Hightatras:
Reiseberichte
Von Rüdnitz am Hellsee entlang nach Wandlitz
Mit der S-Bahn bis Bernau geht subjektiv ziemlich schnell, eine Station weiter mit der Regionalbahn nach Rüdnitz theoretisch auch (immer sechs nach), wenn nicht betriebliche Gründe für eine vierzigminütige Verspätung sorgen. Mal wieder typisch sagen die latent frustrierten Pendler in Shorts und Sandalen mit leichten Aktentaschen und Regenschirmen. Sie haben ja Regen angesagt. Rüdnitz, ein Mann trainiert im Garten seinen Hund. Im Lebensmittelladen vor mir an der Kasse ein kleiner Junge mit Fahrradhelm, der eine große Tüte Leergut mitgebracht hat. Hamwanich sagt die Frau am Tresen bei jeder Flasche, die der Junge ihr anbietet und sieht ihm bedauernd und ein wenig vorwurfsvoll in die Augen. Als der Junge sich schweigend und die Tasche schlenkernd trollt, vermute ich schon das Schlimmste, kann aber mein Naschwerk ohne Probleme mit einem Zwanzigeuroschein bezahlen. Sogar schönes Wochenende wünscht die Einzelhändlerin. Über die Bundesstraße 2 hinweg, beginnt an der wenig befahrenen Straße die zu den Hoffnungsthaler Anstalten führt, der nördliche, gelbe Abzweig in den Wald, vorbei an einer sonnigen Lichtung auf der pferdeschwänzige Biobäuerinnen bündelweise gesunde Möhren ernten. Linkerhand drehen sich träge die Räder eines Windparks. Unweit der Windkraftanlage erstreckt sich das ehemalige Lager Koralle, unterirdische, achtstöckige Bunkeranlagen, aus deren Schutz Großadmiral Karl Dönitz den deutschen U-Bootkrieg befehligte. Der nun rote Weg kreuzt die mir bereits bekannte Fahrradroute zur Langerönner Mühle, es geht weiter bis zum Nordende des Mechesees, den man von hier nicht sehen kann, doch deuten die Rufe Badender auf seine tatsächliche Existenz hin.
Nördlich abbiegend, weiter auf gelbem Weg, alles für Brandenburger Verhältnisse recht hügelig und kurvenreich, durch nach dem Regen dampfenden Mischwald. Knapp einen Kilometer später, in einen, im spitzen Winkel abzweigenden Waldweg nordwestlich einbiegen. Der Weg ist nicht markiert, ein altes Schild weist aber den Weg zu einer Jugendherberge, die es nicht mehr gibt (Hellmühle).

Leicht bergab einmal linksherum, da glitzert schon der Hellsee zwischen den Laubbäumen. Eine kleine Wochenendhaussiedlung, Angler sitzen auf braunen Campingstühlen in der Sonne und trinken ein gepflegtes Pils. Der Hellsee ist auf beiden Seiten schön, die westliche Seite mit ihrem schmalen, zugewucherten Pfad und den sumpfigen Wasserarmen. Später dann ein recht steiles Ufer bewachsen mit einem Hain alter Buchen. Die östliche Seite, nördlich der sanft vermodernden Hellmühle bietet die schöneren Ausblicke auf den See und auch die besseren Möglichkeiten zum Baden vermutlich. Das Ostufer ist ebenfalls die bessere Wahl für jene, die in den Genuß schmeichelnder Nachmittagssonne kommen möchten. Auf dem See treiben bei schönem Wetter viele graue Kästen die Ruderboote angelnder Senioren, mit vor Sonne, Wind und Regen schützenden Aufbauten. Manchmal stehen auch körperlich buddhahafte, schmerbäuchig fahle Nacktangler im flachen Wasser und warten auf beißende Fische.

Im Norden des Hellsees, geht die Ufervegetation zu beiden Seiten in einem von Peter Joseph Lenné angelegten Landschaftspark (mit künstlichen Sümpfen) über. Der Park stellt die Verbindung des Schloßes Lanke zum Hellsee dar. Ein heute leerstehendes Anwesen in historisierendem Rennaissancestil. Jedesmal wenn ich, auf dem Weg zum Obersee, den kleinen Ort Lanke passiere knattern Motorräder an mir vorüber. Kauzig lederne Barttypen, die das Verbrennen von Dinosauriergebein auf Brandenburger Alleen zu ihrer maskulinen Freizeitbeschäftigung erkoren haben.

Am Nordufer des Obersees entlang, unter der Autobahnbrücke am Westufer weiter nach Ützdorf. Das Problem ist die teilende Autobahn und die wenigen Brücken oder Unterführungen. Die nächste Brücke ist nämlich zu weit südlich um sinnvoll zu sein leider. In Ützdorf, die Eiszeitstraße überqueren und nach kurzem Stück auf schwach befahrener Asphaltstraße südlich abbiegen, hinunter zum Nordufer des Liepnitzsees.
Es ist schon dämmerig und Wetterleuchten lässt den See für Bruchteile von Sekunden in kaltem, blauweißem Licht erstrahlen. Die Bahnen von Wandlitz fahren immer um 36, stets schwer einzuschätzen wie weit es noch ist, so daß ich die letzte halbe Stunde laufe und dann doch fast eine viertel Stunde zu früh am Bahnhof bin. Egal, die Luft ist schön feucht und erdig, allerdings wurden wohl noch keine Rucksäcke entwickelt, die dauerlaufgeeignet sind, meiner ist es jedenfalls nicht. (Ohne Rucksack ist die ganze Tour sicher eine angenehm abwechslungsreiche Laufstrecke, probier' ich mal aus vielleicht.) Kaum sitze ich in der Bahn, beginnt es zu schütten, Blitz und Donner wie im Film.
Sehr schön, war nett die altbekannte Gegend per Text und Google-Earth zu besuchen. Obrigado!
Meinte riokeks (ex-Lobetal-Krümel) am 20. September 2006 um 5:17 UhrSehr schön, war sehr nett die altbekannte gegend per Text und Google-Earth zu besuchen! Obrigado!
Meinte riokeks (ex-Lobetal-Krümel) am 20. September 2006 um 5:19 Uhrhallooooo Echoooooo ;-)
Meinte riokeks am 20. September 2006 um 5:20 UhrKleine Verbesserung, nur um zu vermeiden, dass sich wieder hunderte Bunkertouris auf dem Weg machen um den Koralle-Bunker zu stürmen. Der Bunker ist nicht acht- sondern nur zweistöckig und wurde versiegelt. Er bietet nun Fledermäusen ein schönes Winterquartier.
Ansonsten sehr treffender Reisebericht (vor allem was die Zugverbindung und die nette Dame im Lebensmittelladen betrifft).