Hightatras:
Reiseberichte
Von Letohrad nach Bad Schandau
In einer Pension nördlich von Geiersberg (Letohrad) stellt man mir ein Bierglas zum Austrinken hin. Die Bar ist mit drei gedämpften Lampen beleuchtet, sonst ist die Schankstube dunkel. Drei Stammgäste sitzen, Schnaps trinkend und rauchend, eng beieinander vor einem kleinen Farbfernseher der auf dem Tisch steht und lachen gemeinsam, wenn der Fernsehkomiker einen Witz macht. Über der Theke hängen diverse gerahmte Photographien nackter Frauen, auf Fellen vor mit dunklem Holz eingefassten Kaminen liegend beispielsweise. Warme Farben und Holz, wie vor langer Zeit aus einem tschechischen Erotikmagazin ausgeschnitten. Blonde Frauen mit hohen Wangenknochen und molligem Hintern. Der Wirt hat lange Haare und trägt einen grauen Jogginganzug. Er ist sehr sanft. In den Fremdenzimmern im ersten Stock sind die Wände mit Phototapeten beklebt, vom Bett aus fällt der Blick auf einen traumhaften Südseeinselstrand. An den inhaltsarmen Stellen der Wand, also vor blauem Himmel etwa sind wiederum Bilderrahmen angebracht, eine nackte Frau, die der Künstler als so heiß darstellen wollte, daß er ihren Körper vermittels Airbrushtechnik in einen lavaspeienden Vulkan übergehen ließ, und gewisse Körperpartien zudem vermittels erhabenen Glitzerstaubes betonte. Draussen an der Wand ist eine farbige Leuchtreklame befestigt, die gelegentlich etwas flackert; ein kleiner Araberjunge aus verschiedenfarbigem Plexiglas zusammengefügt in Pantoffeln, der lachend eine Tasse Mokka anbietet. Jenseits der Straße, in der Finsternis wühlen sich Schweine im Halbschlaf leise grunzend in den Schlamm.
Der Wirt ist ein Freund der Beatmusik, die British Invasion konnte hier in der Provinz dauerhaft Fuß fassen. Kinks, Yardbirds und natürlich die Fab Four, mit ihrem wohl stärksten Titel Strawberry Fields Forever. In der wärmenden Morgensonne des Oktobers, die durch die Fenster seitlich in meine Teekanne fällt und dort feinste Partikel tanzen lässt, kann ich auch die Gaststube überhaupt erst in Gänze erfassen. Der Raum ist mit dunklem Holz getäfelt und überreich mit Gegenständen ausgetattet; an den Wänden hängen Geweihe und die Felle getöteter Wildtiere, diverse Kuckucksuhren nahe des Kamins künden mit mechanischen Vogelrufen von der vollen Stunde, historische Jagdwaffen neben abgelagertem Plastikmüll und den modellierten Protagonisten tschechischer Animationsfilme, die in einem Wandregal aufbewahrt stehen. Die Silhouetten nackter Frauen, gebogen aus schwarzen Stahlbändern, grazil und keusch im Stile der fünfziger Jahre. Visuell überwältigend, so wie das Interieur des legendären Schmalzwald.
Vor mir steht ein Teller Sülze in Scheiben, aus deren Schnittflächen Hautteile, Sehnen und anderes nicht näher bestimmbares Gekröse ragt. Feucht glänzend und appetitlich mutmaßlich für den, der Fleisch zum Verzehr schätzt. Ich nehme mir in einem Anflug von Verwegenheit und Trotz gegen das Dogma eine Scheibe. Die Tiere sind ja bereits tot und zerhackt, soll ich ihnen post mortem jeglichen Sinn ihres ereignisarmen Stalllebens rauben mit meiner Ablehnung? Das ihr Leib unverdaut im Mülleimer landet oder bestenfalls den Hunden als Nahrung vorgeworfen wird. Aber es schmeckt auch nicht sehr gut.

Ich spreche mit einem junge Mann, den der Arzt zur Linderung der Multiple Sklerose hierher schickte. Er ist stolz fünf Kilometer am Stausee entlang gefahren zu sein, mit dem Rad, dann versagten seine Glieder. Wir reden Englisch, er trinkt Tee und wohnt in Eisenstadtl (Železnice). Berlin ist für ihn eine sagenhafte Stadt der Freiheit und der Verruchtheit, er nimmt an, die Bewohner hätten buntgefärbte Irokesenfrisuren und würden ständig wie die Schlote rauchen. Ein anderer Gast injiziert sich Insulin in die Bauchdecke und lässt sich anschließend ein Stück Marlenkatorte mit Schlagobers kommen, der Zucker macht ihn heiß, er redet über die Kommunistische Partei früher und über Europa, meine ich jedenfalls zu verstehen, ich bin ja der Sprache nicht mächtig. Dem Mienenspiel seines Gegenübers ist zu entnehmen, daß er alles so oder ähnlich schon einmal erzählt bekam.
Wochenendhäuser und Erholungsheime, buntes Laub und Sonne, die die Bucheckern knistern lässt. Urlaubsgäste ergehen sich zu Fuß am Stausee, mutige Jungs springen von Felsen in den angestauten Ausfluss des Adlergebirges. Oder man besucht die nahe gelegene, spektakulärste Bunkeranlage der Benes-Linie, unterirdische Gänge, Eisenbahnlinien und Frischwasserbrunnen. Granit, Stahlbeton undsofort. Die Anlagen sind so gut verarbeitet, daß einmal ein Bunker um sechzig Zentimeter oder Meter (hab ich vergessen) verschoben wurde, jedoch nicht zerbrach als die Deutschen Granaten in seine Richtung abfeuerten. Während der ganzen Wanderung stehen Bunker entlang des Weges im Unterholz, bemoost und bröselnd. Manchmal kann man das Dach der zum Schutz vor deutscher Invasion errichteten Verteidigungsbunker besteigen und von dort weit über das Land blicken. Wälder, Laubfeuer und Stoppelfelder.

Professionelle Pilzsammler fahren mit kleinen Quads zu den erfahrungsgemäß ertragreichsten Stellen. Die Frau sammelt, der Mann bleibt beim Fahrzeug und raucht und spuckt in den Fluß, wenn einer in der Nähe ist. Ansonsten auf den Boden.
Das Adlergebirge (Orlické hory) ist weitläufig und oben mit einem Plateau versehen, das den Kamm zu einem beliebten Gebiet des Skilanglaufs macht. In etwa so, als skalierte man den Brocken um ein vielfaches in die Breite. Im Sommer ist es hier sehr ruhig, die Katzen sitzen auf der Straße unten im Tal, am Fluß, der die Grenze zu Polen ist. In Kunstadt (Kunštát) hat ein Hotel ganzjährig geöffnet sonst ist die Saison Anfang Oktober vorbei, viele Bauden sind verwaist oder werden generell nicht mehr bewirtschaftet. Die intensiv trinkenden Stammgäste ermöglichen zum Glück den saisonunabhängigen Betrieb. Hat ein Gast sein Glas zu einem Drittel geleert, so bringt der Wirt bereits ein Neues. Einer der Gäste hat einen durch Kinderlähmung verkrüppelten Arm, ihm werden alle Getränke in Henkelgläsern serviert. Einige Männer haben ganz hellblaue Augen, so als sei die Farbe mit den Jahren durch den Alkohol fortgespült worden. Heisere Zonenrandexistenzen, mit fadenscheiniger Kleidung und rauen Umgangsformen zum Teil, die aber Menschen gegenüber dennoch herzlich wirken.

Dunkles Holz und warme aber gebrochene Farben sind der Schlüssel zur tschechischen Gemütlichkeit. Auch in der Fassadengestaltung, dunkel gebeiztes Holz und gen Fundament die Materialien der jeweiligen Epoche, Naturstein, Sichbeton oder gründerzeitliche Arabesken. Selbst bei so fieser stalinistischer Architektur wie der neuen Elbfallbaude lässt sich dieses Prinzip erkennen. Die Tschechen bezeichnen solche Architektur als Normalisierungsarchitektur. In ihrer Form materialisere sich der Rückschritt der tschechischen Politik und Gesellschaft zum moskautreuen Kurs der kommunistichen Partei nach dem Prager Frühling 1968. Dem Bruch mit nationalen Traditionen, natürlich insbesondere mit der sudetendeutschen Kultur. So wurden ganze Dörfer eingeebnet und durch Plattenbauten ersetzt oder verschwanden völlig. Manchmal sieht man noch letzte überwucherte Fundamentreste oder Obstbäume, die an einstige Gärten erinnern. Beste madenfreie und rote Äpfel.

Am Ostende des Adlergebirges übernachte ich in der Masarykova chata, eine der wenigen tschechischen Bauden der dreissiger Jahre hier. Nicht zuletzt wegen der sehr schönen Schnitzereien an den hölzernen Säulen des Speisesaals macht das Gebäude einen starken Eindruck auf mich. Ein hölzerner Männerkopf, dessen langer Bart jugendstilartig in stilisiertem Zweigwerk und Tannenzapfen mündet. Vielleicht stellt die Schnitzerei Tomáš Garrigue Masaryk dar, den ersten Präsidenten der Tschechoslowakei, vielleicht handelt es sich aber auch um eine slawische Fabelgestalt, einen Waldgeist oder sowas.
Ich fahre mit der Bahn nach Weckelsdorf (Teplice nad Metují). Bahnfahren macht Spaß, die Bahn quietscht und rumpelt, braucht eigentlich ewig für relativ kurze Strecken, trotzdem hat der Fahrgast (Ich) subjektiv das Gefühl schnell zu reisen, Anschlußzüge stehen bereits beim Ankommen auf einem Umsteigebahnhof mitten im Wald — abfahrbereit und unter Dampf. Auch arbeiten selbst in den winzigsten Bahnhöfen erstaunlich viele Menschen. Rangierer, Weichensteller und natürlich ein Bahnhofsvorsteher, der einfach den Bahnhof repräsentiert und eine schöne Mütze aufhat. Fährt abends ein Fernzug durch, tritt der Bahnhofsvorsteher mit einer Handlampe auf den Bahnsteig und vermittelt so dem Lokführer ein gutes Gefühl. Das ist schön.
Oder diese Durchsagen, die in einem eiligen Tempo erfolgen und alle Namen der Stationen enthalten an denen der einfahrende Zug halten wird. Und das sind nicht gerade wenige, auch viele Orte mit nad und pod. Kurz bevor die letzte Silbe erklingt schaltet der Bahnhofsvorsteher energisch krachend das Mikrofon aus und suggeriert so auf einfache Weise eine erhebliche Geschäftigkeit. Man fühlt sich nach solchen Durchsagen ein wenig geplättet aber auch vitalisiert und erfrischt.
Am Zielort meiner kurzen Bahnreise stelle ich fest, daß es hier noch die vielen, früher weitverbreiteten, Lautsprecher an Laternenmasten und Hausgiebeln gibt, aus denen eine junge Frau mit melancholischer Stimme irgendwelche Verlautbarungen verliest, die von den Passanten auf den Straßen der Kleinstadt mit Gleichgültigkeit aufgenommen werden.

Viele tragen hier dreistöckige, oben mit einem Tragegriff versehene Essgeschirre mit sich umher. Warten so an der Bahnstation, sitzen mit ihrem Essgeschirr auf zusammenklappbaren Gartenstühlen an der Straße und sehen den Lastern hinterher oder pesen, blauen Zweitaktqualm ausstoßend, das Essgeschirr auf dem Gepäckträger festgeschnallt mit dem Mofa durch die Stadt. In der hiesigen Kaufhalle gibt es eine breite Auswahl an Essgeschirren; aus Plastik oder aus Edelstahl, eher nüchtern oder mit Blumen bedruckt. Der Ort ist halb gründerzeitliche Sommerfrische, halb sozialistischer Industriestandort im Grünen. Die Pension in der ich wohne ist groß und aus Beton, steht aber in Hanglage oberhalb der Stadt. Unter den Balkonen und den großen Fenstern tutet regelmäßig die Bahn vorbei, dann ist es wieder ziemlich ruhig. Mitten auf der Wiese steht eine Fabrik für Kacheln und qualmt so vor sich hin, ringsherum grasen einige verwahrloste Schafe.
Mit der Kellnerin, die sich ein wenig langweilt, plaudere ich ein wenig und wir flirten etwas auf Englisch. Sie ist sehr nett. Der Koch der Pension sieht aus wie der abgehalfterte Industrialbarde Blixa Bargeld und trinkt, als ich um acht zum Frühstück erscheine, bereits Bier. Hier ist alles irgendwie ostig aber doch harmonisch und gemütlich. Jedenfalls für mich, es gibt hier auch Verzweifelte, Alkoholiker und Rauschgiftsüchtige, die Arbeitslosigkeit ist wohl hoch, manche Menschen sehen sehr arm aus und leben in schlechten Häusern
Teplice ist eingebettet zwischen zwei relativ kleinen Gebirgszügen, deren Felsen in Form und Beschaffenheit an das Elbsandsteingebirge erinnern. Westlich von Teplice liegen die Adersbacher Felsen (Adršpašské skály); ein beeindruckendes, stellenweise klammartig enges Labyrinth aus meist ziemlich hohen und schlanken Sandsteinfelsen, durch die auch kleinere Wasserläufe und Wasserfälle sprudeln. Durchläuft man die Felsen Richtung Osten so wird die Landschaft zusehends sumpfig und manche Sandsteine sehen aus wie gigantischen Pilze. An einigen Orten hier, und auch in den Braunauer Steinen, lassen sich exponierte Felsen vermittels Stufen und Leitern besteigen. So zum Beispiel Supi hnizdo oder Strmen. Im Riesengebirge regnet es häufig oder ist neblig und mich deprimiert der Skiort Petzer (Pec pod Sněžkou), mit dem hässlichen Hotel Horizont, seinen Ramschläden, Wurstbuden und doofen Deutschen auf Kaffeefahrt. Egal, ich laufe ein wenig bergauf und finde eine schöne Hütte zwischen Pec und Schneekoppe. Stelle das Gepäck ab und spaziere in anderthalb Stunden hinauf zur Schneekoppe und bin unterwegs überrascht davon, daß das Riesengebirge weniger nach Mittelgebirge aussieht sondern teilweise schon alpin wirkt, das letzte Stück vom Sattel hinauf zur Spitze der Schneekoppe ist jedenfalls ein recht felsiger Schuttkegel. Bei schönem Wetter ist es hier sehr voll — man kann auch mit der Seilbahn hinauffahren. Ich bin übrigens dafür, die Seilbahn ersatzlos abzureissen, das ist doch albern. Der Berg ist ja nur 1602m hoch.
Sehr gut gefällt mir hingegen die recht futuristisch wirkende Bergbaude auf dem Gipfel, drei ineinandergeschobene, mit Blech verkleidete, ellipsenförmige Gebäudeteile. Innen ist auch alles sehr lässig und siebzigerartig ausgestaltet. Auf in der Haupthalle angebotenen Ansichtspostkarten ist zu erkennen, wie die Baude im Winter aussieht: nämlich wie ein Ufo, ganz von Eiszapfen umklammert und mit Schnee zugewachsen. Also muss ich unbedingt noch einmal im Winter wiederkommen.
Unten in meiner Berghütte für diese Nacht ist alles sehr behaglich und aus Holz, das Essen schmeckt gut und die Menschen sind freundlich zu mir.
Einmal machte ich bei einem Spaziergang einen grausigen Fund, mitten auf dem Weg lag der Körper einer verstorbenen Maus, an dessen Leib sich zahlreiche schwarze Käfer schadlos hielten. Die tschechische Küche ist langweilig finde ich, gebackener Käse oder frittierter Blumenkohl sofern man nicht Deftigkeit mit brauner Soße bevorzugt. Gut ist das Bier, das überall fließt und demnach stets astrein schmeckt. Verblüffend vielseitig und gut ist selbst in kleineren Orten die Auswahl und Qualität der Torten. Erleuchtete Kühlvitrinen mit vielen Sorten, ordentlich fettig und süß.

Am nächsten Tag wandere ich über den Riesengebirgshauptkamm gen Westen. Oben öffnet sich die Landschaft zu weiten Plateaus, deren Flora ein wenig an Schottland oder mehr noch an Schweden erinnert.
Einheimische rieten mir vom Besuch der Elbfallbaude ab und empfahlen mir eine andere, oberhalb von Harrachsdorf (Harrachov) gelegene Baude, die wohl weniger von Touristen als vielmehr von Rangern aufgesucht wird. Man trägt teilweise Camouanzüge und Sportmützen, deren Vorderseiten mit den Signets von Motorsägenherstellern oder Bierfirmen bestickt sind. Vor der Hütte sind urige Jeeps geparkt mit chromglänzenden Schutzbügeln und einigen Suchscheinwerfern auf dem Dach. Es handelt sich hier zweifelsohne um eine raue Gegend für bärtige Männer mit Allradantrieb. Gäbe es hier Füchse und Hasen, so könnte man vielleicht sagen, daß diese sich hier Gute Nacht sagen. Gibt es aber nicht und ausserdem ist das Blödsinn.
Von sieben bis zehn läuft der Dieselgenerator, dann gibt es Strom, es wird gekocht, gegessen und der Fernseher läuft. So, Zeckenbisse. Mit diesen Biestern ist ja nicht gut Kirschen essen berichtet das Fernsehen. Einst ein rüstig ausschreitender Pilzsammler, heute ein Schatten seiner selbst, ein klappriges Männlein, das sein Leben in einem Pflegeheim fristet. Nach der Werbung: Jetzt spricht der Betroffene. Dann wirbelt das Logo der Sendeanstalt scheinbar dreidimensional durch den Fernsehapparat um so ein neues Thema anzureissen. Stichwort Fidjimärkte. Die Polizei greift durch, alle nachgemachten Anziehsachen wandern in einen Müllsack und werden entsorgt. Die ausländischen Händler werden nicht mit Glacéhandschuhen angefasst und wirken dabei unschuldig und verletzlich wie kleine Monchichis. Der Polizeihauptmann macht ein ernstes Gesicht und beantwortet Fragen, die ihm ein Unsichtbarer stellte, dabei bebt sein furchteinflößender Schnurrbart. Und zack, nächstes Thema. 
Weiter durch das Isergebirge und Reichenberg (Liberec) nach Christophsgrund (Kryštofovo Údolí), hier ist es schön, ich habe das schon auf der Landkarte gesehen. Etwas hügelig, mit gut gewachsenem Laubwald, alten Holzhäusern und einem Eisenbahnviadukt. Oberhalb liegt der Berg Jeschken (Ještěd) mit seinem weithin sichtbaren Berghotel, das wie eine Mischung aus Eisstock und Atomkraftwerk wirkt. 
Die nächste Nacht verbringe ich in in St. Georgenthal (Jiřetín pod Jedlovou) eine Stadt die langsam verrottet. Mein Zimmer ist hier sehr schäbig und hässlich eingerichtet, alles höchst stümperhaft mit Pressspanplatten zusammengenagelt. Das Haus dient wohl meist eher als Fernfahrerpuff denn als Unterkunft für eine ganze Nacht. Auf der Straße wanken Betrunkene umher und Laster auf dem Weg nach Deutschland donnern ohne Unterlass durch das Tal. Räudige Katzen und weniger Betrunkene, die Volltrunkene an den Schultern festhalten, das diese nicht das Gleichgewicht verlieren und in das soeben Erbrochene stürzen. Tagsüber sieht man aber auch recht viele Nonnen auf den Straßen oder auf entlegenen Parkbänken sitzen wohl in stillem Gespräch mit dem Herrn begriffen. Später stelle ich fest, daß die Bergbaude auf dem Tannenberg (Jedlová) offenbar ständig geöffnet ist und zudem einen guten Eindruck macht. Der Weg zwischen Tannenberg und Kaltenberg (Studenec) ist ein wenig langweilig, aber dann ist es immer schön in dem engen Flußtal zwischen Kaltenbach (Studený) und Dittersbach (Jetřichovice). Ich übernachte dann in Hohenleipa (Vysoká Lípa). Die hohen Preise haben hier wohl langsam die Tschechen verdrängt, überall spricht man deutsch. Eine Tschechin entschuldigt sich bei mir, daß ihr deutsch so schlecht sei: das ist traurig und ein wenig albern.
Durch die Thorwalder Wände gehe ich am nächsten Tag Richtung Schmilka und habe abends von der Kipphornaussicht den schönsten und weitesten Ausblick seit langem hier.
Wundervoller Reisebericht!
"... die Bewohner hätten buntgefärbte Irokesenfrisuren und würden ständig wie die Schlote rauchen ..." - ja, wenn das unsere Stadt nicht zutreffend beschreibt, dann weiß ich aber auch nicht, was.
Meinte Maggi am 16. Oktober 2007 um 19:38 Uhr