Hightatras:

Fledermäuse

Unterhalb der Rudolf-Wissell-Brücke, dort wo sich die Autobahn über die Spree spannt, wohnt eine größere Gruppe von Fledermäusen. Aus dem wuchtigen Betonfundament der Brücke sind an der Fahrbahnunterseite schmale Vertiefungen ausgespart, in denen sich im Halbdunkel schwarze Kabel und Rohre erahnen lassen. Dort fliegen die Tiere in der Dämmerung ein und aus und jagen Insekten, die, vor dem kalten Regen Schutz suchend, unter der Brücke umhertaumeln. Am Tage schlafen die Fledermäuse wohl in diesen Versorgungsschächten obwohl ständig Kraftfahrzeuge über sie hinwegbrausen und der Spannbeton sicher stets in leichter Schwingung begriffen ist. Manche Menschen haben ihre Wochenendgrundstücke direkt unter der Autobahn, auch gibt es eine Gaststätte, die im Schatten der massiven Brückenpfeiler nahe eines finsteren Tunnels gelegen ist. In dem Tunnel tropft das Wasser hallend von der Decke und manchmal scheppern olle Büchsen über den Boden. Früher pflegten wir dort mit Himbeergeschmack ummanteltes Vanilleeis am Stiel zu holen; wer beim Tischtennis verloren hatte, zahlte, so sah es eine eherne Regelung vor.

Die Rückenleiden des jungen Welsh Mountain Pony

Neulich begegnete mir eine blonde Reiterin hoch zu Ross. Ihr bereits ins Silberne changierende Haar war zu einem gouvernantenhaften Dutt frisiert. Bestes Haus am Platze mutmaßte ich, Jugendstilvilla — selbstverständlich nebst ländlichem Garten, endlose Abende am offenen Kamin mit den Geschwistern Brontë oder dem Feuilleton der Morgenpost, die fröstelnden Beine unter einem geschmackvoll gemusterten Plaid aus Crossbredwolle geborgen. Erhabenen Hauptes schritt die — Ursula von der Leyen wie aus dem Gesicht geschnittene — Blondine an mir vorrüber, herrische Gebieterin über ein, unter seiner menschlichen Last fatalistisch gewordenes Tier, dessen Feuer der Jugend längst im Schwinden begriffen schien. Obgleich noch jung an Jahren bewertet man im Stall seine Gesundheit wohl als fraglich, war doch der zierliche Hengst trotz der diesjährigen Milde, gegen frische Brisen sowie nach Einbruch der Dunkelheit aus dem Moor hochkriechende, tückische Nebel, gänzlich in eine königsblaue Pferdedecke gewickelt. Es schien sich bei der an mir vorbeidefilierenden Pferdedecke deutlich um ein Präsent der CDU Reinickendorf zu handeln, prangte doch, direkt neben dem After des Pferdes, beidseitig, das Logo der Union in weiß. Nun hatte sich aber das Tier während des gemächlichen Ausrittes offenbar erleichtert und seine Exkremente vielleicht durch einige fahrige Schweifbewegungen recht großflächig im hinteren Bereich der wollenen Decke verteilt. Kurzum, das Signet der christlichen Volkspartei war über und über mit Pferdestuhl besudelt. Handelt es sich bei der hippophilen Marketingmaßnahme also um das Werk eines stümperhaften Pferdedeckendesigners, oder vielmehr um eine konzeptionell mustergültige und zugleich expressive Gestaltungslösung von höchster Eleganz und Simplizität? Mehr

Telefonmilben

In meinem Mobiltelefon leben Insekten habe ich festgestellt. Bei genauem Hinsehen herrscht reges kommen und gehen an allen Öffnungen des Gerätes. Kleine Tiere, vielleicht einen halben Millimeter groß. Die meisten leben im Lautsprecher, einige in den feinen Ritzen zwischen Tasten und Gehäuse. In einer umlaufenden Zierleiste lässt sich das Gerät auch unter meinen greifenden Fingern umrunden. Was mich beruhigt, ist die Tatsache, daß diese gesamte lächerliche Situation für mich vollkommen kostenneutral ist.

Steinfliegen

Die tölpelhaft fliegenden oder flugunfähigen Insekten aus der Ordnung der Plecoptera leben in der Nähe von kalten Fließgewässern. In Ruhestellung winden sie die fahl gefärbten Glieder in ihre großen Flügel — teilweise auch zu nadelartigen Spitzen. Ihre Larvalentwicklung kann mitunter mehrere Jahre dauern und vollzieht sich aquatisch. Einige Arten (insgesamt 3000) fressen, zumeist auf wassernahen, sonnigen Steinen lagernd, einzelne angewehte Pollen, die meisten jedoch nichts. Mit dem Schlüpfen aus der Larvenhülle und dem damit einhergehenden Übergang in den terrestrischen Lebensraum, endet sowohl die Jugend als auch die Nahrungsaufnahme. Die Mundwerkzeuge der adulten Tiere verkümmern zusehends. Am Ende kehren die Weibchen zur Eiablage ins Wasser zurück und sterben anschließend. (Dem Menschen dient die Steinfliege als Indiz für eine gute Gewässerqualität.)

Wildschweine

Ich mag den Geruch von Wildschweinen (Sus scrofa). Die Tiere nehmen alle Aromen des Waldes in sich auf, eichelige, holzige, modrige, pilzige und erdige Bestandteile. Verarbeiten alles und dünsten die Essenz durch ihre borstige Haut wieder aus. Meist rieche ich Wildschweine zunächst, bevor ich sie sehe oder höre. Agile und flauschige Frischlinge, mit zunehmendem Alter werden sie kantiger und panzerhafter. Behäbige Supertanker des Unterholzes mit rezentem Einschlag.

Im Schatten des Tränkwagens

Hyperventilierende Heidschnucken.

Sogenannte Junikäfer

Gestern Abend, nach dem ergiebigen Regen, waren viele Bäume und auch Buschwerk umschwirrt von wahren Wolken von Blatthornkäfern. Der Himmel verfinsterte sich, wäre wohl ein wenig übertrieben, aber so ähnlich. Käfer, die dehydriert in irgendwelchen Ritzen im Boden ausharren und erst bei Zugabe von Wasser zu leben erwachen? Instantinsekten — im Prinzip, wie die Urzeitkrebse, die einst der Zeitschrift Yps beilagen. Mit dem Wasser kommt das Leben und weicht mit diesem, aber das ist natürlich wissenschaftlich nicht haltbar. Blödsinn vielmehr. Ebenso wie die irrtümliche, aber verbreitete, Klassifizierung als Junikäfer (Rhizotrogus marginipes), handelte es sich doch bei den beobachteten Exemplaren um eine größere Gruppe von gerippten Brachkäfern (Amphimallon solstitialis), die sich leicht anhand der charakteristischen Reihe von Wimperborsten an den Seiten der Flügeldecken unterscheiden lassen; zudem ist häufig die Halsschild-Scheibe dunkler gefärbt sowie durch eine Mittellinie unterteilt. Mehr

Wespen!

Im Rahmen einer Fernsehübertragung windet sich ein Sportler heftig grimassierend auf dem Rasen, flankiert von einem weiteren Athleten in andersfarbigem Trikot, welcher überrascht über den schlimmen Verdacht der unvermittelt auf seinen Schultern zu lasten beginnt, die Arme ausbreitet, so hündischen Blickes um Nachsicht beim Unparteiischen buhlend. Solche schmierenkomödiantischen Intermezzi sind leider sattsam bekannt, ich plane mich daher kurz einer Wespe zu widmen, die durch das geöffnete Fenster in den Luftraum des Zimmers eindrang und bald die erste Halbzeit damit zubrachte, wiederholt, vielleicht 8000 mal, aus eigenem Antrieb, gegen einen geschlossenen Fensterflügel zu prallen. Im Handumdrehen bin ich also, mich aus meinem behaglichen Sessel erhebend, am Schreibtisch, ergreife eine hier eigens zur Kerbtierrettung bereitgehaltene, schöne Ansichtspostkarte, die in einer meisterhaften Photographie, das jenseits der Innsbrucker Stadtgrenze jäh aufragende Massiv der Nordkette zeigt, eile mit diesem einfachen und dennoch wirksamen Werkzeug zum Fenster um das Tier in seinem Ringen um Freiheit zu unterstützen. Aber nein, die Wespe wünscht eine derartige Hilfe gar nicht, entwindet sich vielmehr konsequent meiner barmherzigen Maßnahme um weiter dem sinnlosen Kräftemessen zwischen Chitin und Glas zu frönen. Mehr

Katzen-Gesamtkunstwerk

Der gestrige Sonntag war eine nahezu unfassbare multimediale Reizüberflutung im Leben des soeben eingetroffenen Gastkaters Peter. Die übliche Katzenbezugsperson begibt sich für Wochen, im Rahmen einer Lustreise, in ferne Länder. Draußen treibt der Sturm dunkle Wolken und Plastiktüten gen Osten, drinnen betätige ich mich als Hobbyrestaurator, und bearbeite mit einer höllenmaschinenhaften Heißluftpistole, sowie viel warmen Wassers eine alte Kommode, die vor Jahrzehnten der Aufbewahrung von Zahnarztwerkzeugen diente. Etliche Schichten Lack und wurmstichiges, mit zähem Knochenleim befestigtes, Mahagoni-Furnier gilt es zu entfernen. Der Kater hat im Flur Platz genommen, und beobachtet über Stunden mit geweiteten Pupillen das Handwerk. Zu Beginn, anfeuchten des Möbelstückes mit einem nassen Schwamm. Ganz leise summt die Feuchtigkeit aus den trockenen Poren des schadhaften Furniers. Der Schrank hat einen starken, sehr interessanten Eigengeruch nach Holz und ostigem Reinigungsmittel. Katzen sind, stärker als der Mensch, wertfrei in der Wahrnehmung von Gerüchen — alles ist Information. Knisternd und Blasen werfend schmilzt der alte Leim im kochenden Luftstrom des rauschenden Gebläses. Mit höchst stoischer Ernsthaftigkeit und ausgeprägtem Doppelauge verfolgt der Kater alle Bewegungen, zuckt bei sehr lauten und plötzlichen Geräuschen schreckhaft zusammen; mitunter fliegen, unter mechanischer Einwirkung eines Spachtels, lange brenzlig riechende Holzspäne in den Flur. Ein sonntägliches Schauspiel, aufgenommen mit einer Mischung aus Angst, Neugier und unermüdlichem Enthusiasmus gepaart mit einer Spur Empörung über die Unergründlichkeit des Wahrgenommenen. Mehr

Röchelnde Möpse

Die Stadtbücherei hat aus Gründen der städtischen Sparsamkeit nur noch Mittwochs geöffnet. Vor dem gutbesuchten Haus hatte man einen Mops angewiesen zu warten. Mit großen, melancholischen Augen versucht das Tier am regen Leihbetrieb in den schummrigen Räumen wenigstens visuell teilzunehmen und wird en passant von Kindern, in Anwesenheit von Erziehungsberechtigten, als Katze indentifiziert. Möpse —— jedenfalls dieser —— atmen schwer, schnell und keuchend, das Geräusch erinnert an Schnarchen oder die rasselnde Lunge eines starken Rauchers. Zudem bilden sich an den Lefzen des korpulenten Hundes lange, schleimig zähe Speichelfäden, die bei Kopfbewegungen träge mitpendeln und schließlich auf den Boden tropfend, einen ansehnlichen Schleimbatzen hinterlassen. Mehr

Nachtigallen

Dieses Frühjahr gibt es mehr Nachtigallen als sonst. Kein Autolärm und Flugzeuge zu nächtlicher Stunde. Dafür mehrstimmiger Nachtigallengesang wie im Wald. Vermutlich regnet es morgen.

Kanadagans

Federkleid der Kanadagans
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Ein Marienkäfer landet

Güldenes Licht einer geschmackvollen Stehlampe taucht das abendliche Arbeitszimmer in schummriges Zwielicht. Zu später Stunde bin ich im Begriff vermittels eines Computerprogrammes ein Dokument zu editieren. Ganz schön duster hier, tritt man nur einige Schritte vom Arbeitsplatz fort, so sieht man seine Hand kaum vor Augen. Da, eine Bewegung jenseits des Bildschirmes, ein kleines Tier ist auf dem anthrazitfarbenen Rahmen des neunzehnzolligen TFT-Displays gelandet, schüttelt kurz seine filigranen Flügelchen um sie sodann unter den zarten Chitinpanzerklappen zu verstauen. Mehr

Die Amseloffensive

Seit heute singen die Singvögel wieder. Vor allem die Amsel hat Mut gefasst und jubiliert aus voller Kehle in der Spitze kahlen Astwerkes sitzend. Solche Indizien des sich zögerlich ankündigenden Frühlings nehme ich gerne zur Kenntnis, auch den von Tag zu Tag späteren Sonnenuntergang. Die optimistische Konzentration auf die wesentlichen Dinge des Lebens zeichnet die Tiere im allgemeinen und die Vögel im speziellen aus.
Ebenso vielstimmig schallte heute der schrille Missklang von Martinshörnern durch die sonntäglichen Straßen. Zahlreiche Rettungswagen, mit Karacho unterwegs zu menschlichen Leibern in höchster Not. Ob wohl ein kausaler Zusammenhang zwischen Amseln und Blaulicht besteht?

Das zerstörerische Werk der Marder

Während eines abendlichen Spazierganges nahm ich einen, über den düsteren Asphalt huschenden, flachen Schatten wahr, der unter einem, im schummrigen Schein einer Laterne, geparkten Automobil verschwand. Wenig später erschallten kratzende und beissende Geräusche unter dem Mittelklassewagen der nun leicht schwankte. Ein Marder machte sich mit erstaunlicher Effizienz an dem Chassis zu schaffen, Ziel des Tieres, die Demontage von Gummi- und Plastikteilen, zu diesem Behuf musste zunächst von unten ein Zugang zum Motorraum geschaffen werden. Achtung Gefahr! Eine Passantin hatte mit ihrem Hund, zum abendlichen Stuhlgang des Tieres, die Szenerie betreten. Mehr

Durch fliegende Feinde ferngesteuerte Katze

Neulich beobachtete ich vom Stubenfenster aus, wie halbstarke Schwalben eine recht flauschige Katze terrorisierten. Die Vögel stürzten sich, immer wiederkehrend, im Sturzflug kreischend auf das Tier und drehten dann im letzten Moment wider gen Himmel ab. Die Katze versuchte triebhaft bei jedem der Angriffe wenigstens einen der waghalsigen Vögel zu fangen. Doch statt einem der rasanten Segler habhaft zu werden, machte die Katze nur unbeholfene Sprünge, die krallenbewehrten Pfoten langten tollpatschig in's Leere, marionettenhaft war das Pelztier ganz in der spielenden Hand der gefiederten Angreifer. Hin und hergeworfen wurde die Katze, besessen von ihrem Jagdtrieb und der gleichzeitigen Schmach über die Erfolglosigkeit der stets wiederkehrenden vermeintlichen Chancen. Die kurzen Pausen zwischen den Luftangriffen musste das bemitleidenswerte, domestizierte Raubtier dann auch noch zwanghaft der Übersprungshandlung Putzen widmen, gewahrte wohl auch das beobachtet werden durch den Menschen.

Heute: Pfoten Spezial

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Der Begriff der Wasserratte wird mit Bedeutung erfüllt

In einem großen innerstädtischen Park fiel mir auf, daß die Parkverwaltung an den Brücken, die eine kleine Insel erschließen, Schwingtüren angebracht hatte. Schilder ersuchen die sich hier ergehenden Flaneure, die Türen geschlossen zu halten, da einer »Kaninchenplage« Herr zu werden sei. Die Gartengestaltung der kleinen Insel ist recht artifiziell, viele Rabatten und auch, in unseren Breiten, einjährige exotische Pflanzen bestimmen das Bild des Eilands. Scheinbar ist diese Vegetation für Hauskaninchen (Oryctolagus cuniculus) besonders schmackhaft, gibt es doch in den weniger aufwändig, eher romantisch, naturnah konzipierten Teilen der Anlage genügend Grünmasse zum Verzehr. Mehr

Kater Peter

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