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Glasbausteine

Manche Probleme im Leben eines Mannes sind knifflig. Da weiß auch das Internet nicht Bescheid. Dieses vermaledeite Zwitterwesen aus Doktor Allwissend und Graf Koks. Wie man Wände aus Glasbausteinen mauert ist zum Beispiel so eine Frage. Darüber denke ich gelegentlich nach. So auch heute. Als ich meinen Spaziergang unterbrechend neugierig stehenbleibe, da wird nämlich das alte Kraftwerk Oberhavel abgerissen drüben am Westufer, riesige Betonstücke krachen staubend in die Tiefe, — bin ja mal gespannt mit dem Schornstein —, kommt einer an und stellt sich neben mich. Ja, watt denn so die beste Kamera wäre für so Fotos, hier Sonnenuntergang, Meer sowat die Richtunk, er will ja dies Jahr wieder nach Malle, weil auf Fuerteventura sind ja nur Arschlöcher, hier die andern Deutschen jetze, aber ne schöne Bootstour mit ein Fischer gemacht seinerzeit, solche Hoschis ham die da rausgezogen zeigt er mir, letztens hätt er ja Grippe gehabt — hör mir uff, die 91 Jährige Mutter, die er im Rollstuhl rumschiebt, oder auf Montage damals, immer gesoffen wien Loch sag ick dir, die Jahre in der Justizvollzugsanstalt, kommt beim Reden zu nah heran und hält mich auch am Arm fest zwischendurch, wenn die Erzählung besonders ergreifend ist aus seiner Sicht.

Jedenfalls war er mal Maurer wie sich herauskristallisiert. Auf meine interessierte Nachfrage weiß er alles über Glasbausteine. Eine Koryphäe seines Fachs, ein alter Glasbausteinhase der ins Schwärmen gerät. Hier draußen in Heiligensee, viele Wände hochgezogen seinerzeit — alles schwarz natürlich. Logisch, klar. Immer nur zwei, drei Reihen, dann warten. Tagelang — oder heizen. Glas saugt eben nicht. Armierungseisen in den Mörtel alle zwei Reihen, am besten verzinkt. Mit der Wand verschrauben. Lange, ein Zentimeter hohe Holzleisten über die ganze Breite auf die Ränder legen für die gleichmäßige Fuge. Nachher rausziehen und verfugen. Glassteinmauern neigen zum schwimmen, also immer warten. Warten ist die wichtigste Information. Jetze aber schnell, die Fähre kommt. Dankeschön und Tschüßikowski. Verblüffend sowas: Ich so grübel, grübel, grübel. Mit einmal steht der Experte des Tages neben mir.

21. Februar 2007
Kommentare:

Ich liebe diese Beiträge! Es ist immer ein Genuss, sie zu lesen.

Einen angenehmen Tag wünsche ich. Und danke für den Keks ;-)

Grüße
Kaddi

Meinte Kaddi am 22. Februar 2007 um 8:02 Uhr

Gefällt mir, aber hab den tieferen Sinn glaub nich begriffen. ^^

Meinte plasmaoxyd am 28. Februar 2007 um 20:40 Uhr

Manchen Fragen nähere ich mich mit Erfolg wie Special Agent Dale Cooper.

Meinte dr.no am 28. Februar 2007 um 21:11 Uhr

plasmaoxyd, hier geht es wohl vor allem um Vorurteile und darum, wie verwirrend es sein kann, wenn sie nicht bestätigt werden und das Gehirn zur Akkomodation gezwungen wird.

Die so entstandene Diskrepanz zwischen durch Äußerlichkeiten und Sprache hervorgerufene vorgefertigte Meinung und späterer, durch Demonstration von Expertenwissen über Glasbausteine gewonnene Einsicht führt bei dr.no ("grübel, grübel grübel") entwicklungspsychologisch gesehen zu einer erfreulichen Neujustierung, da das Ungleichgewicht zwischen innerer und äußerere Realität eine Äqulibrierung der kognitiven Strukturen verlangt.

Piaget!

Meinte Simon am 11. März 2007 um 16:40 Uhr

So ist es. Äquilibrierung: Sowohl in der Verwendung von Glasbausteinen durch flexibel aushärtenden Mörtel oder Armierungseisen z.B. wie auch im übertragenen Sinne, Glasbausteine als vorübergehend stabiles Fundament sozialer Interaktion.

Meinte dr.no am 11. März 2007 um 19:56 Uhr










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