Hightatras:
Materie
Geruchstheorie
Alle Dinge haben ihren Geruch, manche mehr, manche weniger. Subjektiv angenehm oder unangenehm. Bemerkenswert ist die Tatsache, daß Geruch zwar mitunter nachlässt aber nie gänzlich verfliegt, so alt die, den Duft austrahlende, Quelle auch ist. Bei einem Besuch in den Alpen habe ich historische Holzhäuser gesehen gerochen, die in ihren ältesten Teilen sechshundert Jahre alt sind. Noch immer verströmt das Holz seinen typischen Odem obwohl die hölzerne Architektur der Berge sehr intensiv der Witterung ausgesetzt ist. Sowohl glühende Sonnenbestrahlung als auch scharfer Frost vermögen den spezifischen Geruch der Materie nicht zu vertreiben, es entsteht nicht einmal der Eindruck des schwächer werdens. Wenn es sich um ein flüchtiges Gas handelte, das die Dinge verströmen, ein Gas das wir beim Atmen in unsere Nase saugen, das dort auf entsprechende Rezeptoren trifft und den olfaktorischen Sinneseindruck erzeugt, so müsste die Materie mit der Zeit immer weniger werden also verdampfen oder in anderer Weise seinen Aggregatszustand in's gasförmige verwandeln. Dem ist aber nicht so, selbst Steine, die Millionen von Jahren alt sind, haben einen deutlichen Geruch.
So liegt die Vermutung nahe, daß die Stoffe ihren Geruch nicht aus der eigenen Materie schöpfen, sondern vielmehr als eine Art Katalysator wirken, ohne selbst aktiv an chemischen Reaktionsprozessen teilzunehmen. Vergleichbar vielleicht mit dem Absorptionsverhalten der Stoffe im Bereich des sichtbaren Lichts unserer Farbwahrnehmung. Der Apfel ist nicht an sich rot, sondern weist nur eine entsprechende Oberflächenstruktur auf, die dem auftreffenden Licht alle nicht-roten Wellenlängenbereiche entzieht und die so absorbierten Bereiche in Wärmeenergie umwandelt. Lediglich die reflektierten Teile des Spektrums verbleiben und veranlassen den Betrachter zu der Annahme, daß der Apfel rot sei. Sollten sich Gerüche ähnlich bilden? Analog zum weissen Licht gäbe es reine Luft mit neutral empfundenem Geruch, die Materie entzöge, ihrer Beschaffenheit gemäß, der Luft bestimmte molekulare Bestandteile und würde somit einen eigenen Geruch erzeugen den Geruch von Holz zum Beispiel. Licht ist ein klassisch physikalisches Phänomen, Gase und Gerüche reichen eher in den Bereich der Biochemie. Folgt man dem olfaktorischen Absorptionsmodell, bleibt die Frage ungeklärt, was mit den absorbierten Luftbestandteilen geschieht und ob sich aus der chemischen Zusammensetzung von Luft die Vielzahl der bekannten Düfte bilden ließe, es mangelt ihr vor allem an eigenem Kohlenstoff als Basis komplexer Verbindungen.
21. Dezember 2005Interessante Geruchstheorie, aber dass tatsächlich noch jemand außer Partrick Süskind das Wort olfaktorisch benutzt! :-)
Habe vor ein paar Tagen noch im GEO gelesen, dass die Fähigkeit zur Unterscheidung von verschiedenen Gerüchen bei uns Menschens immer weiter abnimmt. Dort wurde diese These evolutionär begründet; wir brauchen den Geruchssinn heute nicht mehr als das wofür wir ihn früher gebraucht haben - als Warnung vor Gefahren.
Meinte Simon am 22. Dezember 2005 um 9:25 UhrIch war ziemlich verblüfft, als ich den letzten Absatz dieses Artikels gelesen habe, wie gering die Anzahl der unterschiedlichen Gerüche, laut der drei hier aufgeführten Theorien, ist. Höchstens neun. So sehr ich Klassifizierungen schätze, erscheint mir das zu wenig. Mir fallen reihenweise Gerüche ein, die über diese Muster hinausgehen.
Was meinen Sie, wie verbreitet ist das Wort »Kaprylgerüche« wohl im allgemeinen Sprachgebrauch? »Als ich den Kühlschrank öffnete vernahm ich einen deutlichen Kaprylgeruch, ausgehend von einem mittelgroßen Stück Appenzeller.« Hmm