Hightatras:


Tierreich

Das zerstörerische Werk der Marder

Während eines abendlichen Spazierganges nahm ich einen, über den düsteren Asphalt huschenden, flachen Schatten wahr, der unter einem, im schummrigen Schein einer Laterne, geparkten Automobil verschwand. Wenig später erschallten kratzende und beissende Geräusche unter dem Mittelklassewagen der nun leicht schwankte. Ein Marder machte sich mit erstaunlicher Effizienz an dem Chassis zu schaffen, Ziel des Tieres, die Demontage von Gummi- und Plastikteilen, zu diesem Behuf musste zunächst von unten ein Zugang zum Motorraum geschaffen werden. Achtung Gefahr! Eine Passantin hatte mit ihrem Hund, zum abendlichen Stuhlgang des Tieres, die Szenerie betreten.

Sein Werk unterbrechend, nun auf den Hinterbeinen neben dem Auto stehend analysierte das Pelztier kurz die Situation, stufte wohl die fettärschige Hundebesitzerin mit ihrem verpennten Hund als eher moderat bedrohlich ein und verlegte in aller Ruhe seinen Standort hinter einen an das Trottoir angrenzenden Gartenzaun, sich so des möglichen Zugriffes durch den Hund entziehend. Nachdem das nichtsahnende Duo schließlich verschwunden war, konnte der pausierende Steinmarder (Martes foina) sein augenscheinlich routiniertes Zerstörungswerk wieder aufnehmen und widmete sich anschließend noch weiteren Kraftwagen, der Abend war noch jung. Ich glaube nicht, daß es den pelzigen Vandalen mit den schönen Knopfaugen um Nahrung geht, es handelt sich vielmehr um geplanten und sehr professionell ausgeführten Guerillakampf gegen Autos, aus welcher Motivation auch immer. Recht subtile Zerstörung wohlgemerkt, für den Kraftfahrer unsichtbar, gehen sicherlich allerhand Verkehrsunfälle und Massenkarambolagen auf die Rechnung der possierlichen Nager, wenn bei Tempo 180 ein von kleinen Zähnen geschwächtes Bremsseil seinen Dienst quittiert und einen Geschäftsreisenden oder eine junge Familie in den Tod reisst.

10. August 2005
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