Hightatras:


Reiseberichte

In den deutschen Alpen

Bayern ist Teil von Deutschland, aber bereist man dies Bundesland, wähnt man sich in einem fremden Land. Alles Leben wirkt hier in seiner Wurzel der Tradition verbunden, es handelt sich um einen im ländlichen Raum von der CSU beherrschten Glaubensstaat. Der Nationalpark Berchtesgaden liegt in einer Art Halbinsel eigentlich schon in Österreich und verfügt über vorzügliche Alpenlandschaft, die bereits seit den siebziger Jahren recht konsequent gegen weitere Zerstörung durch Seilbahnen und Autoverkehr geschützt wird. Nicht ein geschlossener Bergzug bestimmt hier das Bild sondern in ihrer Charakteristik recht unterschiedliche Bergstöcke bilden hier die Landschaft.

Meine erste Tour führte mich in das am Fuße des Watzmannes gelegene Wimbachtal, ein von imposanter Bergkulisse umgebenes ehemaliges Gletschertal, ein gewaltiger Schuttstrom ergießt sich hier ins Tal, bemerkenswert sind hier auch die Spirken, aufrecht im Schutt wachsende Latschenkiefern.
Zu empfehlen ist die Tour von der mit dem Schiff zu erreichenden Walllfahrtskirche St. Bartholomä. Man fährt mit, von Elektromotoren getriebenen, Barkassen über den fjordartigen Königssee. Das Dorf Königssee ist sehr schlimm und hässlich anzusehen mit vielen Autoparkplätzen, Andenkenläden und, jetzt neu – Mc*Donald*s sowie entsprechend doofen Touristen aus aller Welt. Man hat hier Schilder aufgestellt, die den Besuchern den Weg weisen zu besonders lohnenden Fotomotiven, dort ist dann der Boden ganz ausgetreten, man folgt den Anweisungen sehr genau. Die Überfahrt mit dem Schiff hat Kaffeefahrtcharakter, beleibte Familienväter bannen das Ereignis mit schnellen Schwenks auf Video. In der Mitte des Sees wird traditionell das Echo vom Königssees vorgeführt, ein Bediensteter der Schifffahrtsgesellschaft bläst eine melancholische Melodie in seine Trompete, deren Schallwellen tatsächlich von den hunderte Meter hohen, den See einschließenden Felswänden mehrfach reflektiert werden, hier auch ein guter Blick zur mächtigen Watzmann-Ostwand. Diese auditive Attraktion rührte eine neben mir im Schiff sitzende Touristin zu Tränen, sie ist wohl nah am Wasser gebaut. Nach Erreichen von St. Bartholomä, dem Ausgangspunkt meiner Wanderung habe ich schon nach wenigen Schritten Ruhe, man geht hier nicht weit, zu Essen gibt's direkt am Steg. Ich gehe am Seeufer entlang, man blickt Richtung Obersee und Steinernes Meer. Entlang des Schrainbaches durch den Wald windet sich der Weg langsam aufwärts, der Bach wird hier manchmal zum Wasserfall, schön die Ausblicke auf den fast künstlich wirkenden türkisgrünen Königssee.
Nach vielleicht 1,5 Stunden erreiche ich den Abzweig zur Sigeretplatte, der Weg wird zum Steig, später auch ein wenig ausgesetzt. Der Zenith der Tour ist nach 3 Stunden auf dem Trischübel, einer verlassenen Alm, erreicht.

Wimbachtal


Hier habe ich jedesmal viele recht zahme Gemsen und Murmeltiere, die hier dösen, gesehen. Der Weg geht nun wieder abwärts in das vom Gletscher geformte Wimbachtal, ein karges aber sehr schönes langes Tal an dessen Ende die Wimbachklamm liegt. Die Gesamtgehzeit der den Watzmann umrundenden abwechslungsreichen Wanderung beträgt ca. 6,25 Stunden bis Wimbachbrücke. Eine schöne, leichte Tour, die man auch mit Turnschuhen gehen kann.

Wimbachklamm


Im Bereich des Hochkalter-Stocks zu empfehlen die Tour zur Schärtenspitze, über die Blaueishütte in ca. 3 Stunden zu erreichen. Hier geht es durch eine Felsscharte recht steil aufwärts, es gilt darauf zu achten keine Steine loszutreten, Schwindelfreiheit ist auch ratsam, der Weg ist mit Seilen gesichert. Der Blaueisgletscher ist weniger beeindruckend als erwartet, eher ein größeres Schneefeld durch die Klimaerwärmung langsam abschmelzend. Der Weg zur Blaueishütte kann mit leichtem Schuhwerk gegangen werden. An der Schärtenalm wurde vorzüglicher Kaiserschmarrn serviert, die einzige lokale Spezialität, die ich empfehlen würde.
Auch zu empfehlen, von Hintersee Richtung Bindalm durch schönes Tal, dort über die Mittereisalm Aufstieg zum Kammerlinghorn. Abstieg hier alternativ auch über Kammerlingalm nach Österreich. Gehzeit von der Bindalm ca. 3,5 Stunden.
Eine sehr lange und anstrengende Tor unternahm ich an einem recht heissen Tag von Ramsau zum Edelweißlahner über den Wachterlsteig und die Neue Traunsteiner Hütte. Der Weg windet sich durch auffallend schönen Bergwald und über Almen und Lichtungen in ca. 3 Stunden von der Schwarzbachwacht zur Neuen Traunsteiner Hütte. Der Weg von Ramsau zur Schwarzbachwacht ist langweilig, wenn möglich kann man mit dem Autobus fahren. Von der Neuen Traunsteiner Hütte geht es 2 Stunden aufwärts z.T. über tragfähige Altschneefelder zum Edelweißlahner, alternativ auch erreichbar über den eingeschossenen Steig. Von hier bei klarem Wetter schöner Blick auf den Hintersee, Hochkalter und die Ramsau. Die Reiteralpe ist Karstgebiet, es empfiehlt sich genügend Wasser mitzunehmen. Auf dem Rückweg war ich froh in der idyllisch gelegenen Neuen Traunsteiner Hütte einkehren zu können, die Temperatur lag über 30°C. Die Wehrmacht betreibt oberhalb eine Alpenfestung. Die Bundeswehr verteidigt in einem oberhalb gelegenem Sperrgebiet unser Land gegen Heuschrecken Hedgefonds Bedrohungen der freiheitlich demokratischen Grundordnung. Der Abstieg von der Hütte erschien mir recht lange, insbesondere der Fußweg zurück nach Ramsau. Die Gesamtgehzeit betrug 10,5 Stunden.
Lieblicher, eher mittelgebirgsartig ist ein Besuch der heute z.T. wieder bewirtschafteten Almen im Bereich des Lattengebirges. Unbedingt sollte man auf der Mordaualm ein Glas der köstlichen, frischen Buttermilch trinken. Später erlebte ich einen für die Region wohl typischen Wettersturz, innerhalb von 20 min wurde ein sonniger, heißer Tag von einem heftigen Gewitter mit riesigen Hagelkörner abgelöst. Ich fand Unterschlupf unter dem Vordach einer verlassenen Almhütte, während des ohrenbetäubenden Hagelschauers und den in nächster Nähe einschlagenden Blitzen. Eine Regenjoppe gilt es, wie immer in den Bergen, stets mitzuführen.

Lattengebirge


Obwohl die Gegend wirklich schöne Alpenlandschaft zu bieten hat und auch für längere Zeit neue Wanderungen ermöglicht, ist es hier relativ leer Ende Juni, Anfang Juli obwohl alle Wege schneefrei sind. Die Hauptbesuchergruppe sind eher Musikantenstadl-Mumien, die mit Reisebussen zu den Sehenswürdigkeiten transportiert werden und dort immer in Sorge um die Handtasche, Eisbein oder Kaffee mit Kuchen essen. Das schöne ist, daß der Nationalpark für Autos gesperrt ist somit kann man diesen grauenhaften Mitbürgern auch recht schnell entfliehen sie entfernen sich nur auf Sichtweite von ihren Kraftwagen. Nein, man trifft in den Bergen auch viele nette Menschen allerdings wenig junge. Wenn einem hier Spaziergänger unter 30 begegnen sind es Engländer oder Amerikaner, so wie die zwei gepiercten und reichlich tätowierten Bergwanderer, die in hochalpinen Terrain recht exotisch wirkten. Die Region ist also eigentlich ein Geheimtip fast. Besonders interessiert mich in Zukunft das Steinerne Meer.

9. Juli 2005
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