Mal kurz zum chillen auf das Canapée gelegt mit einem leinengebundenen Buche und prompt eingeschlafen. Erst erwacht als hektische Blitzlichter das schummrige Interieur in mannigfaltigste Bunttöne tauchten und ferner ein anschwellend gutturales Grollen vernehmlich wurde. Aha, ganz klar, draussen wird ein Feuerwerk durchgeführt. Die Zeiger der Uhr schon nach 12. Die Devise lautet: In 2008 unbedingt noch mehr onkelhaften Biedermeierscheiß hier reinschreiben. Because i can.
Also dieses neue Pflegemittel, mit dem heute im Morgengrauen der Linoleumfußboden vor meiner Türe behandelt wurde, sagt mir ja gar nicht zu. Der penetrante Geruch des Wischwasserzusatzes waberte schwer unter der Türritze herein und ließ mich aus dem Schlafe hochschrecken. So stelle ich mir in etwa die Situation von Konrad Adenauers Sekretärin vor, die den ganzen Tag den schweren, leichenhaft süßlichen und öligen Altmännermoschusdunst einer sehr speziellen Haarpomade inhalieren musste. Kann man lüften, ist egal, das setzt sich wohl filmartig auf dem Mobiliar und in den Lungenkapillaren fest wie Friteusenfett.
Der Herr der mich als ortskundig einstuft und sich mit einer die Orientierung betreffenden Frage an mich wendet führt an loser Leine einen Dackel, der halbherzig in die Schnürsenkel meiner Golfschuhe beißt. Er hat aber eigentlich keinen Bock auf sowas und hechelt lieber noch ein bißchen. Auf der Wange des Fragenden prangt eine Burschenschaftsnarbe, ferner verfügt dieser über einen penibel gezogenen grauen Scheitel und seine Gattin sagt Wolfgang für ihn. (Es handelte sich übrigens um einen Rauhhaardackel.) Neuerdings habe ich eine neue Narbe am Handgelenk, die aussieht wie verursacht durch einen in geistiger Umnachtung hysterisch und stümperhaft zugleich ausgeführten Selbstmordversuch mit einer zweizinkigen Gabel, wie sie bei Tisch zum Vorlegen verwendet wird. In Wirklichkeit erhielt ich einen elektrischen Schlag. Mit elektrischem Strom ist ja mitunter nicht gut Kirschen essen nebenbei bemerkt, die tückischen Drähte bissen sich in meinem Gewebe fest wie die Zähne eines bengalischen Tigers in etwa. Lediglich ein auslösender FI-Schutzschalter entriss mich schließlich den Fängen des Schnitters.
Weiche von mir Du Satellitengürtel aus Spargelschälern, SCSI-Kabeln, Steuerunterlagen 2004 und halbvollen Shampooflaschen! Ich suche gerade eine Pinzette, wie kürzlich schon einmal, weiß nicht wo die geblieben ist. Bestimmt verschollen in einer der zahlreichen messiehaft bestückten Schubladen hier. Eine Suchmaschine für verlegte Gegenstände wäre jetzt gerade wirklich nicht schlecht. (Das ist natürlich ein ziemlich technokratischer Ansatz für ein Problem, welches sich durch ein wenig Konzentration und Training des Ultrakurzzeitgedächtnisses wesentlich einfacher lösen ließe.) Überall RFID-Chips drankleben, einweben usw. Ein Rechner, der die jeweiligen Standorte, wo ich z.B. nachlässig und in Gedanken meinen Schlüssel oder die Sonnenbrille ablege, protokolliert und zusammen mit einer ID in eine Datenbank schreibt.
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Im Treppenhaus wabert brühwarm träge der Abdunst naher Wirtschaftsräume. Undurchdringlich und garküchenhaft, mit Haarspray versetzter kalter Rauch, der Darmtrakt des Hauses. Gestern abend lehnte ich mich, während sich bereits der Einbruch der Dunkelheit Zwielicht ankündigte, aus dem Fenster, eine leichte Brise strich um das Objekt, die Sonne war soeben in den phantastischsten Rottönen hinter dem unweit westwärts gelegenem Alt-Neubaugebiet versunken. Das Haus bildet mit benachbarten Häusern Schluchten von mittlerer vertikaler Ausdehnung, in die sich, dieser Tage, Mauersegler mit gellendem Schrei und in gewagtester Manier zur Insektenjagd stürzen, die, als Nahrung begehrten, Kerbtiere sind hier, mitunter vergeblich, auf der Suche nach kühlend schutzbietenden Ritzen. Aus diesen menschgemachten Tiefen, dringt nun, leicht verweht, ein sehr komplexer Geruch, die noch warme Fassade schwitzt den Odem der dahinter brütenden Wohnräume aus. In den kühlenden Dunst rasensprengerfeuchter Erde, mischen sich die, zielgruppengerecht von Marktforschern und findigen Chemikern entwickelten, Duftöle hoch spezialisierter Reinigungsmittel, mit denen die einzelnen Mietparteien ihre Wohnräume und Schlafgemächer in Schuß halten.
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Eine Frage der Sicherheit. Werbung, sagen manche, die an der Tür klingeln. Reicht wohl, ich mach immer auf, auch ohne Sprechanlage. An und für sich kann das jeder sagen, auch Fahrraddiebe oder andere Verbrecher. Es läutet und irgendwelche windigen Typen wollen das ich den Öffner betätige. Manche grunzen nur oder rascheln. Bin mir meist nicht so sicher, ob ich mit meiner ehrenamtlich freizügigen Portierstätigkeit nicht das Prinzip der Tür verrate – Fremden den Zugang zu verwehren – gar die Sicherheit des Hauses auf's Spiel setzte. Man hört ja so viel. Diesmal ein Scherenschleifer, na das klingt ja romantisch. Kesselflicker, Rosstäuscher oder Exorzismus an der Wohnungstüre, denkbar ist alles. Früher kam der Leierkastenmann und generöse Mietparteien warfen kleinere Hartgeldbeträge in den Hof herab.