit extra Mozarella, prego

Die Suche nach einer Gaststätte führt nach Westberlin. Ein ausgiebiger Fußmarsch durch einen gastronomisch unterversorgten Stadtbezirk. Eher Tiefkühlkost oder Dönerbuden hier. Die Odyssee findet schließlich ein Ende, als an einer stark frequentierten Kreuzung, Neonröhren in den Landesfarben Italiens eine Pizzeria bezeichnen. Man passiert eine Pforte, verlässt den schmutzig-grauen Wedding und überschreitet eine Grenze hinüber in ein mediterranes Schlemmerparadies, vorbei an romantischen Springbrunnen im Gartenbereich (z.Z. ausser Betrieb), in eine Westberliner Traditionspizzeria der ersten Generation. Diese einzigartige Melange aus mediterranem Kitsch und deutscher Gemütlichkeit, alles im Stil eines romantisch verfallenen Rusticos. Jede Pizza ein kleiner Adria-Urlaub. Das Restaurant ist einem idealen Fischerdorf nachempfunden, gegliedert in flache Galerien, niedrige Rundbögen und Lauben, die zu allem Überfluss noch mit Schindeln gedeckt sind. Die die Grenze der einzelnen Sitzgruppen bildenden Ballustraden, sind gänzlich aus Wagenrädern zusammengesetzt. Alle Wände sind mit Hunderten, vielleicht Tausenden, vom Meere rundgeschliffenen, Steinen überreichlich besetzt. In meiner direkten Sichtachse zur Toilette steht eine, von farbigen Scheinwerfern illuminierte, alte Milchkanne, die heute als Trockenblumenvase dient, ihr Äusseres, ist vollkommen mit Muscheln überkrustet. Mehr

Baumblüte

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2:00 Uhr Lauf

Gerade eben mal einen Blick aus dem Fenster geworfen. Tapp, Tapp, Tapp. Ein weißhaariger Mann in schwarz-rotem Jogginganzug hat zu dieser Stunde die volle Breite der Straße für seine Runde. Gute Zeit, so scheint es. Wieso bin ich noch nicht selber auf diese Idee gekommen?

Hahneberg

Bunker in Blau und Rot
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Nordkreuz

gleisgewirr
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Märkisches Viertel 04|06

Märkisches Viertel
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Miniröcke und Rollschuhe

Ein junger Mann ist im Begriff seinen Lenkdrachen zu bändigen. Stürmischer Wind erhebt ihn immer wieder einige Meter in die Lüfte. Leuchtend fahle Felder im scharfen Schein der Sonne vor tintig blauschwarzem Himmel. Momente der Stärke im Kräftemessen mit dem Frühlingssturm nutzt der junge Mann um sich langsam breitbeinig rückwärts gehend einem kleinen Wagen mit Sitzgelegenheit zu nähern. Glückt die Annäherung, vor allem das Platz nehmen, so fährt der Athlet vom Winde getrieben auf dem Feld im Kreis. Special Interest, aber sympathisch. Unweit liegt die Scholle vom Landwirt aufgebrochen, märkischer Sand der zur agrarischen Nutzung bestimmt ist. Wenige Kilometer weiter stadteinwärts, im Bioladen. Hier begegnet einem mitnichten strotzendes Leben, von Vitalität durchdrungener Geist, vielmehr drücken sich Menschen mit verwachsenen Gliedern und bleichem Teint an den Regalreihen entlang. Kaufen überkandidelte Öle und haben Kinder mit verantwortungslosen Namen. In einer elektrischen Vitrine zu Eis erstarrte Leiber toter Hühner, aber Bio. Ich kaufe Sonnenblumenkerne. Aha, die kommen aus China. Wieso nicht aus Mecklenburg-Vorpommern? Werden die Anbauflächen dort für andere Zwecke gebraucht? Vielleicht wuchernde Grünpflanzen für die Biodieselproduktion, damit kann man sich in absehbarer Zeit eine goldene Nase verdienen. In Wirklichkeit wird Mecklenburg-Vorpommern und Brandenburg zur Wildniss, Orte der Verbannung. Mehr

Sonne bis halb sieben

Krähen die durch den Schnee waten, hunderte kleine schwarzblaue Schatten in den orangeviolett schimmernden Feldern. Vom Rodelhang wehen die Rufe der Kinder herüber. In der Ferne ein Kühlturm dessen Abluft im Kern anthrazitfarben, fast schwarz ist, die Ränder von eisigem Lufthauch mäandernd und gleißend weiß durch die schräg von hinten einfallenden Sonnenstrahlen. »Der ist ganz lieb!« sagt die junge Frau und klimpert entschuldigend mit ihren Rehaugen. Ihr verspielter Hund hat seine großen Vorderpfoten im Sprung auf meinen Beinen abgestützt, verhindert so mein weiterlaufen. Die Dorfkirche von Lübars schlägt sechs. Ein Vater spielt rauchend mit seinen Söhnen im Schnee Fußball. Heute ist Biedermeier-Tag.

Schneeschmelze

Ponyausritt oberhalb des Märkischen Viertels, Schneeschmelze
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Auf dem Köppchensee

Das niederschlagsfreie, kalte und sonnige Winterwetter hält an. Der Köppchensee ist am Tegeler Fließ, zwischen Schildow und Lübars in einer kühlen Senke gelegen. Hier ist es vermutlich ein bis zwei Grad kälter als im besiedelten Zentrum, das Eis somit ideal zum Schlittschuhlaufen. Insbesondere in windabgewandten Lagen ist die Eisqualität des ehemaligen Torfstichs gut bis sehr gut, zumal im Gegensatz zu innerstädtischen Gewässern hier die festgefrorenen Silvesterraketen fehlen. Ein mittelgroßes, mit Röhricht und altem Baumbestand urwaldartig bewachsenes, buchtenreiches Seengebiet, zur Ostseite von einem sandigen Abhang begrenzt. Die Szenerie auf dem Eis wirkt wie eine moderne Variation niederländischer Genremalerei des goldenen Zeitalters. Goretex, Cargohosen, Mobilfunk und Eishockeyschläger. Im Gegenlicht fügen sich die Eisläufer holzschnittartig zu perfekten Arrangements. Konstellationen die in der Bewegung zerfallen und sich neu bilden. Die umgebende Landschaft und das Eis hingegen sehr tonwertreich mit reich nuancierter Farbigkeit. Mehr

Interessenkonflikt zwischen Enten und Laufsport

Manchmal, wenn es dieser Tage schon früh dunkelt, gehe ich zum Laufen auf einen von mir erst kürzlich entdeckten, recht verwunschenen Sportplatz. Das Gelände ist verwildert, mehr Wiese als Rasen. Man betritt das kleine Stadion durch eine schwergängig quietschende Tür. Es gibt wenig am Winter auszusetzen, die frühe Dunkelheit, bereits um halb fünf, gehört dazu. Üblicherweise laufe ich lieber verschlungene Wege über die Felder, wobei die Gefahr besteht, in der Finsternis knöcheltief in Schlammlöchern und Schlimmerem zu versinken. Sportplatz also. Erstaunlicherweise macht mir der monotone Stumpfsinn des Runden drehens sogar Spaß. Die, ein Fußballfeld umringende, vierhundert Meter lange Bahn ist weitgehend bar gefährlicher Hindernisse, gelegen in einem schmalen Ausläufer der Schönholzer Heide. Nebenan, hinter einem Maschendrahtzaun, ein flacher See, früher badete man dort sogar, heute höchstens Hunde. An den Ufern des trüben Gestades lagern tagsüber zahlreiche Enten, weitere spreizen, auf dem Gewässer schwimmend, ihre Flügel zum Putzen. Mehr

Märkisches Viertel am Abend

Ein kleiner Junge beobachtet ein Düsenflugzeug am abendlichen Himmel, im Hintergrund Hochhäuser
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Auf der Eisbahn

Zwei Männer mit Eishockeyschuhen im Gegenlicht
Eine Frau auf der Eisbahn im Gegenlicht
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Hobrechtsfelde

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Pfaueninsel (Escape from Noise)

pfaueninsel
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Fontäne

pfaueninsel

Wassersport mit badenden Backfischen

Spätsommerlich besonnt mündete der Kanal unter der roten Metallbrücke in den von Sportbooten durchzogenen See. Gerade hatte ich ein recht sahniges Speiseeis verzehrt und schickte mich nun an, eine den Wasserlauf entlangschwimmende Schwanenfamilie mit meiner Kamera aufzunehmen. Gleichzeitig schoben sich plötzlich, zunächst unbemerkt, unter der Brücke am Geländer der Uferbefestigung entlanghangelnd, zwei mit Bikinis bekleidete Mädchen im Teenageralter ins Blickfeld. Mehr

Expedition in's Reich der Seerosen

Seerose in Flammen
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Inspektor Terry Barker und die geheimnisvolle Moorleiche

Eine sonntägliche Radtour durch den der Stadt nahen Forst, ein Ausflugsgebiet mit Wildgatter und behaglichen Bänken zum Verweilen. Heute schallten unvermittelt reichlich Polizeisirenen durch den Wald. Am von Fröschen frequentierten Feuchtgebiet hatte man einen Leichnam entdeckt. Der Szenerie nach zu urteilen wurde wohl ein Fremdverschulden nicht gänzlich ausgeschlossen. Aus der Gruppe der Schaulustigen hatten sich zwei ältere Damen gelöst, Räder mit Körbchen an der Hand führend, die der Polizei allerlei verdächtige Beobachtungen mitzuteilen hatten, zweifelsfrei Agatha-Christie-Leserinnen der ersten Stunde. Der die Ermittlung leitende Kommissar, trug einen tadellosen grauen Zweireiher und zündete sich, seinem dunklen Mercedes entsteigend, lässig eine Pfeife an. Mehr

Haus Lemke

mies van der rohe haus berlin

Abendlicher Lauf

Nach dem Regen ist die abendrote, frühsommerliche Luft durchgaukelt von flatterhaftem Kerbtier. Reiter mit stämmigen beigefarbenen Ponys, die das Grasland zwischen Stadtgrenze und Autobahnring durchstreifen, entbieten mir den Gruß. Mehr

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