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      <title>Hightatras</title>
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      <language>de</language>
      <copyright>Copyright 2010</copyright>
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         <title>Die Toteninsel</title>
         <description>Gestern besuchte ich einen Ort, dessen Anblick ich Zeit meines Lebens nur en passant und durch Fahrzeugfenster kannte. Ein Friedhof, der zu vier Seiten von Eisenbahnstrecken und Autobahnen umflossen wird. Das Gelände befindet sich auf gletschergeschaffenem Bodenniveau, wurde aber von brausenden, in Hohlwegen verlaufenden Verkehrsströmen zu einer Insel geschnitten. Als ich über die schmale, zum Friedhof führende Metallbrücke ging, unter mir die von Schmelzwasser graubraunen Fahrzeuge, dachte ich an Böcklins lebenslanges Sujet, das hier in dystopischer Ausformung vorliegt. Die Gräber und Namen auf den Grabsteinen sind gründerzeitlich. Unter nassen Eisplatten rann träge Wasser hervor, die Sonne schien verhalten und einzelne Amseln sangen in den Ästen der alten Eichen oder am Fuße von Rhododendronbüschen. Einige der Gruften scheinen nur noch von den sie umschlingenden, armstarken Efeurhizomen gehalten. Engel und Medusen, die Zeit und Messingwasser kränklich grün werden ließ. Hier liegen verstorbene Besitzbürger und ihre Namen sind in serifenlosen aber vormodern schwellenden Majuskeln in Muschelkalk getrieben. Ausgehender Jugendstil, beginnender Neoklassizismus, wie oft an solch vermodernden Orten. Das Gelände ist recht klein, vielleicht etwa halb so groß wie mein Garten und ähnlich wie Böcklins Gemälde im Zentrum dicht von Bäumen bestanden und gegen die Brandung zu drei Seiten mauerumschlossen. Jenseits der porösen Umfriedung, wo das Gelände gen Autobahn und Schienen abfällt, sprießen junge Birken aus Waschmaschinen und junge Graffittikünstler staksen durch widriges Dornengesträuch. In diesem schmalen Streifen zwischen entfesselter Kinetik und Totenreich, dieser...</description>
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         <pubDate>Wed, 24 Feb 2010 01:25:08 +0100</pubDate>
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         <title>Wir wollen wieder schöne Tierfilme sehen!</title>
         <description>Ich habe keinen Fernseher, einerseits weil mir die Anschaffung eines Gerätes zu kostspielig ist, aber auch weil mir das Programm nicht zusagt. Wenn ich alle Jubeljahre einmal bei Bekannten zu einem Fernsehabend eingeladen bin, denke ich im Stillen bei mir, da hast Du nichts verpasst, dafür ist dir das Leben zu kurz. Für diesen Schmutz. Wird das Thema Fernsehen angeschnitten, in einem Gespräch, so höre ich oft, man schaffte sich die Flimmerkiste an, um zu wissen, was in der Welt vorgeht (Heute Journal) und wegen Arte. Betrachtet man Nachrichten, in denen die Gesichter von Guido Westerwelle und Ronald Pofalla gezeigt werden, mit Ton, sterben sofort mehr Gehirnzellen ab, als nach dem Genuss von einem großen Seidel Bier. Die Bundesregierung greift aus unterirdischen Laboratorien unsere Gehirne mit Sendern und Vril-Energie an und Arte wird vom Franzosen geführt. Erst wenn der letzte Baum gefällt, der letzte Fluß vergiftet und der letzte Fisch gefangen ist, werdet Ihr herausfinden, daß man Geld nicht essen kann. Aber die schönen Tierfilme! Und sehen Sie, da denke ich dann: Touché! Was da gezeigt wird, ist wirklich famos! Diese grandiosen Aufnahmen von Tieren in ihren angestammten Habitaten. Und die Kamera ist dicht dran, als könnte man die Hand ausstrecken und die Tiere streicheln. So realistisch! Und gut gemacht, die Kameramänner müssen wohl nie niesen und auch nicht sehr oft austreten. Als Tierfilmer braucht man eine starke Blase, das...</description>
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                  <category domain="http://www.sixapart.com/ns/types#category">Apparate</category>
        
        
         <pubDate>Fri, 12 Feb 2010 16:50:25 +0100</pubDate>
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         <title>Hanni und Nanni rauchen Crack</title>
         <description>Es gibt ja nur vielleicht vier Plätze auf diesem Planeten, die zur Zeit wirklich rocken, sagt Panther, der auf dem Rücksitz liegt und übertrieben spastisch mit seinen dünnen Ärmchen fuchtelt. Er wartet, daß ich frage welche Plätze das sein könnten. Mach ich aber nicht, kenne die Platte schon und sehe raus ins Halbdunkel. Es ist Abend oder Morgen und egal. Er sagt, Berlin, Frankfurt, Ibiza und Detroit; yeah, Detroit, Alter, und Berlin, Alter. Berlin ist richtig krass Pornostyle; Mucke-, Klamotten-, Fotzen- und Drogenmäßig, alles übertrieben over the top, das ist der Witz, Alter. Und ich sag so, auf jeden, Alter. Wir stehen auf dem Parkplatz hinter dem 90°, am Gleisdreieck, da wo die Nutten vom Babystrich im Auto gefickt werden. Ich sitze hinterm Steuer und neben mir so eine Pritsche, die wir aus der Turbine mitgenommen haben. Sie hat mir vorhin ihren Namen gesagt, die Pritsche, glaube Hermine, nachgefragt habe ich nicht. Wir rauchen Shore und im Radio läuft Blake Baxter – Fuck you up, auch so’n Panzertrack. Die Pritsche fummelt an ihrer Handtasche, wegen E und Panther schläft und schreckt wieder hoch uswusw. Dazwischen labert er irgendwelches Zeug. Überhaupt, Druffis, die einen krass volllabern, daß ihr Ururgroßvater Max Reinhardt heißt oder son Scheiß, oder daß sie jemand’ kennen, der schon mal mit Rainald Goetz gechillt hat und daß der voll nett ist eigentlich. Kurzes Liveset vorhin von Cosmic Baby,...</description>
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                  <category domain="http://www.sixapart.com/ns/types#category">Double R</category>
        
        
         <pubDate>Fri, 12 Feb 2010 01:01:39 +0100</pubDate>
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         <title>Welcome to Cyberspace! Hallo Welt!</title>
         <description>Neulich dachte ich einmal darüber nach, wie ich in dieses Internetangebot wieder etwas Pep hineinbringen könnte. Ich ging in mich und übte Selbstkritik. Das Ergebnis: Die Inhalte sind zu elfenbeintürmisch und westlich dekadent und haben zu wenig mit den Belangen der Jugend und der Arbeiterklasse zu tun. Für die Konventionen des Internetes selbst gebe ich wahrlich keinen Pfifferling, wohl aber danke ich den Mächten, die den Cyberspace einst erschufen und mir so einen wirksamen Kanal für die Verbreitung der Wahrheit an die Hand gaben – ein Verlautbarungsmedium ähnlich Osama bin Ladens Videobotschaften. Ich möchte mich also in loser Folge mit dem Scheitern der Anderen befassen, ein Thema, das mir schön deucht und das aus dem Leben gegriffen scheint, in einer Umwelt, in der episches Versagen omnipräsent ist, gleichsam in Stein gehauenes Scheitern wohin das Auge blickt. Wo der Mensch waltet entspringt ein Quell der Amechanie usw. Plötzlich knatterte ein Hubschrauber durch die Luft (ein rot lackierter Hubschrauber) um über dem Sportstadion, das tief unterhalb meines Balkones liegt, zu kreisen. Mit seinen Rotorblättern wirbelte der Hubschrauber gezielt die gewaltigen Schneemassen vom Dach der Arena – ein Flachdach! Die Betreiber des Stadions hatten wohl bei der Hubschrauberfirma angerufen, per Telephon, da sich schon Risse zeigten und knackende Geräusche vernehmlich wurden. Phil Collins und Halbfettmargarine (nicht im Bild) Bitte gestatten Sie mir einen kleinen Exkurs: das Olympiastadion, von dem hier die Rede ist,...</description>
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         <pubDate>Thu, 11 Feb 2010 00:42:53 +0100</pubDate>
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         <title>Unser Frieden heißt Krieg</title>
         <description>Die Stimme des Vorsitzenden schallt von draussen herein, er spricht vom Hauptaggressor Amerika und seinem Vasall Israel. Die Ansprache wird zur vollen Stunde wiederholt werden. Ich bin mit einer dampfenden Tasse Schwarztee an die Fensterfront der Einraumwohnung herangetreten und blicke hinab auf die verschneite Siedlung Ganymed. Alle Balkone sind zum Kraftwerk ausgerichtet. Die Lokomotive pfeift zur Weiterfahrt. Der Bahnhof liegt bald neunhundert Saschen entfernt, auf halb drei, im Walde. Es ist fünf Uhr sechsundzwanzig, die Bewohner kehren zurück aus den Raketenwerken. Die Strasse zu den Hochhäusern ist von geneigten Laternenpfählen aus Beton gesäumt. Grünblaues Licht von Quecksilberdampflampen. Das Thermometer steht auf minus neunzehn Grad und fällt. Zwei Stunden Sonne täglich. Aus Lautsprechern verliest eine computergenerierte weibliche Stimme die Zeit, alternierend deutsch und chinesisch. Arbeiter der Hand und Arbeiter des Geistes, zu Fuß vordringend, oder rittlings auf Motorschlitten. Rund und neapelgelb steht die Sonne zur blauen Stunde über dem kieferrauhen Horizont der Taiga und die Kühlturmfahnen sind knotig fest und von bleiernem lachsrosa. Männer treten sich die pudschweren Stiefel ab, speien gelbgrauen Auswurf ins frostkrachende Unterholz und fluchen dabei leise. Einer macht einen Witz, man blickt über die Schulter und lacht verhalten. Im Foyer des Hochhauses steht eine Voliere mit Buntspechten – ein Beitrag des Kulturbundes. Einige kleinformatige suprematische Bilder hängen dort und eine collagierte Wandzeitung: Deutsch-Chinesische Raketen im Weltall – Sieg über den Raum! Der Sichtbeton glänzt vom Fett der...</description>
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         <pubDate>Sat, 19 Dec 2009 23:42:25 +0100</pubDate>
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         <title>Die A</title>
         <description>Die A bewohnt eine Einliegerwohnung unter dem Dach, deren Nutzfläche fünfundachtzig Quadratmeter beträgt. An schönen Semptembertagen etwa, wenn sich der Himmel makellos hellblau und recht freundlich über der stattlichen Alpenkulisse präsentiert, man allenthalben den Wanderschuh schnürt und ein milder Wind von Italien her geht, verlasse die A ihre Wohnung nicht, wohl aus Prinzip und psychischer Disposition, und halte die Fenster fest geschlossen, ferner seien die Vorhänge zugezogen – darin läge wohl auch maßgeblich ihr fahler Teint begründet. Man höre sie kaum gehen in ihren Räumen; die A gleicht einem Hausgeist oder einem scheuen Waschbären lässt sich dem entnehmen, was über A gesagt wird.Eines Abends, da die Wipfel der Tannen schwarz und unruhig vor dem Fenster wogten, gewahrte ich durch die angelehnte Stubentüre, wie ein mit einem Damenschuh in Trachtenoptik bekleideter Fuß vorsichtig tastend und – aufgrund von nachttierhafter Routine – bar jeglichen Knackens auf die vom Dachgeschoss steil herabführende Treppe aus Eibenholz gesetzt wurde. Der Spann des Schuhs war mit einer schön ziselierten Silberspange besetzt, soweit im Zwielicht und bei allem Willen zur Wahrung der Intimsphäre erkennbar war; der Fuß gehörte zweifelsfrei der A – wie sich unschwer schließen und kurze Zeit später auch beobachten ließ – die auf Vollgummisohlen weitgehend lautlos durch das Vorhaus in Richtung Garage schwebte, kalkweiss geschminkt und angetan mit einem burgunderfarbenen Dirndl, ihrem Ruf gemäß twinpeaksartig und somnambul. Es seien stets jene nasskalten Nächte, wie...</description>
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                  <category domain="http://www.sixapart.com/ns/types#category">Passanten</category>
        
        
         <pubDate>Sun, 01 Nov 2009 22:58:36 +0100</pubDate>
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         <title>Herr No unternimmt eine Bootspartie (Behelfsüberschrift)</title>
         <description>Dies sei sein täglicher Weg zur Arbeit, sagt ein Mann und weist vage in eine Richtung, in der eine Straße zwischen Hochhäusern und Supermärkten recht geradlinig und mehrspurig verläuft. Es sei eine schöne Gewohnheit dort entlangzufahren, mit dem Auto, auch wenn die morgendliche Fahrt durch ungünstige Ampelphasen getrübt werde, so der Mann. Die Fassaden der Häuser sind akzeptabel renoviert, vorwiegend in vitalen Buntfarben. Durch die Vielzahl der Supermärkte und Tankstellen entsteht eine gesunde Konkurrenz, von der der Verbraucher im Endeffekt nur profitiert. Da und dort einen geeigneten Parkplatz zu finden sei beschwerlich. In einem Urlaubshotel sei lauwarmes Essen serviert worden; an einem anderen Ort seien hingegen die Speisen befriedigend gewesen, also schmackhaft, wohltemperiert und reichlich, auch liebevoll angerichtet und vergleichsweise preiswert, sagt man. Geplant ist eine Fahrt mit einem historischen Ausflugsdampfer, wie dem Gespräch, das der Mann mit einer neben ihm sitzenden Frau führt, zu entnehmen ist. Der Spätsommer sei eine Herausforderung an die Menschen, die geeignete Kleidung zu wählen, morgens, vor dem Dienst, so die Frau. Ist man in der Septemberfrühe, deren Luft mitunter schon herbstlich frisch ist, recht gekleidet, so transpiriere man in den noch sonnenreichen Mittagsstunden und umgekehrt. Er setze auf das sogenannte Zwiebelprinzip, erwidert der Mann munter und zupft leicht an einem braun, violett und weiß gestreiften Feinstrickpullunder. Die übrigen, den Leib des Mannes umhüllenden, Textilschichten bestehen aus einem resedafarbenen Hemd, sowie einer erbspüreefarbenen Übergangsjacke. Die...</description>
         <link>http://www.hightatras.org/ausdruckstanz/herr_no_unternimmt_eine_bootsp.html</link>
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                  <category domain="http://www.sixapart.com/ns/types#category">Ausdruckstanz</category>
        
        
         <pubDate>Tue, 08 Sep 2009 17:28:05 +0100</pubDate>
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         <title>Auf dem Balkon</title>
         <description>Meiner Stadtwohnung ist ein Balkon vorgelagert, der sich nach Westen öffnet. Eine Brüstung aus nach oben abgerundetem Beton, scheidet den Hinaustretenden, in die Spätsommersonne Blinzelnden von der Tiefe. Noch vor wenigen Tagen war die brusthohe Brüstung noch nachts handwarm von der tags gespeicherten Sonne, daß sich der Rücken an den nackten Beton legen und behutsam gen Abgrund überdehnen ließ, bis es zart knackte. Das Wasser sinkt zurück, bald gelb, bald rotbraun schleicht sich der Verfall in die Decke der Baumkronen. Und an einem Nachmittag, als ich auf dem Balkon in einem Stuhl sitze, an einem Tisch aus Holz und eine Madeleine in eine vornehme Kaffeetasse tauche, hebt hinter der Brüstung – die, so sitzend, das Blickfeld des Sitzenden zu einem stillen, aber nicht stillstehenden Panoramarechteck aus von Wolken überschliertem und von glühenden Flugzeugparabeln durchschnittenem Cyan ebenso verengt wie erweitert – ein Getöse an, der anschwellende Gesang von Martinshörnern zunächst, dann das hastige Geräusch von Stiefelabsätzen und knappe, so wohl als professionell geltende, einem wohl berufsintern geltendem ungeschriebenen Code gemäße, barsch ausgestoßene Kommandos. Auf dem Parkplatz stehen Männer, angetan mit mutmaßlich schwer entflammbaren Uniformen, die sich routiniert himmelblaue Gummihandschuhe überstreifen. Über einhundert Balkonbrüstungen lehnen Schaulustige; die Köpfe schießen gleichsam pilzgleich hervor, um sodann, sich der Schwere hingebend, stier blickend gen Geschehen zu sinken. Der Ausleger eines zwischenzeitlich in Positur gebrachten Leiterwagens, an dessen Ende ein – ein bis zwei Feuerwehrmännern fassender...</description>
         <link>http://www.hightatras.org/umfeld/auf_dem_balkon.html</link>
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                  <category domain="http://www.sixapart.com/ns/types#category">Umfeld</category>
        
        
         <pubDate>Thu, 03 Sep 2009 18:43:46 +0100</pubDate>
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         <title>Bericht zur subjektiven Bedrohungslage</title>
         <description>Myop plierend und mit Hang zu einer Rückenfehlstellung beugt sich ein Handelsreisender von 46 Jahren über seinen Computermonitor, der die Zellen einer Tabellenkalkulation darstellt. Durch die industriell gestanzte Trinköffnung eines großgastronomieüblichen Polystyroldeckels, wie er zum Verschließen von heißgetränkegeeigneten Hartpapierbechern Verwendung findet, lässt der Handelsreisende einen hastigen Schluck Kaffee in seine Speiseröhre rinnen, sodass im Rahmen der pharyngealen Transportphase eine uneindeutige, wohl aber auch mit der Getränketemperatur zusamenhängende Grimasse über das scharf rasierte, doch weich geschnittene Gesicht des Handelsreisenden huscht – das Gesicht eines betagten Kindes. Der Handelsreisende belegt einen Fensterplatz mit Tisch, in einer Ruhezone der ersten Wagenklasse. Die Regenwahrscheinlichkeit ist hoch; bald ins tintig pechschwarze, bald ins königsblaue spielende Stratocumuluswolken haben sich tief zusammengeballt und umfasern die orangerosa und schemenhaft über der Grundbach-Talbrücke emporsteigende Sonne stark bis sehr stark, sodass eine ebenso dramatische wie pittoreske Lichtsituation von maximal 43 Lumen pro Quadratmeter herrscht, dort draussen – jenseits des Verbund-Sicherheitsglases, vor dem die Kulturlandschaft des Weserberglandes vorübergleitet; wo, wenn nicht die Scholle vom Beton der Profanbauten versiegelt ist, gemäß Raumnutzungsplan alternierend Forstwirtschaft und Ackerbau betrieben wird. Mit von gespenstischer Geräuschlosigkeit geprägter Geschwindigkeit schnellt der Schnellzug nun, nach einer Passage durch Forst, gravitätisch hinaus in das Freiland und der Zugführer wird seine Fahrweise den Gegebenheiten anpassen, er wird mit Seitenwinden rechnen, er wird sich dräuenden Wildwechsels bewusst sein. Siehe, da stehen zwei Stück Rotwild (mit ungefegtem Geweih) auf einem Flurstück und...</description>
         <link>http://www.hightatras.org/ausdruckstanz/bericht_zur_subjektiven_bedroh.html</link>
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                  <category domain="http://www.sixapart.com/ns/types#category">Ausdruckstanz</category>
        
        
         <pubDate>Sun, 19 Jul 2009 15:53:02 +0100</pubDate>
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         <title>Herr No wird sich zu Stein am Rhein vorerst nicht äussern</title>
         <description>Es ist gleichsam ein kulturgeschichtliches Terrarium, dieses Gebäude an einem Unort, ein potemkinsches Alpendorf unter einem Glassturz. Gastronomische Betriebe, die einen künstlichen Dorfplatz säumen, vor denen Stühle stehen, gleichzeitig drinnen wie draussen, für die Fremden. Romantische Geschäfte in denen urige Agrargüter angeboten werden, wie Schinken, der pittoresk von der Tramdecke baumelt und Wein, Pizza, Espresso, aber auch Benzin, Kaugummis, Almdudler solche Waren eben. Schaurig stier blickende Bauernpuppen stehen hinter den Fenstern der Obergeschosse ohne Tiefe, Geranien aus Kunststoff, falsches Kamingeflacker, Sensen, Heuballen und zahlreiche weitere Requisiten dieser Art. Als ich die Treppe hinabsteige, zu den Toiletten, eröffnet sich vor mir eine weite aber niedrige Halle, ähnlich wie in einem Bunker vielleicht, senffarben gestrichener Beton und verschiedene Metalltüren in unterschiedlichen Bunttönen, ein Leitsystem wohl, das mich nicht leitet. Schräg vor mir geht eine kleine Frau mit einem schweren Hüftschaden die Treppe hinunter und mit jedem Schritt wogt ihr Leiden durch den ganzen Körper. Ich möchte jetzt nicht behaupten, daß ihr behinderter Leib lange Schatten auf die Betonwand warf, aber so ähnlich. Ein österreichischer Keller, der sich schnaufend und schnell schließende Schiebetüren aus Stahl erahnen lässt und Videoaugen und andere krasse Psychoscheiße. Eine lange Flucht von Toiletten, wohl bald an zwanzig Einzelkabinen zur Defäkation, vis-à-vis eine Wand aus Spiegeln und alle weiteren Flächen sind mit anthrazitfarbenem Naturstein verkleidet, der die wohl überreichlich vorhandenen Innereien aus Steuer- und Regeltechnik gegenüber dem Menschen abschließt....</description>
         <link>http://www.hightatras.org/reiseberichte/herr_no_wird_sich_zu_stein_am.html</link>
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                  <category domain="http://www.sixapart.com/ns/types#category">Reiseberichte</category>
        
        
         <pubDate>Wed, 01 Jul 2009 02:47:52 +0100</pubDate>
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         <title>Stichwort segmentale Körperanhänge – befindet sich die Evolution auf dem Holzweg?</title>
         <description>Blicke ich in einen Spiegel, so beschleicht mich erneut das Gefühl, daß Haare komisch sind. Je mehr Haare, desto komischer. In Badezimmern mit fließend Warmwasser lässt sich das Haar mit duftenden Shampoos fein waschen, mit dem Föhn in seidige Wellen, in beliebige Formen legen, doch wehe, eine Böe fährt hinein, wenn der Mensch das Freiland betritt, denn mit dem Winde lagert sich der Abrieb von Autoreifen und Blütenstaub ab; Kleinstinsekten verschlägt es aus physikalischen Gründen in dieses Towuhabohu aus Hornfäden und nicht wenige finden im Haar, welches wegen Verwirbelungen unweigerlich Werg wird, ihre letzte Ruhestätte. Wäre ich ein Marsbewohner, eine elektrisch schimmernde und schwebende – einen Supercomputer ummantelnde Kugel aus Panzerglas etwa, und wollte mir interessehalber einen Eindruck von der, die Erde bevölkernden Fauna verschaffen, so stünde ich speziell dem Konzept Säugetier, mit seinem Fell und dem ganzen inneren Geblubber und glibschigem Gekröse ohnehin mehr als kritisch gegenüber; am wenigsten jedoch überzeugte mich wohl der Mensch, mit seiner partiellen Behaarung und den daraus naturgemäß resultierenden riesigen und von Talgdrüsen durchbrochenen Hautflächen, die mich, nicht nur als Supercomputerglaskugel, an hügelige, einst von fruchtbar humiden Urwäldern bedeckte Landschaften erinnern würden, die dann und dann König Sowieso abholzen ließ um eine Kriegsschiffflotte bauen zu lassen oder zum Heizen. Ein Koalabär oder ein Hund ist, im Gegensatz zum Menschen, bezüglich seines Haarkleides wenigstens in sich konsistent und verfügt zudem über vergleichsweise flauschige und allgemein...</description>
         <link>http://www.hightatras.org/ausdruckstanz/stichwort_segmentale_korperanh.html</link>
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                  <category domain="http://www.sixapart.com/ns/types#category">Ausdruckstanz</category>
        
        
         <pubDate>Fri, 08 May 2009 15:01:45 +0100</pubDate>
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         <title>Neues aus den Ostgebieten</title>
         <description>Plötzlich erscheinen drei Menschen und packen einen älteren Mann recht barsch am Arm. Wahrscheinlich habe ich aber nur nicht so richtig hingesehen zunächst, da ich, an einer S-Bahnstation wartend, etwa Schwalbensilhouetten am Abendhimmel beobachtete oder auf den Po eines vorbeigehenden Mädchens blickte. Er möge sich ausweisen sagt der das Trio wohl leitende und das Wort führende Mann und zeigt seinerseits nachlässig eine Ausweiskarte vor auf Hüfthöhe, die ihn mutmaßlich nach außen als Zivilfahnder bezeichnet. Das Ziel des Zugriffs ist ein kleiner Mann mit schiefgelaufenen Schuhen, gelbgrau zurechtpomadiertem Haupthaar und einer braunmelierten Hornbrille, dem man nun wortlos die Umhängetasche von den Schultern zerrt und den Inhalt rasch auf den staubigen Boden des Bahnsteigs entleert. Dabei mit spitzen Fingern ganz gewöhnliche Dinge, wie eine Brille, einen Schlüsselbund, leere Bierflaschen oder eine Zeitung, mit einer, für mich als Beobachter ungeheuerlichen, Na-was-haben-wir-denn-da-Miene anhebend, als müsse sich der Besitzer dafür rechtfertigen, was dieser jedoch leider auch macht. Man handele aufgrund eines Anrufes, verschiedener Hinweise aus dem Volk, erläutert der leitende Fahnder, man habe ihn, den Mann mit der Umhängetasche, beobachtet, wohl hinter der Gardine stehend, denke ich, wie er Bierflaschen austrank, wie er dann im Gras lag, am Bahndamm, unweit der Kanalbrücke und schlief, in der Sonne, anschließend auf dem Bürgersteig auf und ab ging, hatten Bürger ihre Beobachtungen der Polizei geschildert, so der Fahnder. Es sei ein Verdachtsmoment entstanden, da und da abgestellte Kraftfahrzeuge...</description>
         <link>http://www.hightatras.org/passanten/neues_aus_den_ostgebieten.html</link>
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                  <category domain="http://www.sixapart.com/ns/types#category">Passanten</category>
        
        
         <pubDate>Wed, 15 Apr 2009 16:15:54 +0100</pubDate>
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         <title>Huren, Wein und die Filets der besten Tiere für alle</title>
         <description>Ein von minderwertigem Wein trunkener Mann, der durch den Kot der schummrigen Gassen ins Badehaus stolpert um dort zotige Lieder zu singen und ein Weib zu schwängern, zürnt natürlich zugleich dem Klerus, der sich, wie man sagt, nach oppulentem Prälatenessen im Bordell vergnügt. Je verkommener ein altes Regime ist, desto dämlicher sind scheinbar auch jene, die sich anschicken, es zu reformieren oder gar hinwegzufegen. Das pervertierte Papsttum des Spätmittelalters brachte immerhin Martin Luther oder Thomas Müntzer hervor; Wirtschaft und Politik heute gebiert lediglich lächerliche Kritiker wie die Linkspartei beispielsweise oder Attac, als würde der Ladeluke eines havarierten Supertankers ein geistig behindertes Schaf entschlüpfen. Man sagte, sie predigen Wasser und trinken Wein, mit der Intention selber Wein trinken zu wollen, und zwar nur von den Trauben höchster Qualität. Man sagt, wir zahlen nicht für eure Krise, mit der Intention, in der Hausse an den Erträgen der hasardeurhaften Wirtschaft teilhaben zu wollen, jedoch in krisenhafter Zeit zu greinen ob der Vertreibung aus dem Warenparadies und sich mit barlachschen Mienen die Nasen an den Scheiben der besten Geschäfte platt zu drücken. Man trinkt gierig und in großen Mengen sehr billigen Kaffee, man verzehrt Rindfleisch und vitaminreiche Südfrüchte, man trägt modische Sportschuhe sowie in fernen Ländern, von Ausländern verfertigte Oberbekleidung, man weist aber, mit vor Erregung zitterndem Zeigefinger, anklagend auf die Mönche, Minister und Manager da oben, da man ihnen den besseren Hebel neidet,...</description>
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                  <category domain="http://www.sixapart.com/ns/types#category">Apparate</category>
        
        
         <pubDate>Thu, 02 Apr 2009 16:19:10 +0100</pubDate>
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         <title>Die Sintflut ist der Hochdruckreiniger des Herrn</title>
         <description>Vermittels Präparaten und Arbeitstechniken, die mir angeboten wurden, ist es mir gelungen, meine Penislänge um 20% zu vergrößern, meine Potenz gar um 85% zu steigern. So komme ich seit Stunden nicht, und Damenbesuch kommt überhaupt nicht. Käme er, so sähe ich ihn frühzeitig auf dem Monitor meiner lichtstarken Überwachungskamera an der Türe und schwebte mit dem gasdruckgefederten Barhocker, den ich einst in führenden Designerhotels bewunderte, lautlos auf und nieder, als Zeichen meiner Freude. Was nützen einem Mann rautenförmige Pillen in bleu und Photographien, die devot oder dämlich dreinblickende Frauen in reizender Unterwäsche und mit Hundehalsbändern bekleidet vorstellen, wenn die Welt, wie man den Massenmedien entnehmen muss, ohnehin verrottet ist bis zum Kern, sich insgesamt nicht den Anforderungen und Bedürfnissen gemäß entwickelt (Stichwort: Finanzmärkte, Klimakatastrophe), daß man alles einmal gründlich durchkärchern müsste. Ich rate Ihnen, sich in faden Perioden des Lebens vor diese Monitore zu stellen, die an den Stirnseiten der Regale von Heimwerkermärkten angebracht sind. Die Männer, die in den dortigen Bildschirmen auftreten, sind oft sehr munter, einer der beiden mimt, im Sinne der Sache, einen umständlichen Skeptiker, der andere stellt, seinem Naturell entsprechend, einen Mann der Tat dar und demonstriert, wie sich die sichtbaren Probleme auf technischem Wege lösen lassen. Das Material fügt sich schließlich dem Manne; im Endeffekt liegen befriedigend glatte Schnitte, lotrechte Bohrlöcher sowie Sauberkeit und Ordnung der Dinge vor. Gott erschuf den Menschen, der das Prinzip...</description>
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                  <category domain="http://www.sixapart.com/ns/types#category">Materie</category>
        
        
         <pubDate>Thu, 19 Mar 2009 17:31:33 +0100</pubDate>
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         <title>Die Entstehung der Arten (Teil 1)</title>
         <description>Ich skype gerade Hans-Werner an, weil MSN down ist und Hans-Werner in der vierzehnten festhängt, bei ‘nem Strategy-Panel mit ein paar ganz großen Tieren aus den Staaten. Wie immer, wenn ich in good old Mainhatten bin, treffen wir uns in Rick’s Bar auf nen paar gepflegte Single-Malts zum absacken. Ich hab Hans-Werner Ende der achtziger kennengelernt, als wir gemeinsam die Human Resource Optimization Unit eines mittelgroßen DAX-Konzerns geleitet haben unten in Würzburg. Heute ist die Bude IMHO schlachtreif, die erste also, die in Germany die Hufe hochreißen wird, wenn die Lage – was anzunehmen ist – weiter bearish bleibt. Bei diesen unterirdischen Zahlen hätte man den Brüdern schon vor einem Jahr einen hammerharten Rating-Downgrade reinwürgen und den Wert stante pede aus dem DAX kegeln sollen. Aber hey, der Markt ist eben kein Ponyhof. Mein alter Kumpel Hans-Werner also, damals, kurz bevor die Blase geplatzt ist, short gegangen, die sauer verdienten Milliönchen dann aber in Dubai versenkt. Life sucks! Aber das ist ein anderes Thema. Ich häng’ also an der Bar, die Puppe hinter dem Tresen schiebt ihren Arsch rüber, ich bestell mir ‘nen gepflegten doppelten Armorik Single Malt und genieß die Aussicht. Heilige Scheiße, die Puppe hat wirklich den süßesten Arsch diesseits der Beteigeuze, und als wenn das noch nicht genug wäre, zwei wirklich amtliche Hupen, die sich sehen lassen können – lucky me, Freunde! Als die Party vorbei war,...</description>
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                  <category domain="http://www.sixapart.com/ns/types#category">Warenwelt</category>
        
        
         <pubDate>Fri, 20 Feb 2009 22:44:09 +0100</pubDate>
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