Hightatras:
Passanten
Kartoffelchips mit Eichenlaub und Schwertern
Hurra. Frenetischer Jubel zerreißt die geisterstadthafte Ruhe des Werktags. Eine junge Frau stürzt auf den Balkon, die Arme wirft sie theatralisch gen Himmel, ihre großen Brüste sind in einem Fußball-BH verborgen. Deutsche Fetischmode in Tagen der nationalen Euphorie. Wer heute nicht geflaggt hat, dem ist nicht zu helfen. Von patriotischer Hand gezündete Raketen schnellen tausendfach in die Troposphäre um so den glorreichen Sieg unserer Jungs zu preisen. Ich stehe am geöffneten Fenster, mit einem Glas in der Hand, in dem Himbeeren schwimmen. Unten an der kleinen Schaukel tollen blonde Buben und Mädchen im sommerlichen Garten. Lustig flattern die kleinen, eifrig geschwenkten Fahnen, die man den Spielen geschickten mitgab, in der schwülen Schwere des Nachmittags. Sie tragen keine Matrosenanzüge und keine Ähren sind in ihre blonden Affenschaukeln geflochten. Ein Fahnenmast aus dem Baumarkt erhielt vor Anpfiff einen Ehrenplatz im Garten, das Klirren feierlich aneinanderstoßender Bierflaschen begleitete das Hissen unserer deutschen Fahne. Der Adler sieht ein wenig behindert aus die Krallen ganz verkümmert naja Fernost, egal, war im Angebot.
20. Juni 2006Frau vor der Eisdiele: Wieso hat er denn keine Deutschlandfahne am Rad?
Sie blickt zu einem Jungen von vielleicht 6 Jahren, dessen Kinder-Fahrrad mit einem im Fahrtwind drehendem Windrad und einer grünen Dino-Hupe ausgestattet ist.
Die Mutter: Wir hatten schon mal dran gedacht, ich schwöre.
Sie hebt zögerlich zwei Finger um ihren Schwur zu bekräftigen.
Derlei fadenscheinige Lippenbekenntnisse vermögen die Anwesenden nur sehr wenig über ihre offenbar dolchstößlerische Gesinnung hinwegzutäuschen.
In der Öffentlichkeit wird man mitunter schräg von der Seite angesehen, wenn man zu äußern wagt, man fühle sich der Gefahr einer Allergie gegen die Farbkombination Schwarz/rot gold ausgesetzt.
Sagte Markus Quint am 22. Juni 2006 um 21:59 Uhr