Hightatras:

Herr No wird sich zu Stein am Rhein vorerst nicht äussern

Es ist gleichsam ein kulturgeschichtliches Terrarium, dieses Gebäude an einem Unort, ein potemkinsches Alpendorf unter einem Glassturz. Gastronomische Betriebe, die einen künstlichen Dorfplatz säumen, vor denen Stühle stehen, gleichzeitig drinnen wie draussen, für die Fremden. Romantische Geschäfte in denen urige Agrargüter angeboten werden, wie Schinken, der pittoresk von der Tramdecke baumelt und Wein, Pizza, Espresso, aber auch Benzin, Kaugummis, Almdudler solche Waren eben. Schaurig stier blickende Bauernpuppen stehen hinter den Fenstern der Obergeschosse ohne Tiefe, Geranien aus Kunststoff, falsches Kamingeflacker, Sensen, Heuballen und zahlreiche weitere Requisiten dieser Art. Als ich die Treppe hinabsteige, zu den Toiletten, eröffnet sich vor mir eine weite aber niedrige Halle, ähnlich wie in einem Bunker vielleicht, senffarben gestrichener Beton und verschiedene Metalltüren in unterschiedlichen Bunttönen, ein Leitsystem wohl, das mich nicht leitet. Schräg vor mir geht eine kleine Frau mit einem schweren Hüftschaden die Treppe hinunter und mit jedem Schritt wogt ihr Leiden durch den ganzen Körper. Ich möchte jetzt nicht behaupten, daß ihr behinderter Leib lange Schatten auf die Betonwand warf, aber so ähnlich. Ein österreichischer Keller, der sich schnaufend und schnell schließende Schiebetüren aus Stahl erahnen lässt und Videoaugen und andere krasse Psychoscheiße. Eine lange Flucht von Toiletten, wohl bald an zwanzig Einzelkabinen zur Defäkation, vis-à-vis eine Wand aus Spiegeln und alle weiteren Flächen sind mit anthrazitfarbenem Naturstein verkleidet, der die wohl überreichlich vorhandenen Innereien aus Steuer- und Regeltechnik gegenüber dem Menschen abschließt. Nach dem Hände waschen ist der Gast gehalten seine noch tropfnassen Hände in eine der schwarzen Mösen aus Plastik einzuführen, die in die Wand eingelassen sind und in denen es bei Annäherung erheblich zischt und braust; Glory Holes mit direktem Zugang zur Hölle, tatsächlich negative Hochdruckreiniger also Sauger, die auch auf Antimaterie und Orgonenergie basieren mutmaßlich. Vorher, an einem anderen Ort, las ich mir ein Schild über Pilzrecht durch und verzehrte zeitgleich ein Sahneeis am Stiel, welches von einem tropischen Fruchtsorbet ummantelt war, dabei lachte ohne Unterlass die Sonne und droben am Berg kalbte die Pasterze. Später, hinter den Tunnels und Pässen wuschelten die Bäume hinter den Lärmschutzwänden ihre Kronen wie Cheerleader ihre Pompondinger, also hysterisch und etwas aufreizend und der Himmel verfärbte sich in einer Weise tintig schwarz, die als Indiz aufgefasst werden konnte; ferner lagen einige Seen ganz selbstverständlich in die Topografie eingebettet vor, wie Laubsägearbeiten in glühender Bronze, da zudem die Nacht hereinbrach und so die späten Strahlen in spitzem Winkel reflektiert wurden. Sand in der Luft, Alpensand, ein feiner Grieß im Auge, den der Westwind dorthin plazierte; auch ein Plastiksackerl aus Polypropylen war zu beobachten, das sich zunächst gravitätisch tänzelnd emporschraubte, dort mit einem knispligen Plopp entfaltet und mit Aplomb aufgebläht wurde um rasante Fahrt durch die Lüfte aufzunehmen, begleitet von Ästen, Blättern und Papieren, die die Passanten fortwarfen. Ein Unwetter also, mit Toten und Verletzten und Sachschäden in Millionenhöhe. Schließlich ein Fall für die Versicherungen und Rückversicherungen. (Natürlich waren auch taubeneigroße Hagelkörner an der gespenstischen Szenerie beteiligt.) Ich besichtigte zuvor ein Haus in höchsten Höhen, da ich ein Haus zu kaufen beabsichtige; ein Anwesen, das ich einer Mischnutzung aus adalbertstifterscher Bergidylle und grimmiger Alpenfestung zuzuführen gedenke; von dem ich nicht zur Schwarzwildjagd ausreiten werde, wie es früher der Hammerherr tat, noch werde ich eine Frau zum Weib nehmen, die des Jodelns mächtig ist. Reichte man mir zum Vertragsabschluss ausgelassen ein Glas Schaumwein, tränke ich die Flöte nur aus Gründen der Etikette leer, da ich mir nichts aus moussierenden Weinen mache, wie Sie wissen müssen. So ist es mein. Im Fernseher wird gezeigt, wie die Polizei mit unbekannten Leichen verfährt; sie nimmt die leblosen Leiber mit in ihre unterirdischen Polizeilaboratorien, schneidet sie mit Messern auf und dann finden Wissenschaftler heraus, welche Umweltgifte in den Innereien der Opfer vorliegen, die bleihaltigen Antiklopfmittel aus Kraftstoffen seien ein Anhaltspunkt, wie man sagt. Es handelt sich um die und die Chemikalie, also kommt das Opfer da und da her, meist aus dem Ausland oder aus Russland, wie der Beitrag durchblicken lässt. Die Liegenschaft wird byronisch bewirtschaftet werden, man wird am Flügel stehend Kunstlieder singen und im von Stirnlampen durchschnittenen Morgennebel die mit Unschlitt eingeriebenen Wanderstiefel aus Kernleder binden um verbliebene alpine Probleme zu lösen. Wäre ich Schriftsteller, schriebe ich hier zwei bis drei Jahrhundertromane, würde aber bei der Arbeit manchmal schludern und oft dösend aus dem Fenster blicken zu den Gipfelkreuzen hinauf und dem sattgrünen Tann im Tale oder einfach Playstation zocken. Post Mortem führte man literaturbeflissene Touristen durch das Objekt – in Pantoffeln. Und eine lispelnde lesbische Literaturwissenschaftlerin, die sich durch derlei Führungen einen schmalen Salär verdiente, herrschte zierliche Japanerinnen an, die den Versuch wagten, mit den kleinen Fingerchen heimlich über die schartige Oberfläche des wuchtigen und ungemein charaktervollen Schreibtisches aus geflammter Eiche zu streichen.

The FPÖ took my baby away

Gerade als ich mich anschickte, in der, dem Fremdenzimmer angegliederten Küchenzeile ein proteinreiches Frühstück zuzubereiten, zwei Eier zur Hand nahm, die eine naturgemäß freiheitlich gesinnte Henne noch im Morgengrauen aus ihrem Vaginaltrakt presste, Setzeier also an Baked Beans, in Anlehnung an die frühmorgendlich zelebrierte britische Opulenz. Nun gewahrte ich aber vor dem zur Straße weisenden Fenster verschiedene Geräusche, mich dünkte zunächst es handelte sich um einen unter Schalmeienklängen durchgeführten Aufmarsch des Österreichischen Turnerbundes, oder einen dieser inszenierten Almabtriebe, der die Sommerfrischler in die Lage versetzt, recht kitschige Digitalbilder aufzuzeichnen; in Wirklichkeit werden die Tiere in schalldichten Lastkraftwagen abtransportiert um im Tale endgültig der landwirtschaftlichen Wertschöpfungskette zugeführt zu werden. Doch Nein, als ich die moosgrünen Fensterflügel aufstieß, meinen Leib zwecks Einsichtnahme über das prächtig im Bergwind wogende Geranienbouquet in Landesfarben beugte, bot sich meinem Auge ein kummervolles Bild. Drunten in der Haarnadelkurve lag ein verunfallter Kradfahrer auf dem Asphalt, merkwürdig verdreht und gebrochen, in seinem schwarzen Lederhabit wie ein überrollter Salamander, umringt von Sanitätern, Schutzleuten und Kameraden, aus deren Gesichtern die männerbündlerische Forschheit gewichen war, zugunsten einer gewissen Fahlheit des Teints. Handelt es sich um ausgeflossenes Motorenöl, welches die Fahrbahn glänzen lässt? lautet einer meiner Gedanken in diesem Momente als ich einen Schluck frische Bergmilch aus einem Glase nahm in dem Walderdbeeren schwammen. Da riss aber die graue Zirruswolkendecke am Firmament auf, ein Lichtstrahl fiel hernieder auf die Szenerie, den Leblosen, die Umstehenden, das zusammengefaltete Motorrad mit den unsinnig verdrehten Räder und der Engelschor stimmte ein Lied an, begleitet von Harfen: Siehe, es handelt sich mitnichten um Motorenöl, Blut, rot wie Wein, ist es was dort den Asphalt netzt. Nun jedoch fiel es auch mir wie Schuppen von den Augen, der Herr nahm den unkonzentrierten Fahrzeugführer zu sich und der Ambulanzwagen fuhr schließlich gemächlich gen Tal ins Spital nach Spittal, ohne das Martinshorn einzuschalten — heuer pressiert es nicht. So ist er der Herr; unerforschlich wie gesagt wird, ganz schön cholerisch dachte ich aber bei mir, als ich die kernledernen Wanderstiefel schnürte, die ich am Vorabend peinlichst fettete, wies doch das mir vorliegende Meßtischblatt, ein am Fuße der zu durchsteigenden Hafnergruppe liegendes Hochmoor aus, aufbrausend also und in seinem Handeln ebenso flatterhaft wie gnadenlos, wie sich bereits der Bibel entnehmen lässt, die ich zu meiner Unterhaltung dort als leichte Bettlektüre zu lesen pflegte. Schließlich handelt es sich bei der Bibel um ein sehr erfolgreiches Buch, dessen Autorenkollektiv sich seit seinem Erscheinen einer wachsenden Anhängerschaft erfreuen könnte, würde es nicht längst die Radieschen von unten betrachten. Ein fanatischer und rücksichtsloser Fanclub hat sich um den Schmöker gebildet, der heute noch ziemlich krass rumnervt und bereits seit zweitausend Jahren hooliganartig umherreist um alles kaputtzumachen und Indianer anzuzünden. Kurzum ein nachhaltiger Erfolg, den andere namhafte Schriftsteller wie Stephen King oder Thomas Mann mit ihrem offenbar literarisch weniger inspirierten Werk nicht zu erreichen vermochten. Man kann sich den Herrn in etwa als unsichtbare, gleichsam graue Eminenz vorstellen, ähnlich wie Robin Masters, der ständig erwähnt wird, dessen Gestalt aber nie näher beschrieben wird. Nun muss ich aber eingestehen, daß ich das Buch noch nicht ausgelesen habe, und in guten Romanen durchläuft ja der Protagonist eine Wandlung und verlässt das Buch anders als wie er es betreten haben tat. Ich meine jedenfalls feststellen zu können, daß der Herr am Borderline-Syndrom litt, am Anfang, als er euphorisch die Welt schuf; dann plötzlich wirkt alles irgendwie Scheiße: Sintflut, zack weg. Oder in diesem Garten Obstgehölze bereitzuhalten und dann, als sich Eva auf Anraten der Schlange an den zweifelsohne knackigen und fruchtig wirkenden Früchten schadlos hielt, gleich so unverhältnismäßig auszurasten. Bekanntlich raten ja führende Ernährungswissenschaftler zu mindestens fünf Portionen Obst täglich; Eva konnte also ihren Vitaminhaushalt gar nicht vollumfänglich decken und wurde für ihr gesundheitsbewusstes Handeln zudem noch mit Geburts- und Regelschmerzen gestraft. Meines Erachtens neigt der Herr also zu Überreaktionen und spielt sich in den ersten Seiten des Erfolgsromanes als manischer Kontrollfreak auf, beispielsweise als er dem Zimmermann Noah, die genaue Bemaßung der Arche vorkaute, weil er ihn bezüglich Schiffbau offenbar nicht für beschlagen genug hielt. Der Herr hatte kein Vertrauen in seine Schöpfung und konnte folglich nicht delegieren. Vielleicht wird der Herr im zweiten Teil des Buches noch etwas lockerer, mal sehen. Ansonsten geht es die ganze Zeit nur darum, wer mit wem schläft, ferner jede Menge konkret krasser crime-content, wie Brudermord und spermageile Dreilochstuten, die ihren hinfälligen Vater alkoholisieren um sich in listiger Absicht nächtens in einer Art Kellerverlies von ihm schwängern zu lassen; mir ist das ehrlich gesagt über weite Strecken zu explizit oder zu langweilig.
Wer nun im schönen Kärnten rüstig ausschreitet, sieht sich am Wegesrand allenthalben mit hölzernen christlichen Darstellungen konfrontiert; Jesus, wie er blutet, oder zahllose Reihen geschnitzter Tafeln, die darstellen, wie der wohnungslose Monteur genau gefoltert wurde. Wissen Sie was? Dieses Christentum ist ganz schön morbid! Wieso nicht mal die schönen Seiten zeigen? Jesus, der das Wasser teilt oder knifflige Cateringaufgaben pfiffig löst. Hier ist die Kirche gefordert, aber sicher scheitert auch der gemeine österreichische Holzschnitzer an der Aufgabe solch lichte, wenn auch komplexe Szenen darstellerisch zu lösen. In gewisser Hinsicht ist ja Österreich wie Ostdeutschland, das merkt man sehr schnell, wenn man sich die aufgestellten Schilder oder die Zeitungen durchliest. Allerdings sind die hier lebenden Nazis recht höflich, grüßen im Stiegenhaus, und besteigen nach getaner Arbeit, gegen acht Uhr dreissig morgens etwa, die höchsten Berge der Welt ohne künstlichen Sauerstoff und im Alleingang (zugunsten des Vaterlandes) oder rezitieren im stillen Gebet das Ave Maria, während sie im frisch gebügeltem Tennishemd den Gegner bravourös vom Platz fegen. Wer hat’s erfunden? Ein österreichischer Anstreicher, der in Form einer schwulen Ratte reinkarnierte, die heuer von Wahlplakaten den Kraftfahrer naturgemäß rattenhaft anblinzelt und für rassische Hygiene und Aufnordung plädiert. Man kann diese Botschaften recht gut nachvollziehen, begegnen einem doch in Kärnten auf Schritt und Tritt Neger, Ausländer, Hottentotten und Zigeuner, insbesondere bei Bergwanderungen, wo sich das Pack leider zunehmend in Murmeltierbauten einnistet. Aber es ist ja nicht alles schlecht im Staate Österreich, wie gesagt werden muss, die kühn den Alpenhauptkamm durchschneidende Tauernautobahn etwa oder der Apfelstrudel, welcher mit großglocknergleich aufgetürmtem Schlagobers serviert wird und zweifelsohne als Gedicht bezeichnet werden kann.

Von Letohrad nach Bad Schandau

In einer Pension nördlich von Geiersberg (Letohrad) stellt man mir ein Bierglas zum Austrinken hin. Die Bar ist mit drei gedämpften Lampen beleuchtet, sonst ist die Schankstube dunkel. Drei Stammgäste sitzen, Schnaps trinkend und rauchend, eng beieinander vor einem kleinen Farbfernseher der auf dem Tisch steht und lachen gemeinsam, wenn der Fernsehkomiker einen Witz macht. Über der Theke hängen diverse gerahmte Photographien nackter Frauen, auf Fellen vor mit dunklem Holz eingefassten Kaminen liegend beispielsweise. Warme Farben und Holz, wie vor langer Zeit aus einem tschechischen Erotikmagazin ausgeschnitten. Blonde Frauen mit hohen Wangenknochen und molligem Hintern. Der Wirt hat lange Haare und trägt einen grauen Jogginganzug. Er ist sehr sanft. In den Fremdenzimmern im ersten Stock sind die Wände mit Phototapeten beklebt, vom Bett aus fällt der Blick auf einen traumhaften Südseeinselstrand. An den inhaltsarmen Stellen der Wand, also vor blauem Himmel etwa sind wiederum Bilderrahmen angebracht, eine nackte Frau, die der Künstler als so heiß darstellen wollte, daß er ihren Körper vermittels Airbrushtechnik in einen lavaspeienden Vulkan übergehen ließ, und gewisse Körperpartien zudem vermittels erhabenen Glitzerstaubes betonte. Draussen an der Wand ist eine farbige Leuchtreklame befestigt, die gelegentlich etwas flackert; ein kleiner Araberjunge aus verschiedenfarbigem Plexiglas zusammengefügt in Pantoffeln, der lachend eine Tasse Mokka anbietet. Jenseits der Straße, in der Finsternis wühlen sich Schweine im Halbschlaf leise grunzend in den Schlamm. Mehr

Jetřichovice

Die hölzerne alte Mühle liegt an einem kleinen Wasserfall. Objektiv müsste man das fortwährende Rauschen als Belästigung empfinden, das Gehirn verklärt allerdings den Lärm romantisch und der Mensch fühlt sich wohl. Zudem ist das Gebäude von im Regen leise vor sich hin schimmelnden pittoresken Felsformationen und Nadelwald umstanden. Letzteres ist erstaunlich, wird doch ausschließlich mit salziger Braunkohle geheizt, deren Verbrennungsgas bekanntlich in feuchter Atmosphäre umgehend schweflige Säure und Schlimmeres bildet. Durch widrigen Luftdruck begünstigt kriecht der Geruch alter Öfen nächtens in meine Lunge und lässt mich mit Atemnot erwachen. Keine Kohlenmonoxiderstickungsmeise, sondern der salzige Geruch von Schwefel, gerade so als schritte der Bocksbeinige höchstpersönlich durchs Schlafgemach, einem aufgeklärten Menschen genügt es aber bei offenem Fenster zu schlafen, es riecht schließlich nur nach Ostblock. Immer nur Nebel und Regen, Matsch, wenig Räumlichkeit und trübe Farben. Ferner das verschnarchteste Silvester seit Jahren, Spaßmacher im Fernsehen und Angela Merkel, später zwei oder drei schüchterne Feuerwerkskörper, die in einigen Kilometern Entfernung abgebrannt werden. Al Jazeera zeigt zur Entspannung schinkenhafte Spielfilme, in denen Beduinen erzürnt brüllend durch die Wüste reiten und mit ihren Säbeln rumfuchteln. Im ägyptischen Fernsehen singt ein junger Mann, der mit seiner entzückenden Gespielin an mondbeschienenem Gestade zusammentraf, ein langes und trauriges Lied, er schüttelt dabei fortwährend den Kopf und schiebt leidvoll die Augenbrauen zusammen. Mehr

Lago Maggiore

Kurze Tunneldurchfahrten, für Sekunden ein Blick hinauf zu leeren Seilbahnen die im Nebel verschwinden, Dunkelheit, dann eingerahmt vom Zugfenster und triefenden, stahlnetzgebändigten Felsen am Bahndamm, hoch oben, schneebedeckt und sonnig: das Gotthard-Massiv, Dunkelheit und ein Tal dessen Himmel von einer Autobahnbrücke überspannt wird, in tiefsten Tiefen, an einem, Baumstämme mit sich reißendem Fluß, duckt sich verschüchtert ein Bergdorf. Dann ein langer Tunnel, die Architektur sieht plötzlich südländisch aus, in den Gärten wachsen Palmen neben schlanken Tessinerhäusern. Gewerbetreibende heißen nun Grassi oder Ferrari, der gleiche, dicke Schaffner spricht jetzt italienisch mit deutsch-schweizer Akzent. Mehr

Von Rüdnitz am Hellsee entlang nach Wandlitz

Mit der S-Bahn bis Bernau geht subjektiv ziemlich schnell, eine Station weiter mit der Regionalbahn nach Rüdnitz theoretisch auch (immer sechs nach), wenn nicht betriebliche Gründe für eine vierzigminütige Verspätung sorgen. Mal wieder typisch sagen die latent frustrierten Pendler in Shorts und Sandalen mit leichten Aktentaschen und Regenschirmen. Sie haben ja Regen angesagt. Rüdnitz, ein Mann trainiert im Garten seinen Hund. Im Lebensmittelladen vor mir an der Kasse ein kleiner Junge mit Fahrradhelm, der eine große Tüte Leergut mitgebracht hat. Hamwanich sagt die Frau am Tresen bei jeder Flasche, die der Junge ihr anbietet und sieht ihm bedauernd und ein wenig vorwurfsvoll in die Augen. Als der Junge sich schweigend und die Tasche schlenkernd trollt, vermute ich schon das Schlimmste, kann aber mein Naschwerk ohne Probleme mit einem Zwanzigeuroschein bezahlen. Sogar schönes Wochenende wünscht die Einzelhändlerin. Über die Bundesstraße 2 hinweg, beginnt an der wenig befahrenen Straße die zu den Hoffnungsthaler Anstalten führt, der nördliche, gelbe Abzweig in den Wald, vorbei an einer sonnigen Lichtung auf der pferdeschwänzige Biobäuerinnen bündelweise gesunde Möhren ernten. Linkerhand drehen sich träge die Räder eines Windparks. Unweit der Windkraftanlage erstreckt sich das ehemalige Lager Koralle, unterirdische, achtstöckige Bunkeranlagen, aus deren Schutz Großadmiral Karl Dönitz den deutschen U-Bootkrieg befehligte. Der nun rote Weg kreuzt die mir bereits bekannte Fahrradroute zur Langerönner Mühle, es geht weiter bis zum Nordende des Mechesees, den man von hier nicht sehen kann, doch deuten die Rufe Badender auf seine tatsächliche Existenz hin. Mehr

Leipzig im Regen

Ein Wochenende im verregneten Leipzig. Auch in den, mir bislang unbekannten, Randbezirken sehr schöne, im Krieg wenig zerstörte gründerzeitliche Bausubstanz. Lange, vergleichsweise breite Straßen mit vierstöckiger Wohnbebauung, oftmals Klinkerfassaden gegliedert durch viele Erker, jedoch ohne Balkone zur Straße. Auf dem Weg durch den Stadtteil Gohlis zum Leipziger Zoo schönste Jugendstilbauten. Insbesondere die Eingangsbereiche der Mehrfamilienhäuser des gehobenen Bürgertums, verziert mit den obligatorischen Medusenköpfen und floralen Ornamenten des Jugendstils aber auch — besonders beeindruckend — verblüffend vielgestaltige steinerne Tierfriese. Eulen, Hasen, Greifvögel und Schlangen. Faunale Motive, die wieder in den kunstvoll geschnitzten dunklen Eingangstüren aufgegriffen werden. Die Fundamente zumeist bis zum Hochparterre mit historisierend trutzigem Naturstein hervorgehoben.
In der Leipziger Innenstadt, wie fast überall in Deutschland, ist die neuere Architektur der letzten fünfzehn Jahre beliebig und langweilig bis zum Kotzen. Verkitschte High-Tech-Architektur mit viel Glas, Stahl, albernen Sheds und mintfarbenen (Mon Dieu!) Verkleidungen. Mehr

Böhmische Schweiz

Mit der Bahn ist es subjektiv eine kurze Reise von gut drei Stunden bis Schöna. Von hier Überfahrt mit dem Raucherschiff nach Hřensko. Ungesunder Teint und gelber Qualm, einer der Reisenden hat eine künstliche Lunge die ihn aus einer schwarzen Umhängetasche mit Sauerstoff versorgt. Auf der tschechischen Seite der Elbe sind Rauchwaren auch für minder Betuchte wohlfeil. Der frühere Holzhandelsplatz und gründerzeitliche Touristenort Herrnskretschen ist heute geprägt von vietnamesischen Verkaufsbuden, die sich durch den, an das Flüßchen Kamenice geschmiegten, Talort ziehen. Hier mündet der Kamnitzbach in die Elbe, weiter Flußaufwärts wird die Kamenice von Sandsteinfelsen zu einer tiefen Klamm eingeschlossen. Im Sommer kann man die Edmundsklamm (Tychá souteska) mit flachen Kähnen befahren, im Dezember findet hier keine Schifffahrt statt, auf diesem Weg ist Mezná nicht zu erreichen, auch nicht zu Fuß, eine eiserne Tür ist in eine Felsspalte eingelassen und verwehrt die Passage. Daher also mit einem kleinen Bus von Hřensko nach Mezná, am Steuer ein betrügerischer Busfahrer. Eine Fahrt von gut zwanzig Minuten durch neu verschneiten Wald und überpuderte Sandsteinfelsen. Mezná (Stimmersdorf) ist die einzige Gemeinde im Nationalpark České Švýcarsko. Der Ort liegt auf einer kleinen Anhöhe, im Norden blickt man auf den südlichen Teil des Elbsandsteingebirges zur anderen Seite über das Kamnitztal auf sanft gehügelte Wälder und kegelförmige Basaltkegel, namentlich der Rosenberg, die höchste Erhebung hier. Mehr

Alpen im Spätsommer

waldrastspitze
Mehr

Alpenrundreise

gipfel
Mehr

In den deutschen Alpen

Bayern ist Teil von Deutschland, aber bereist man dies Bundesland, wähnt man sich in einem fremden Land. Alles Leben wirkt hier in seiner Wurzel der Tradition verbunden, es handelt sich um einen im ländlichen Raum von der CSU beherrschten Glaubensstaat. Der Nationalpark Berchtesgaden liegt in einer Art Halbinsel eigentlich schon in Österreich und verfügt über vorzügliche Alpenlandschaft, die bereits seit den siebziger Jahren recht konsequent gegen weitere Zerstörung durch Seilbahnen und Autoverkehr geschützt wird. Nicht ein geschlossener Bergzug bestimmt hier das Bild sondern in ihrer Charakteristik recht unterschiedliche Bergstöcke bilden hier die Landschaft.

Mehr

Powered by Movable Type | XML