Hightatras:

There's a Kind of Hush

Hinter den getönten Scheiben eines Reisebusses kniet ein stumm brüllender Fußballfan auf seinem Sitz und ist recht verbissen bemüht mich pantomimisch zu beleidigen. Der Wagen wird ausschließlich zu meiner Erheiterung an mir vorbeichauffiert. Vom Kühlturm des Kraftwerks Reuter windet sich knotig und reinweiß Wasserdampf gen Osten. Der Himmel wölbt sich von cyan zu königsblau und die Sonne geht gesättigt und glühend goldorange unter, ein schwarzer Schlepper fährt die Havel stromaufwärts und vom anderen Ufer erklingen Sirenen und das verwehte Spiel einer Hochzeitskapelle. Mein Geist stülpt sich heute nach außen. Die Frau mit ihrem Rollator, die den Gang zur Supermarktkasse versperrt. Sie sieht sich sehr genau die Abbildung auf einer Lebkuchenverpackung an, und ist nicht empfänglich für Bitten und Fragen. Denken Sie schon jetzt an ihren Silvesterkarpfen steht auf einem Schild. Die Kunden warten hinter ihren Einkaufswagen, aber es stellt sich eine große Ruhe und Frieden ein und die Zeit bleibt stehen – wird wenigstens langsamer in Gedanken. Wieso erscheinen plötzlich Vögel, wann immer Du in der Nähe bist? So wie ich wünschen sie Dir nahe zu sein. Der Moment, in dem Karen Carpenter ihr Haupt neigt — ihren seidig schimmernden Ponyhelm — und zart und fließend über ihr Instrument streicht. Oder Dave McClain von Machine Head, dessen Trommeln an einem recht stabilen Metallgestell montiert sind, damit der Schlagzeuger sein Instrument nicht umstößt beim energischen Musizieren. Ein gigantischer Monolith, der in den süßesten Bonbonfarben schillert oder stumpf und matt ist – in den fahlsten Anthrazit- und Bronzetönen, der alles Lichte, alles Düstere, alles Banale und alles Erhabene enthält. Mit den Fingerspitzen, aus Polygonen gefügte Rennwagen in hoher Geschwindigkeit einen palmengesäumten Boulevard entlangzusteuern; Comics, Avatare und soziale Nähe generierende Kurznachrichten, die x Millionen Bilder, die an diesem Tag mit Digitalkameras aufgenommen werden, Minnegesänge und der Zauberberg. In einem Webcamfenster zu betrachten, wie von Pupillen reflektiert Fenster auf dem Desktop bewegt werden, deren Inhalt durch das Gehirn hindurchfließt und wiederum durch die Augen abgestrahlt wird. Die stilisierten Nagetiere eines Animationsfilms tollen durch ein Fenster, schemenhaftes Interieur im Hintergrund fließt in lyncheske Schatten.

Sachthemen in der Sprache des Volkes

Grüne Tragetaschen aus Kunststoff an deren, in alterswelke Hände schneidenden Griffen, der Wind leckt und lüstern schmatzt. Ich traf sie schon im Gang, sage ich zu G, bin also bereits im Bilde. (G ist daraufhin sehr mild und liebenswürdig.) Gestiefelte Mädchen aus Kladow, an denen alles groß ist, die salzweissen Zähne die sie blecken wenn sie über Hautkrebs reden, ihre schnippischen blonden Pferdeschwänze. J, mit der ich auf dem Bette lagerte am hellichten Tage und Slivovitz trank, die ihren reizenden Leib später dem Heroin schenkte ohne zu geizen. Und draussen zwitscherten die Piepmatze so als sei – unter den Stiefeln miffpelndes Dörrgras nach dem Schnee erheben sich die Insekten. Un déjà sentir. Ich gebe zurück in den Elfenbeinturm, jenen eiskandiert reinblau umwölbten Aussichtspunkt, zur Zerstreuung bestiegen – auf Katerpfötchen, die Bausubstanz von gilbem Bein geschnitzt, allürenhaft filigran ziseliert und penibel poliert. Ob Zitronenhaine oder Gewerbeparks. Gott wird zu Mensch, wird zu Aas, wird zu Wurm, wird zu Amsel — den Milben die in ihrem Federkleid Domizil bezogen, dem Spöttergeschmeiß.

Herr No entdeckt ein kleines Eiscafé

Als ich mich neulich anschickte einen Spaziergang im nahen Stadtwald zu unternehmen wegen der ansehnlichen Laubfärbung unter anderem. Es gibt dort ein unscheinbares Eiscafé, ich übersah es wohl bislang, man führt auch Biowaren, aber es ist zweifelhaft möbliert. Ich so, hach ein Eis jetzt, vielleicht noch von guter Qualität. Als ich die gelblackierte Schwingtüre zu der Gaststätte aufdrücke, sitzt da eine Frau mit einer Tennisschlägertasche am Tresen. Mich gewahrend verharrt ihre Espressotassenhand irgendwo zwischen Mund und Tischplatte und stellt sodann zögerlich die Tasse direkt neben den Tisch, daß diese auf dem Kachelboden in 1000 Teile zerschellt und der umherspritzende Türkentrank auch Kleidungsstücke befleckt. Ich so ja hier einmal Heidelbeer-Joghurt, Caramel und Straciatella, was soll man machen, der Betrieb muß ja weitergehen. Dann dampfe ich ab mit meinem Speiseeis und blicke kurz durch die großzügige Fensterscheibe in den Innenraum. Angestellte mit Lappen, rote Ohren und Lassen Sie mal, ich mache das schon. Schön, das ist ja recht schmeichelhaft für mich im Moment, das Malheur ereignete sich schließlich weil ich ein gut bis sehr gut aussehender Mann in den besten Jahren bin, aber das wäre doch nicht nötig gewesen, man bestellt doch solche aromatischen Getränke in erster Linie wegen ihrer vitalisierenden Wirkung und weil sie angenehm temperiert sind. Frauen werden wohl heutzutage nicht mehr ohnmächtig und lassen auch nicht das Taschentuch fallen. Das sind Dinge die es nicht mehr gibt: Mieder mit Fischbein, spitzenbesetzte Taschentücher sowie gezückte Riechsalzfläschen. Mehr

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