Hightatras:

Das Hineinschleichen der Fauna

Bei Nacht stehen wieder oft Wildschweine auf der Wiese am Fuße des Hauses. Ein Gestalter könnte die Tiere nicht schöner anordnen. Im Licht von Laternen wirft das Schwarzwild Schatten, die wohl scharf begrenzt wären, wenn Gras und struppiges Haar keine rauhen Strukturen besäße. Namentlich die Silhouetten der äsenden borstenbesetzten Mäuler sind sehr deutlich und surreal vergrößert. Da sich mitunter Bodennebel bildet, beispielsweise nach dem Regen, sind auch Halos um die Tierkörper zu beobachten, die sich wellenförmig ausbreiten.
Bei ihrem Mahl beschädigen die Tiere die Grasnarbe mit robusten Schnauzen z.T. erheblich, da sie natürlich – und wie leicht vorstellbar zum Verdruss der Mietparteien – keine Rücksicht auf das gärtnerische Konzept der Wohnanlage nehmen in ihrem instinkthaftem Streben nach Nahrung. Ein klassischer Interessenkonflikt liegt also vor – auch ein jähes Aufeinanderprallen von Zivilisation und Wildnis.

Mir gegenüber saß ein Heroinabhängiger. Seine Augen waren als eine Art Standard in ihrem Aussehen von einem gleichförmigen, jedoch schwer zu fassenden Schleier getrübt, der aber ungleich dem des Stares ist. Eine haifischartige Ausdruckslosigkeit zunächst, wohl selbst wenn der Morphinist von gutmütigem Wesen und regen Geistes ist. Das Auge ist dem Gehirn entkoppelt, wenigstens wie eine dieser einseitig durchsichtigen Scheiben, die Ladendetektive in die Lage versetzen, Ladendiebe zu beobachten, die sich unbeobachtet wähnen. Augen, mit denen sich ein Pokerturnier gewinnen lässt. Die Trübung der Iris wirkt, als sei sie rasant und durch geringen Einfluss eingetreten, wie die photochemische Ausfällung gelösten Silbers zu einer dünnen grauen Milch.
Den Augapfel des Morphinisten als elfenbeinfarben zu beschreiben wäre trivial. Es ist eher ein gebrochenes grüngoldgrau und schwer zu fassen und zudem bald unmöglich zu mischen, weder mit Aquarellfarben noch natürlich vermittels einer Computerpalette, wie auch das farbliche Nachbilden des vermeintlich metallischen Chitinpanzers eines Käfers - denken Sie an Centonia aurata etwa oder Gnorimus nobilis – jenseits der Grenze des uns zu Gebote stehenden Farbraums liegt. (Jan van Eyck könnte das bestenfalls, der durch ausgefuchste Lasurtechnik im Stande war Körperlichkeit und die ihr innewohnenden komplexen Brechungsphänomene überrealistisch abzubilden. Ich meine jedoch einen Einzelton.)
Als neulich an einem trüben Nachmittag tintig dunkelblaue Regenwolken tief hingen und als dann der Abend kam und die Sonne aprilhaft, in spitzem Winkel, unter den Wolken hervorschien, die sich gegen den Zenith hoben wie ein düsteres Gebirge und die Atmosphäre zwischen Sonne und Betrachter von aufsteigendem Nebel und feinen schleierhaften Regenfällen erfüllt war; da erschien mir dieses grüngoldgrau – eine feine und vergängliche Farbe, die sekündlich in verschwärzlichtere Valeurs hinabsank.

Eines nachts ging ich spazieren. Da stieg ich einen kurzen steinigen Pfad hinauf, den Beikraut säumte. An meinem Kopfe glimmte und pulste elektronisch eine Stirnlampe. Die Struktur des kleinen Berges, der künstlich ist, bildet sich aus Trümmern, die auch aus dem Boden ragen, aus Backsteinen und Armierungseisen, die expressionistische Schatten ohne Zeichnung werfen. Es handelt sich um eine Landschaft, die Adolf Hitler posthum formte. Kurz vor Erreichen des Gipfelplateaus befanden sich meine Augen auf Bodenniveau und ich sah im Vordergrund die Silhouette eines zügig gen Süden flüchtenden Hasens vor dem rummelhaft erleuchteten Stadtpanorama in der Ferne, dessen kariöse Kleinstadtanmutung und klägliches Streben in die Vertikale sich letzlich durch allierte Bombenteppiche bildete. An der Seite, die gegen den Wald geht, zeichneten sich schemenhaft, da umnebelt und zwielichtig, die Silhouetten von Wildschweinen in romantischer Idealverteilung ab; schwarz vor anthrazitfarben nebliger Nadelbaumrauheit. Am Rand des Plateaus standen zahlreiche Polizeiautos und Polizisten liefen umher wie krabbeliges Insekt, in betresster Uniformbekleidung aber auch in weißen Overalls. Es blinkten blaue Blinklichter und Scheinwerfer warfen ein kaltweißes und nüchternes Licht der Aufklärung. Ein silberner Geländewagen funkelte im Lichterschein. Seht, Handlungen verwandelten das Gefährt gänzlich zu einem Indiz.

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Schön ist immer der Blick nach Norden: Kraftwerke und Schwerindustrie, die am Ufer eines ölig schwarzen, sich träge und devot gen Mündung wälzenden, von rostigen Spundwänden korsettierten Flusses liegen, in dem mehrfach benutzte Einwegspritzen und korrodierte Fässer mit Abfällen aus ukrainischen Leichtwasserreaktoren dümpeln und an deren Uferböschung, tief im Dioxinfeinstaubschmodder, metallische Tausendfüßler hausen, die sich an angeschwemmten Teerbatzen schadlos halten. In dunklen und stürmischen Nächten wabern die Rauchfahnen der Schlote fast waagerecht und am Horizont schillern Nordlichter; grünlich, von violetten Schlieren durchwirkt, wie Benzin auf einer finsteren und tiefen Wasseroberfläche voller Phosphate.

Auf dem Balkon

Meiner Stadtwohnung ist ein Balkon vorgelagert, der sich nach Westen öffnet. Eine Brüstung aus nach oben abgerundetem Beton, scheidet den Hinaustretenden, in die Spätsommersonne Blinzelnden von der Tiefe. Noch vor wenigen Tagen war die brusthohe Brüstung noch nachts handwarm von der tags gespeicherten Sonne, daß sich der Rücken an den nackten Beton legen und behutsam gen Abgrund überdehnen ließ, bis es zart knackte. Das Wasser sinkt zurück, bald gelb, bald rotbraun schleicht sich der Verfall in die Decke der Baumkronen. Und an einem Nachmittag, als ich auf dem Balkon in einem Stuhl sitze, an einem Tisch aus Holz und eine Madeleine in eine vornehme Kaffeetasse tauche, hebt hinter der Brüstung – die, so sitzend, das Blickfeld des Sitzenden zu einem stillen, aber nicht stillstehenden Panoramarechteck aus von Wolken überschliertem und von glühenden Flugzeugparabeln durchschnittenem Cyan ebenso verengt wie erweitert – ein Getöse an, der anschwellende Gesang von Martinshörnern zunächst, dann das hastige Geräusch von Stiefelabsätzen und knappe, so wohl als professionell geltende, einem wohl berufsintern geltendem ungeschriebenen Code gemäße, barsch ausgestoßene Kommandos. Auf dem Parkplatz stehen Männer, angetan mit mutmaßlich schwer entflammbaren Uniformen, die sich routiniert himmelblaue Gummihandschuhe überstreifen. Über einhundert Balkonbrüstungen lehnen Schaulustige; die Köpfe schießen gleichsam pilzgleich hervor, um sodann, sich der Schwere hingebend, stier blickend gen Geschehen zu sinken. Der Ausleger eines zwischenzeitlich in Positur gebrachten Leiterwagens, an dessen Ende ein – ein bis zwei Feuerwehrmännern fassender – Korb aus Leichtmetall befestigt ist, auf dessen Seitengestänge eine reinlich weiß bezogene Bahre in ein offenbar raffiniertes Bajonettsystem eingeklinkt wurde, ruckt, einem sedierten Roboter nicht unähnlich, zögerlich, doch zweifelsohne zielgewiss gegen ein Wohnungsfenster im ersten Stock. Man weiß nicht was vorgefallen ist tuschelt man, das Leben ist von Anonymität geprägt so die Nachbarn – sinngemäß – und die Stimmen verebben, als nach einiger Zeit eine fahle, partiell von blauschwarzen Malen gezeichnte Frau, auf mechanischem Luftbett zur asphaltüberzogenen Erde schwebt; als ein abstraktes Fleisch sanft in die Gummihände von Sanitätern fällt und jäh ein Strahl Regensonne in ihr starres Gesicht fährt. Der Blick aus den eintausend Augen nach unten, ihr Blick, so sie denn blickt, nach oben; ein Bild für irgendetwas, das sich da und dort einbrennt in Hirnmasse. Und ich halte ein Süßgebäck in der linken Hand, halb hinter der Brüstung, als wäre es ein Glas Burgunder in dem Erdbeeren schwimmen.

Écriture automatique III

Kürzlich stürzte sich die Berliner Journaille, wie Hyänen in Angesicht einer halbverwesten Gazelle, auf das angeblich verstärkt auftretene Phänomen der körperlichen Übergriffe auf Busfahrer. Daß das gesellschaftliche Klima, wie man sagt, rauher werden würde, stand in allen Zeitungen, wenn nicht sogar zusätzlich zu vulgärmarxistischen, also unglaublich stumpfsinnigen Erklärungsversuchen ausgeholt wurde, oder im Rundfunk, den Opfern selbst, den Busfahrern also, Raum geboten wurde, ihre Meinung zu den erlittenen Misshandlungen zusammenzustammeln. Nun ist es ja jedem bekannt, daß es sich bei Berliner Busfahrern um sehr schlechte Menschen handelt, es ist bereits ein Klischee, man kann wohl durchaus weiter gehen und von gesellschaftlichen Schädlingen sprechen, die über Jahrzehnte das Volk schikanierten, mit einer nur den Busfahrern eigenen Form des kleinbürgerlichen Terrors, der sich vornehmlich gegen kleine Kinder, Senioren und Behinderte richtete, und schon hieran kann man leicht erkennen, wie verschlagen die Busfahrer über Jahre waren, es wohl noch sind. Mir drängt sich beim Lesen dieser verblödeten Meldungen sofort das Bild eines Gärtners auf, der Nützlinge in eine Salatkultur einsetzt, um der Schneckenplage Herr zu werden. Ein guter und natürlicher Vorgang, wie man sagen kann, durchweht ihn doch auch der Odem göttlicher Gerechtigkeit, ein wenig altestamentarisch zwar aber irgendwie voll OK. Schwangen sich die Busfahrer einst auf, das ihnen anvertraute Habitat zu dominieren, nach eigenem Gutdünken ein furchtbares Lederwestenregime zu installieren, wird ihnen nun zurecht Einhalt geboten und eine angemessene, körperliche, somit für Busfahrer deutliche Lektion in Demut zuteil. Der rabiaten Jünglinge könnte man sich schließlich, wenn die Busfahrer sich wieder in ihre angestammte Rolle als Lakaien des Volkes fügen, vermittels eines gigantischen Fußes entledigen, der aus den Wolken herabführe um alles unter sich zu zermalmen – theoretisch. In Wirklichkeit bedient sich das Weltgefüge natürlich subtilerer Mittel. Diese Rüpel, über die empört berichtet wird, werden unter dem Einfluss von Videofilmen derartig massiv mit Stumpfsinn infiltriert, daß sie einfach sehr rasch an Verblödung sterben; unweigerlich von Hirnerweichung und finalem Schlag dahingerafft werden müssen. Dies ist nun erstmalig eine These, die man als gewagt bezeichnen könnte, aber ich besuchte kürzlich eine Videothek in einem Armenviertel Berlins, seitdem halte ich sie für ziemlich plausibel, ja regelrecht stichhaltig, entwickelte die These genau genommen eins, fix, drei vor Ort, unentschlossen zwischen den Regalen herumstromernd, umgeben von kleinen, muskulösen und stark parfümierten Männern in weißen Jogginghosen. Ey, ischschwör, ein Monat habisch 72 Filme gesehen, Alter, sagte der eine Heranwachsende beispielsweise recht frank, in der Hoffnung, bei seinen kleinen Freunden mit diesem Bekenntnis Eindruck schinden zu können. Und der Mann hinter der Theke rief so durch den Laden, wohl für einen, der zum ersten Mal dort war, wohl um die Ausstellung eines Leihausweises ersucht hatte, ey, is Mustafa Vorname oder Nachname so? Hahaha, der niedere Stand rekrutiert sich aus Narren, gebiert die Narren genau genommen. (Was ich nicht weiss, bringt's das, gehörten Soziolekt zu transkribieren? Ich bin ja schließlich nicht James Joyce.) Unentschlossen Maulaffen feilhaltend, kristallisierten sich in meiner Beobachtung die Genres Kriegsfilm, Porno und so Kampfsportstyle als am beliebtesten bei der anwesenden Klientel heraus, diese Regale waren also besonders umringt von kleinen, parfümierten, muskulösen Männern. Wieso sehen eigentlich Männer, die danach trachten, sich besonders heterosexuell zu gebärden, stets am schwulsten aus? Das Publikum mutete also an, wie ein verblödeter, schwuler Kindergarten, der mutmaßlich in feuchten Souterrainwohnungen haust und sich von Mauerwerkspilzen und kaltem Dönerfleisch ernährt weil die Mikrowelle kaputt ist. Auch verstand ich bei diesem Besuch zum ersten Mal überhaupt die Bewandtnis der Genrebezeichnung Anspruchsvoller Film, es fiel mir gewissermaßen wie Schuppen von den Augen. Es handelt sich um Filme, in denen die Handlung von Dialogen und nicht von Autoverfolgungsjagden bestimmt wird. Somit ist auch deutlich, wieso in diesen Regalen immer soviel schlechte Filme stehen, eilig zusammengeschusterte Machwerke artifizieller Prägung, also der allerschlimmste Schund überhaupt, sind doch Dialoge bekanntlich der Feind des filmischen Films. Ja, nee, ich bevorzuge selbstverständlich auch Filme, in denen Konflikte mit Schußwaffen gelöst werden, Kraftfahrzeuge explodieren, schaurige Ungeheuer auftreten und vermittels raffinierter Tricktechnik, modernen Computerprogrammen wohl, die Illusion erzeugt wird, daß durch die Einwirkung von Gewalt, Körperteile vom Rumpf der Darsteller abgetrennt und entfernt – optional auch verzehrt – werden. Allerdings muß der Film wenigstens die Oberfläche bieten, über sich hinauszuweisen. Wenn jedoch eine Panzermine nur eine Panzermine ist, durch die Luft geschleudertes Sperma nur durch die Luft geschleudertes Sperma ist, muß der Betrachter, wie gesagt, unweigerlich an Verblödung sterben. Das gilt aber auch für die armseligen Cretins, die ernsthaft das Feuilleton der FAZ lesen oder im Fernsehen Talkshows betrachten, in denen Volker Kauder und Oskar Lafontaine fettärschig in den roten oder orangen Sesseln der Fernsehanstalten herumsitzen und Standpunkte vertreten; beim Betrachten sterben sofort Gehirnzellen ab – umgehend und irreversibel leider. Ich lieh übrigens schließlich die Spielfilm-DVD Iron Man aus; die erste dreiviertel Stunde war voll scheiße und voll langweilig auch, dieses umständliche und amerikanisierte, somit stumpfsinnige Golem-Motiv, dann aber richtig geile Effekte so, dem Zuschauer wurde quasi Einblick in die Arbeitsräume eines Superhelden gewährt, der mit dem Design seiner selbst beschäftigt war. Diese Szenen bestachen sehr.

Écriture automatique II

Die Feldheuschrecke, die vormittags gegen elf, als ich auf der Veranda saß und einen Roman las, erschien und vor meinen Füßen umhersprang, bald auf den Boden bald auf den Rand der Pflanzenkübel, hier leider von mir zunächst unbemerkt, auf einen Rosenstock im Kübel, den ich neulich, da von Schädlingen befallen, reichlich mit Pestiziden zu besprühen gezwungen war. Gleichso, wenigstens ähnlich ergeht es auch den vielen Tölpeln, die sich Berlin aussuchen als sogenannte Wahlheimat, und dort zudem die schlimmsten Bezirke wählen, namentlich Berlin-Mitte, Friedrichshain, und, in weiten Teilen Prenzlauer Berg. Aus all den guten Orten, die ein Mensch, ein junger zudem, wählen kann als neue Heimat in Europa, der Welt, taumeln diese Idioten dahin, wo es nur so wimmelt von anderen Idioten und wo ein ungemein schädliches, ja giftiges geistiges Klima herrscht, an dem man unweigerlich zugrunde gehen muss. Die Welt ist schließlich kein Roman von Fallada; im Gegensatz zum falladaschen Helden, treibt die Idioten jedoch nicht eine Idee von Großstadt, eine persönliche Vision gar, nein, sie treibt natürlich nur ihre Dummheit, der Instinkt zwingt sie, mit anderen Idioten eine Kolonie von Idioten zu bilden, sich fortzupflanzen, gleichsam ein neues Idiotengeschlecht zu gebären. Berlin ist nicht Los Angeles, Lugano, Prag oder gar Rom, das den Zuzug von Idioten durchaus verkraften könnte, das den dumpfen Menschen möglicherweise mitreisst und emporweht, ihn hebt und läutert, mit dem frischen Wind, der in Weltstädten waltet, entweder durch die Bausubstanz, die Schönheit seiner Frauen, die prosperierende Wirtschaft, oder, dies als das Höchste, als Ideal quasi: mit der Kunst und dem Denken, das in einer Stadt herrscht. Es ist nun leider aber so, daß immer neue Idioten, in der kläglichen und unsinnigen Absicht, ihrem stumpfsinnigen Provinzleben, durch eine Veränderung der äusseren Umstände Sinn und ein Quentchen Lebensfreude abzutrotzen, auf hier bereits seit Jahrzehnten lebende, also wie Pilze verwurzelte Dummköpfe treffen, und die schon stickige Luft wird somit unweigerlich immer noch stickiger und unerträglich geradezu. Die Idioten ziehen sich also gegenseitig noch weiter hinunter auf den Boden, die Gosse, in den Lethestrom. Insbesondere Ostberlin, die von mir genannten Stadtteile, die vielen verkommenen Gegenden dort, vereinigen alles Schlechte der Großstadt mit dem Muff der Provinz, pappen in ihrer baulichen und geistigen Enge, das Negative gleichsam zusammen zu einen gewölleklumpenartigen Moloch, den eine rachitische Hyäne in den märkischen Sand würgte. Ich bedaure dies alles sehr, da Berlin meine Geburtsstadt ist, mich somit wenigstens emotional einiges an die Stadt bindet. Berlin gilt wohl ungebrochen mancherorts als Weltstadt, nämlich überall dort auf der Welt wo sich die Jugend an der Bushaltestelle trifft. In Berlin wohnen! Als Künstler, als Techno-DJ, als Blogger oder um Becksbier zu trinken und ein iPhone auf den Gaststättentisch zu legen. Die Kunst, die in Berlin produziert wird, ist die Kunst von vor zwanzig Jahren, ebenso wie die Musik und die Literatur; die gängige Mode ist geradezu grotesk lächerlich, man würde Menschen in anderen Städten so selbst den Zugang zu einem zoologischen Garten oder einer Minigolfbahn beispielsweise verwehren, da sie natürlich sofort als überholt und abgeschmackt erkannt werden würde. Die selbsternannte Avantgarde ist ein Haufen von betrunkenen Narren, der sich zu Unrecht des Begriffes der Bohème bemächtigte um ihn mit Füßen zu treten und zu beschmutzen. In Wahrheit handelt es sich natürlich um Kleinbürger und Zurückgebliebene; Kinder deren Federtaschen in jeder Schulpause aus dem Fenster geworfen wurden damals, das ist ja offensichtlich. Objektiv spreche ich von Gescheiterten, die keinen Nagel gerade einschlagen könnten, und dieses Unvermögen dann wortreich und zugleich dumm, dem Hammer, dem Nagel oder dem Holz anlasten würden, die nicht Schillers Lied von der Glocke rezitieren könnten, geschweige denn einen einzigen geistreichen Standpunkt zu irgendeinem beliebigen Thema liefern könnten, selbst wenn es sich um typische Idiotenthemen wie Dubstep oder Social Web handelte. Begünstigt wird die geschilderte Abgeschmacktheit des Auftretens und der dort im Osten herrschenden faden Gedanken noch durch die widrige Wohnsituation in den genannten Bezirken, Berlin Mitte und Friedrichshain beispielsweise, Prenzlauer Berg nicht zu vergessen. Im Gegensatz zu den sehr schönen und geschmackvollen bürgerlichen Bezirken des Berliner Westens, sind die Ostbezirke von baulicher Enge geprägt, es dominieren die Arbeiterquartiere, großzügige Boulevards und schöne Parks wird man dort leider vergeblich suchen. Ich nenne diese Umstände um zu verdeutlichen, wieso die Menschen, die in Ostberlin als Künstler ihr Leben fristen müssen (selbstverschuldet), so verhärmt wirken, käsebleich und von schlechter Körperhaltung gezeichnet sind, sie bewohnen ehemalige Mietskasernen, feucht zumeist und von Schwarzschimmel befallen mitunter, die zu gefragten, den gefragtesten Quartieren der Stadt wurden; Miethaie und Immobilienspekulanten lachen sich ob dieses Umstandes natürlich zurecht ins Fäustchen. Sie müssen sich das bitte vor Augen führen, schummrige und stockige Hinterhofwohnungen zu einem Preis, zu dem sich spielend ein Haus in Italien kaufen ließe, an den herrlichsten Orten wohlgemerkt, mit Blick auf den Lago Maggiore beispielsweise, den Garten voller Zitronenbäume etcetera. In dieser schlechten Umgebung also, Berlin Mitte, Friedrichshain und Prenzlauer Berg als Beispiel, zwischen Müll und Hundekot, umnebelt von Autoabgasen, in Gesellschaft der größten Idioten der Welt natürlich, bei stumpfsinnigen, sich unerträglich im Kreise drehenden Gesprächen, zudem ohne Blick auf Bäume oder den Himmel kann nur Schlechtes entstehen, das ist jedem klar, es ist ja überdeutlich. Es verbleiben nunmehr nur noch einige wenige akzeptable Stadtbezirke in Berlin, wie Westend, wenige Lagen in Wannsee und Grunewald in denen es sinnbildlich nach Amerika, nach Atlantik und nach Aglianicotrauben riecht und nicht nach Kohleverstromung, Hundekot und Becksbierneigen. Es ist ja so, daß selbst Ostdeutsche, die ich hier in Westend durch die Straßen führe oder in ein gutes Restaurant einlade, ganz beeindruckt, geradezu geblendet sind in Angesicht der großzügig angelegten Straßen, einer kühnen Achse wie dem Kaiserdamm etwa, und mir ihren Wohlgefallen hundertmal versichern, wenn wir vor den prächtigen Stadtvillen mit den schönen Gärten stehenbleiben und den alten Baumbestand betrachten, die nach dem Kriege von kundiger Hand renovierten Fassaden, aber auch, oder mitunter gerade die – einst von wegweisenden und führenden Architekten pfiffig und modern geplanten – Betonbauten der Bauausstellung. Zusammenfassend lässt sich sagen, daß selbst die häßlichsten Lagen Westberlins mehr Charme und weltstädtischen Esprit versprühen als ganz Berlin-Mitte, diesem widerlichen und alles verwesenden Pestizidkübel.

Écriture automatique I

Mit dem Fahrrad spazierenzufahren durch das Umland erzeugt ein gemischtes Gefühl aus Freiheit und daraus resultierender Reinigung. Ich hatte es ein wenig vergessen und es behagt mir, auch wenn es an der Landschaft einiges zu kritisieren oder zu bemäkeln gäbe. Dann stand ich auf einer, die Havel überspannenden Brücke, der Blick öffnete sich weit und aus den Baumknäueln am fernen Ufer spitzen oben die Kirchtürme raus, die im Sinken begriffene Sonne färbte alles orangerot, bald violett, bald blau und ein schwerer Güterzug donnerte über die Brücke, daß alles schwankte und unten in seinem Motorboot popelte sich ein Beamter der Wasserschutzpolizei in der Nase, da er sich unbeobachtet wähnte. Auch fuhren Motorboote im Kreis herum und zogen Menschen an einer Leine hinter sich her, das schmeckt mir nicht dieser Wermutstropfen in Form von Wasserski, ich finde aus dem restlichen Öl sollten lieber Plastiktüten hergestellt werden oder solche Kunststoffkästen für den Kühlschrank, wenn man mal eine Ananas nicht geschafft hat. Ananas soll ja den faden Geschmack des Spermas vertreiben, dem Mannessaft vielmehr eine fruchtig süße Note verleihen, las ich neulich irgendwo, sicher im Internet. Auch das Kühe sehr wohl schwitzen, unter den schwarzen Flecken mutmaßlich mehr, so es sich denn um Schwarzbunte handelt. Allerdings stellte sich mir dann ein quadratköpfiger Wachschutzmann in den Weg, als ich volle Kanne mit dem Fahrrad fuhr, sie können hier nicht weiter – sinngemäß – weil ein musikalisches Event durchgeführt wird. Mir passen diese Typen nicht, mit ihrem kargen Wortschatz und ihrer mangelhaften sozialen Kompetenz, überhaupt dieses doofe Schloß da, genau genommen ist das ganz schön kitschig, maßlos überschätzt und man könnte es recht gerne auch in die Luft sprengen, mit TNT beispielsweise, und dafür Gropiusstadt und das Märkische Viertel zum Weltkulturerbe erklären. Jedenfalls galt es einen Riesenumweg zu fahren und dann war es dunkel und ich stieg nebst Fahrrad in die S-Bahn und mir schräg gegenüber saß eine ältere Dame mit ihrem Mann, sie trug eine hellblaue Bluse, darauf waren die Silhouetten von Pferden zu erkennen, recht räumlich, als flögen die Tiere in der Luft herum, aber ihre Körper waren kariert, wie es Schottenröcke sind, und an manchen Stellen waren die Pferde mit Metallschnallen zusammengebunden. Die Frau war äusserst nervös und nestelte viel am Revers ihrer hippophilen Psychobluse herum und der Kopf fuhr hin und her zwischen ihrem Gatten und der nunmehr finsteren Scheibe in der sie ihr Spiegelbild, ihre pechschwarze Pudeldauerwelle auch betrachtete. Der Mann trank Pilsener Bier, sie die Neige einer lauwarmen Orangenbrause, die schillernde Blasen warf, als sie die Pulle an den Hals setzte.

Herr No genießt die Aussicht

An manchen Tagen ist die Wohnung so ferienhaushaft in ihren Zeichen der Unbewohntheit, den Staubmäusen die sich zusammenrotten oder dem Wasserhahn der pathetisch quietscht. Und manchmal sehne ich mich fort von den nächtlich brabbelnden Fernsehern in ein traditionsreiches Sanatorium in dem strikte Nachtruhe herrscht. Behelfsweise zieht es mich zu ausgewiesenen Stätten der Naherholung. Ja, der Eintritt würde erhoben um die Abgaben für die Flugsicherung zu bestreiten sagt die Frau am Imbisstresen des Aussichtsturmes im Osten, an dem die Ausflügler auch gehalten sind Billets zu lösen, die sie zum Aufstieg berechtigen. Das kostet eine schöne Stange Geld sagt sie auf Nachfrage einer forschen kleinen Mutter, ja, selbstverständlich sei der Obolus pro Nase zu entrichten, und ich weiß, daß sie flunkert, wie sie ihren Blick senkt und den ausliegenden Pflaumenkuchen fahrig ordnet mit einer Plastiktortengabel. Das Objekt ist nicht gut in Schuß, man wähnt sich beim Treppensteigen in eine Kulisse des Computerspieles Resident Evil versetzt. Oben auf der Plattform lassen sich die Frauen die Sonne ins Gesicht scheinen und blinzeln geziert, während die Männer systematisch die Skyline erklären. Ich verspüre auch einen Skylineerklärungsimpuls in mir – und gebe ihm nach. Lange Ruderboote gleiten durch sonnenweiß glitzerndes Wasser und entfernte Kühltürme stehen kalkweiß vor dunkelvioletten Schneewolken. Man könnte hier recht komfortabel Selbstmord begehen, die Balustrade ist nicht sehr hoch, ich beschränke mich darauf runterzuspucken. In meiner Hand, der Schlüssel des Turmes, der letzte schließt dann bitte ab. Sie sind der letzte. Am Bund ist zudem ein orangefarbener Schuhanzieher befestigt sowie ein moosgrünes Synthetikband, in welches die Internetadresse des deutschen Heeres nebst Emblem eingewebt ist.

Für die Vernichtung der Zeit

Wie behaglich Berlin in werktäglichen Nächten ist. Wenn die Bahnen nicht mehr von griesgrämigen Arbeitern bevölkert werden oder von diesen unsteten trunkenen Rotten ergebnisorientierter und hysterischer Hedonisten wie am Wochenende. Sondern von einem gutaussehenden Italiener, der still ein Buch liest, und dann den leise summenden Fernsprecher zückt und recht schön betont mitteilt, daß er in der S-Bahn sei und in 20 Minuten daundda. Ein Mädchen, das sich aufbrezelt, und das Ergebnis mit dem Telefon photographiert und zur Selbstkontrolle zufrieden ansieht auf dem winzigen Bildschirm des Apparates. Schwarzhaarige Nyx und Tochter des 21. Jahrhunderts. Sie trifft sich um eins am Bahnhof Alexanderplatz mit einem jungen Mann dessen Haupthaar lang und blond ist und der sie leidenschaftlich auf den Mund küsst. Sie werden mutmaßlich etwas Schönes zusammen machen. Hier weht ein anderer Wind, der gellende Schrei der Werkssirene, das Trotten der Arbeiterstiefel und der bange Blick auf die Armbanduhr ist fern. Es ist schön, jetzt die Laufschuhe anzuziehen, zwischen drei und vier, wenn die Motoren der Kraftfahrzeuge verstummen und sich agile Kaninchen aus den blühenden Forsythienbüschen wagen zu einem frühlingshaften Reigen auf einer Siedlungswiese und die Luft frisch ist und die Straßen still, alleine das Fahrrad eines Botens, der Zeitungen in Briefschlitze steckt, quietscht eierig. Lebensfeindliche Unorte, die temporär zu karger, einsamer und schöner Nachtlandschaft erblühen. Jähe Betonfelsen und neblige Grünanlagen, schummrig erleuchtet von gelb blinkenden Ampeln, durch die ein Fuchs schnürt. Dann der Ruf der erwachenden Vögel, die ersten Düsenflugzeuge die aufsteigen ins rote Gestirn und die Morgensonne, die den Stahlbeton der Profanbauten färbt und den knotig hervorquellenden Qualm aus den Kraftwerksschloten, den der Wind nach Osten treibt und die Kähne, die Kohle geladen haben für den nimmersatten Schlund der Kohleverstromung. Aus Farnen des Karbons abgerufene Energie für unsere Hauptstadt, für die just jetzt musizierenden Radiowecker, die zu gluckern beginnenden Kaffeemaschinen, die ersten Webseiten, die aufgerufen werden von informationshungrigen Bürgern. Das ist der Moment um zu Staub zu zerfallen oder in einem Bad, heiß wie Magma, zu vergehen, während weit weit entfernt die Mülltonnen ruppig entleert werden von dicken schwieligen Arbeiterhänden.

Ein städtebauliches Konzept

Selbst eine der häßlichsten Ecken Westberlins, der Stuttgarter Platz, der eigentlich gar kein Platz mehr ist, mit seiner betonverplombten Kriegskaries, den Import-Export-Läden, dem allgegenwärtigen Pissegeruch, den kleinen Hustlern und schäbigen Stundenhotels versprüht mehr Charme und weltstädtischen Esprit als ganz Berlin-Mitte. Die Fakten liegen auf der Hand: die lichte und schöne Seite der Hauptstadt verfügt über vorzügliche Infrastruktur, sehr gute Gastronomie, gepflegte Grünanlagen und gehobenes, seit Generationen hier verwurzeltes Bürgertum; die apokalyptische Schattenseite der Stadt jedoch wird verkörpert durch in der Gosse vergammelnde Sofas, Crack, Hundescheiße, Gewalt und Glasscherben. Daher plädiere ich dafür, daß nicht mehr zeitgemäße Stadtbezirke, wie Kreuzberg SO36, Mitte und Friedrichshain, dem Erdboden gleichgemacht werden sollten. Die so gewonnenen Baulücken würden dann sukzessive durch gute moderne Geschäftshochhäuser für international operierende Konzerne, Chipfabriken und Produktionsstätten der Biotechnologie geschlossen werden.

Herr No schreibt einen Weblogeintrag

Einige dick eingemummelte Boote in den Werften. Der Wind, der in den Planen knattert. Und Eisscherben klimpern in Molltönen im bleigrauen Blesshuhnwasser. Das Hausboot liegt an der Mole; an Deck steht Gerümpel und Brennholz und einzelne Fischreiher waten durch die zahme Brandung. Ein Schlepper, mit Schrott beladen, fährt stromaufwärts. Unsichtbar, hinter den efeuberankten Buchen wälzt sich die Heerstraße über eine Brücke. Die Eisflächen der Seen im Wald sind so zart, daß selbst schwerere Enten einbrechen. Bald über den Eisfilm patschen, bald knisternd schwimmen. Ich blicke in blassgrüne Augen wie feuchte Jade und die Akustik ist komisch. Eine hysterische Frau, die ich dauerhaft am rechten Ende meines Blickfeldes sehe, ist so groß wie ihr Kopf, sie trinkt einen grünlich gefärbten Cocktail nach dem anderen und kreischt und gestikuliert. Den Getränken gebricht es an Kohlensäure, da wenig verzehrt wird. Sie riecht gut. Es geht um Quantenmechanik, schlösse ich die Augen wie es die Katzen tun, wäre die Gaststätte mit ihren glatten Flächen, den nicht auf dem Tisch stehenden Aschenbechern, der irdenen Reisschale undsoweiter vielleicht gar nicht da. Ausgehen in Westberlin. Es ist weltstädtisch, freundlich vertraut wie unser Gespräch und sehr provinziell zugleich. Der Baumpate Ben Wargin mit seiner vermotteten Kunst, das Kantkino: und nach der Vorstellung in die Pizzeria sowieso. Der neue Cronenberg ist sehr gut! Perfekt ausgestattet und besetzt, jede Menge Mafiafilmzitate, ästhetische Gewalt und hitchcockeske Bilder. Im Zuschauerraum saßen allerdings viele Menschen mit schweren Atemwegserkrankungen.

Schlachtensee

Erstes mürbes Eis auf den Seen. Menschen und ihre agilen Hunde. Domestizierte Wildnis, die sich von der loyalen Seite zeigt. En passant bürgerliche Satzfetzen, gemeinsame Lebensplanung oder den Dienst betreffend. Schlafen, Lesen und Müßiggang. Ein Krähenschwarm vor grauem Himmel, der durchwirkt ist von späten und vereinzelten fahlgelben Sonnenfasern. Eine gute Schule: die unbedingt noch zu verfeinernde Kommunikationstechnik, komplexe Bilder und Stimmungslagen in 160 Zeichen zu formulieren — auch trunken. Der Weg des SMS schreibens. Zungenküsse, Subprimekrise, erhabene Leere und Istigkeit.

Naturstudium ist das A und O

Diese zierliche Japanerin, die unten auf dem Rasen sitzt und das Haus zeichnet mit einem Bleistift, wohl Fenster für Fenster, sie sitzt jedenfalls schon eine Weile dort. Den ganzen Vormittag bis jetze auf deutsch gesagt. Ich photographier' die mal lieber nicht, sie sieht recht scheu aus, wie ein verhuschtes Reh zum Beispiel, und ist mit einem kleinen silbernen Klapprad angereist. Mensch Mädel, leg Dir 'n Kissen untern Po, Du holst dir wat weg! Überhaupt mit Klapprad, kommt die aus Mitte oder was?

Krautrock

Beim Verzehr einer Laugengebäckstange lösen sich die auf der Oberfläche angebrachten Salzkristalle und springen, kompliziertesten mechanischen Gesetzmäßigkeiten folgend, in alle Himmelsrichtungen oder schnellen im hohen Bogen zwischen die Tasten des Computers und verharren dort, entziehen sich Reinigungsversuchen durch zerbröseln. Salz dringt in das Innere des Apparates ein. Man ist machtlos gegen solche Vorgänge. Die Waffe weg brüllt einer der beiden. Im Handumdrehen liegt der Schwarzhändler am Fußboden. Ich will deine Hände sehen bellt es, in seinem geschwärzten Antlitz fahren die Augen unstet umher. Er gibt seinem Partner Feuerschutz als dieser die Handschellen anlegt. Ein Hubschrauber naht, anthrazitfarben, bedrohlich wie ein hornissenartiges Insekt wirbelt das Vehikel einigen Staub und fortgeworfene Getränkebecher auf. Man wird den Verbrecher wohl in die Mangel nehmen und dann ausfliegen. Immerhin weiß ich jetzt — anhand der Billets die entsprechend bedruckt waren — warum so viele Menschen das Trottoir verstopfen und mit ihren geparkten Automobilen das Umfeld der Sportarena verschandeln. Der Krautrocker Herbert Grönemeyer gedenkt in wenigen Minuten ein Livekonzert durchzuführen. Es stellt sich heraus, daß die Veranstaltung mit nicht unerheblicher Lärmemission verbunden ist. Schallwellen, die belästigend in meinen Gehörgang eindringen und im Gehirn als das Lied Bochum identifiziert werden, das ich kenne ohne dies zu wünschen. Der kleine dicke Künstler brüllt den ganzen Abend aus voller Kehle und springt mutmaßlich umher wie ein Derwisch oder diese erzürnten Toaströster in dem Computerspielklassiker Bubble Bobble. Mehr

Putzerfische

Zwischen dem hellen, jungen Grün der Sträucher und Bäume eine flache Backsteinmauer. Vergessenes, vom Rost überkrustetes Metall bildet auf dem verwitterten Zementabschluß der Mauer einen braunen Hof, der gerade schleppenden Schrittes von zwei Feuerkäfern durchquert wird. Eine von der Ausfallstraße abzweigende Fußgängertreppe führt hinab zu feuchten Auenwiesen an der Havel. Im dunklen Flußwasser watet schnäbelnd ein Reiher. Ihm sind die mit Grillgut und Fanta nach Havelland donnernden Kraftfahrer oben auf der Brücke scheinbar auch einerlei. Der Tisch in der Pizzeria ist durch ein von Goldfischen und Welsen bevölkertes Aquarium separiert vom restlichen Gastraum. (Man serviert hier Kindl-Pils, das ungenießbar — ja regelrecht zum Kotzen schmeckt.) Die Goldfische schwimmen träge umher, tragen durch ihr gefällig schillerndes Schuppenkleid durchaus maßgeblich zur Attraktivität des Aquariums bei, kacken jedoch häufig ins Wasser und vertreiben boshaft schnappend die unscheinbaren, vergleichsweise kleinen Welse, welche recht eifrig, mit geschickten Mäulern die Scheiben von unschönem Algenbefall zu befreien trachten. Am Nachbartisch, durch das von der Luftpumpe brodelnde Aquarium leicht räumlich verzerrt und in grüngelbes Licht getaucht, nimmt ein Paar Platz. Mit Rüschen gesäumtes Sommerkleid nebst flachen Pumps sowie hellgelber Pullunder und mangelhaft harmonierendes pastellfarbenes Polohemd von Lacoste in bleu oder wie das heißt, cremefarbene Bundfaltenhose und frisch geputze Bootsschuhe. Das sind so Typen, die Ariane heißen oder Sven und früher mit Zahlenschloßkoffern in der Schule erschienen. Kladow, Heaven 17, Junge Union und Abi 88. Eine Nische klassischen Poppertums. Mehr

Grundmotiv Sichtbeton

Manglerin mit kräftigen Oberarmen gesucht. Gut. Taschentuchhäklerin wird sofort eingestellt. Aufwartefrauen ebenso. Zentimeterweise erscheint unter kleinteilig gemusterter Tapete (Die Fellstruktur der Giraffe und im Ostwind wogendes Schilf standen Pate) das Jahr 1957 wie es die Berliner Morgenpost sah. Ein Herr mit streng zurückgestriegeltem Haar, der das linke Lid snobistisch hochzieht und die Lippen säuerlich zusammenkneift: Konrad Adenauer ergreift nun die Initiative. Aus dem freien Teil Deutschlands in den zweiten blauen Plastiksack. Was anmutet wie die schüchternen, verklausulierten Avancen von Prostituierten stellt sich nach fortwährendem Gekratze als Automobilmarkt heraus. Kraftfahrzeuge mit exotisch verführerischen Frauennamen, sicher ordentliche Schlachtschiffe mit ausladenden Heckflossen und weißen Reifen.
Im Supermarkt stehen die Regale quer zur Kasse. Indiz für eine gute Gegend. (Low Crime Area) Viele Kunden schleppen sich an Gehhilfen mit Rädern untendran durch den Laden und kaufen schließlich ein Stück Butter beispielsweise. Man spricht laut mit den Kunden und bugsiert die Hubwagen mit der neuen Ware formlos um im Laden nach Luft schnappende Wartende. Wer heute für fünf Euro Obst und Gemüse kauft, erhält zusätzlich wahlweise ein Bund Petersilie oder eine Banane. Gratis! Ein kleines Tal aus Sichtbeton in das die Sonne scheint. Betonbänke mit hölzerner Sitzfläche, trotzdem wohl kalt am Po, ein erster kühner Versuch mit dem Sitzkissen zum zusammenklappen, Pflanzen in Betonkübeln und die mediterranen, in Beton gegossenen Putten einer Pizzeria. (Seit 1974, Old School: Rauhputz, Fischernetze) Etwas tiefer gelegen, hinter märkischen Kiefern brandet die Ausfallstraße wie ein Bergbach zur Schneeschmelze. Mehr

Abwicklung eines Maßnahmenpaketes

Der junge Arbeitslose neben mir berichtet seiner Atze was so los ist. Er lernt jetzt auf Snowboard. Reist dazu extra mit dem Automobil in die Nähe von Hamburg, ein kleiner Ort mit schwulem Namen, da sich dort eine preisgünstige Indoorskihalle befindet. Draussen neben der im Stau stehenden Straßenbahn schiebt sich Meter für Meter das Blasenkrebsmobil an den Seitenscheiben vorrüber. Abfahrt ist hammergeilet Feeling sag ich mal so. Der andere hat durchgeknufft das ganze Wochenende, soll man machen. Meine Reise führt mich in ein Fachgeschäft im Prenzlauer Berg, dem Szenebezirk, der im gesamten Bundesgebiet bekannt ist wie ein bunter Hund. Als ich noch meinen Einkauf begutachtend durch die Ladentüre aufs Trottoir trete, werde ich beinahe von einer schlingernden jungen Fahrradfahrerin erfasst, die einhändig lenkend, mit einem Coffee-to-go-Becher in der anderen Hand, ipodbedudelt und freitagtaschenbehängt mit einem rostigen Mountainbike um die Ecke biegt und den Beinaheunfall nichtbemerkend weiterquietscht. Der Klassiker. Mal abgesehen von den energischen Gruppen junger Mütter, die mit ihren Kinderwagen auf dem Bürgersteig vorrücken wie ein zu allem entschlossener Panzerverband vor Stalingrad. Mehr

Aug in Aug mit einem Gulag

Als heute, zur Mittagsstunde, durch das sperrangelweit offen stehende Küchenfenster ein mildes Lüftchen wie im Lenze hereinspülte, dünkte mir das Durchbrechen der Frühblüher so nah. Oh du mein geliebter Krokuss, der du, flankiert von jubilierenden Singvögeln, noch scheu, dein zartgrünes Köpfchen den dich umschmeichelnden Sonnenstrahlen entgegenreckst. Doch der erste liebliche Anschein trügt: Im Mittelgrund, unter meinem Fenster, erstreckt sich eine, von Suchscheinwerfermasten eingerahmte Kleingartensparte. Rostiger Stacheldraht soweit das Auge blickt. Zornig bellende Hunde, denen der Speichel von blutroten Lefzen rinnt. Schlimmer noch die Pächter — vierschrötige Einfaltspinsel deren halslose Komissköppe von speckigen Cordhüten gekrönt werden. Ein Kommen und Gehen von geräumigen Automobilen mit dunkelgetönten Scheiben, alles verrammelt, doppelt und dreifach zugewuchert. Würde mich – heute, bei rechtem Licht besehen — nicht wundern, wenn das eins dieser berüchtigten CIA-Gefängnisse wäre, von denen unlängst in den Medien so angeregt berichtet wurde. Weiß man's? Heutzutage ist ja alles möglich. Das einem der Nachmittagstee mit einem gerüttelt Maß an Polonium 210 serviert wird beispielsweise. Da sagt man dann auch nichts mehr zu.

Die großfrüchtige Moosbeere

Vor mir legt einer Waren auf das schwarze Gummilaufband. Große Zähne mahlen stumm in einer Wand aus weißem Bart in der außerdem ein Vogelpaar nistet; oberhalb des Vogelhabitates sind munter blitzende Äuglein eingelassen. Zwei Tüten Cranberries und Molke in Plastebechern. Väterchen wünscht wohl ein Molkecranberrymischgetränk, man sagt den rötlich glänzenden Früchten ja die dollsten Sachen nach. Vor der gläsernen Türe, hinter einem hohen Schneewall, aus dem oben die Werstpfähle lugen, kreischt die Elektrische. Orange treiben die nassen Flocken nach Osten. Hurvinek, der Stift, hat sich im Zuge der Zeit zu einer recht guten Kassenkraft gemausert. Heute entgleitet ihm nimmer mehr die Rolle mit dem Hartgeld. Einst, mit kleinen Hände fahrig zuckend, die Knute des Lehrherren stets vor Augen, hat er einmal hundert Münzen auf dem Boden verstreut, dabei über beide Ohren errötend. Nein, der hat sich eingefuchst, möchte ja auch sein — zweites Lehrjahr. Diese Woche im Angebot: Madeleines. Die transparente Vorteilspackung zeigt sich von Ihrer Schokoladenseite, biedert sich dem Verbraucher zudem als wiederverwendbare Haushaltsbox an. Andere warten mit Branntweinpullen und gefrorenen Schweinehälften. Hier taucht man selbst Streusselkuchen nicht in den Tee. Mit den Pelzstiefeln unstet in Schmelzwasserpfützen Stampfende, kalte Tropfen an spitz geschnitzten Nasen aus sibirischer Tanne.

16:35 Uhr

Ich trug einen dunkelblauen Trainingsanzug. Aus vom Staub ermatteten Metallrohren wabert der Geruch von Tiefkühlherzhaftigkeit. Tiere, deren Tod in Maschinen eintrat, werden hier zu abstrakten Waren verarbeitet. Der jetzt wieder kondensierende Atem bietet stets einen anschaulichen Eindruck vom aktuellen Lungenvolumen.

Normalzeit

Aus dem Dunkel des Werksgeländes läuft eine schwarzweiße Katze. Nasser Wind klebt müdes Laub in Nischen aus Beton. Spitze Schritte, im flachen Lichtkegel zögerlich. Entfernt schlägt eine Autotür. Bewegte Schatten sind zarte Schulterblätter aus Fell. Tropfend glänzt eine vergilbte Laterne im Zinkblech.

Westberlin

Heute bin ich seit Jahren mal wieder am Bahnhof Zoo ausgestiegen. Ein Bahnhof der kein Tor zur freien Welt mehr ist, hier hält nur noch die Regionalbahn. Geblieben ist ein in Frontstadtjahrzehnten abgelagertes Bahnhofsviertel, das mehr bietet als die üblichen fettigen Croissants und Krawatten mit Micky-Maus-Motiven. Eine lärmige Passage zum Beispiel, die Wände mit brauneloxiertem Aluminium verkleidet. Bumsmusik und Leuchtreklame wirbt um Kunden für das schnelle Glück. Einzelkabinen, Wettbüros, Pornokinos, Schnellimbisse, halbseidene Wechselstuben sowie mit — von Alkohol lebenden — Fossilien bevölkerte Traditionskneipen aus denen Nikotin und kalter Bulettenhauch wabert. Handretuschierte Ansichtspostkarten der Spandauer Zitadelle und des Funkturms. Unveränderter Nachdruck seit 1976. Windige Südländer treten zügigen Schrittes aus dem Dunkel und bieten zunächst pantomimisch, später zischelnd Genussgifte an. Zum langsamgehen verdammt, die zombiehaft herumwankenden Fußgänger sind schuld. Eine Besorgung schickt mich hierher, die Ware wurde in den Geschäftsräumen des Anbieters hinterlegt, man kann nicht alles bei Amazon kaufen. Mehr

Märkische Landschaft

Vielleicht direkt den Bahndamm überqueren? Hier ist kein Weg oder derer viele. Sandige Rechtwinkligkeit rahmt ausgedehnte Weiden und Rapsfelder ein. Gefühlte sieben Minuten fährt ein Güterzug vorüber, eine lange, horizontale Linie aus Containern, blau und rot lackiert, die Farben gebrochen von Staub und Rost. Kühe glotzen stoisch über schlammige Kanäle. Agrarisches Rasterland ohne ausgeprägte Vertikalen, mal ein Kirchturm oder ein Mast für Mobilfunk. Auf dem Bahndamm, kilometerweite Gleise, die sich im Fluchtpunkt verlieren. Jenseits der Eisenbahntrasse ein Feld mit stehenden und liegenden Heuzylinderabschnitten. Weglose Agrarfläche, bis zum Horizont mit dem Auswurf einer Ballenpresse übersät. Immer wieder Gräben, die zu breit sind zum Springen. Also dem Verlauf eines Grabens folgen, zurück zum Bahndamm oder in den Wald. Besser Wald. Ein Urwald, die Vegetation wird schlagartig dichter. Brennesseln, Schilf, unter den Turnschuhen beginnt der Boden sumpfig zu schmatzen. An der schweißnassen Haut kleben zahllos gierige Mücken. Enten, die am schlammigen Ufer des Kanales lagerten, fliegen auf. Rechts der trübe Wasserlauf, links verwitterte Betonpfähle und Stacheldraht, der sich, durchgerostet, in Augenhöhe frei umherwindet. Pappelluft und Ruinenreste, Schweinemast oder Militär vielleicht — früher. Mehr als mannshoch sind die Brennesseln hier, zu den Mücken gesellt sich die aufgeschreckte weiße Tigermotte, welche hier in reicher Zahl auf den Blättern sitzt. Umgeben von Grünmasse, die zurückliegend gebahnte Schneise scheint sich umgehend wieder zu schließen. Im Rücken schallt ein weiterer Güterzug durch die Mark. Ein fernes Motorradgeräusch beschreibt in Gedanken den Verlauf einer Straße im Nordosten. Mehr

Dachs in der Stadt

Füchse sind schon seit langem, auch vermehrt abseits von S-Bahntrassen und langgestreckten Grünzügen, in der Stadt anzutreffen. Heute sah ich zum ersten Mal, wenn auch nur kurz, einen Dachs in Berlin. Das marderartige Tier, mit dem charakteristisch schwarzen Streifen im ansonsten weißen Gesichtsfell, wohnt im maroden Fundament einer verfallenen Baracke. Sehe ich aus dem Fenster nach links, so erblicke ich ein, abends durch rote Baustellenlampen gesichertes, stetig größer werdendes, gähnendes Loch im Asphalt, welches mittlerweile die Größe eines Kleinwagens erreicht hat. Spurlos verschwindendes Erdreich sorgt für, hoffentlich dauerhafte, Verkehrsberuhigung. Man erlaubt den Kindern mit dem Fahrrad auf der Straße zu spielen, Federball, usw. Richtung Nordwesten hatte die Sonne, spät nachmittags, einen anscheinend langsam fortschwebenden neuen Satelliten, eigentlich die detailarme Silhouette eines Fesselballons, der seine goldbraune Farbe lediglich durch die Reflexion glühender Felder erhielt. Sonst wolkenlos, mit scharfen violettroten Schnitten, in der, das zunehmend gesättigtere Cyanblau überlagernden, gelbgrau städtischen Dunstglocke. Flieger unterwegs nach Moskau oder Stockholm. Einmal auch Nordlichtsichtungen aus dem Küchenfenster.

Baumblüte

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2:00 Uhr Lauf

Gerade eben mal einen Blick aus dem Fenster geworfen. Tapp, Tapp, Tapp. Ein weißhaariger Mann in schwarz-rotem Jogginganzug hat zu dieser Stunde die volle Breite der Straße für seine Runde. Gute Zeit, so scheint es. Wieso bin ich noch nicht selber auf diese Idee gekommen?

Hahneberg

Bunker in Blau und Rot
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Nordkreuz

gleisgewirr
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Märkisches Viertel 04|06

Märkisches Viertel
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Miniröcke und Rollschuhe

Ein junger Mann ist im Begriff seinen Lenkdrachen zu bändigen. Stürmischer Wind erhebt ihn immer wieder einige Meter in die Lüfte. Leuchtend fahle Felder im scharfen Schein der Sonne vor tintig blauschwarzem Himmel. Momente der Stärke im Kräftemessen mit dem Frühlingssturm nutzt der junge Mann um sich langsam breitbeinig rückwärts gehend einem kleinen Wagen mit Sitzgelegenheit zu nähern. Glückt die Annäherung, vor allem das Platz nehmen, so fährt der Athlet vom Winde getrieben auf dem Feld im Kreis. Special Interest, aber sympathisch. Unweit liegt die Scholle vom Landwirt aufgebrochen, märkischer Sand der zur agrarischen Nutzung bestimmt ist. Wenige Kilometer weiter stadteinwärts, im Bioladen. Hier begegnet einem mitnichten strotzendes Leben, von Vitalität durchdrungener Geist, vielmehr drücken sich Menschen mit verwachsenen Gliedern und bleichem Teint an den Regalreihen entlang. Kaufen überkandidelte Öle und haben Kinder mit verantwortungslosen Namen. In einer elektrischen Vitrine zu Eis erstarrte Leiber toter Hühner, aber Bio. Ich kaufe Sonnenblumenkerne. Aha, die kommen aus China. Wieso nicht aus Mecklenburg-Vorpommern? Werden die Anbauflächen dort für andere Zwecke gebraucht? Vielleicht wuchernde Grünpflanzen für die Biodieselproduktion, damit kann man sich in absehbarer Zeit eine goldene Nase verdienen. In Wirklichkeit wird Mecklenburg-Vorpommern und Brandenburg zur Wildniss, Orte der Verbannung. Mehr

Sonne bis halb sieben

Krähen die durch den Schnee waten, hunderte kleine schwarzblaue Schatten in den orangeviolett schimmernden Feldern. Vom Rodelhang wehen die Rufe der Kinder herüber. In der Ferne ein Kühlturm dessen Abluft im Kern anthrazitfarben, fast schwarz ist, die Ränder von eisigem Lufthauch mäandernd und gleißend weiß durch die schräg von hinten einfallenden Sonnenstrahlen. »Der ist ganz lieb!« sagt die junge Frau und klimpert entschuldigend mit ihren Rehaugen. Ihr verspielter Hund hat seine großen Vorderpfoten im Sprung auf meinen Beinen abgestützt, verhindert so mein weiterlaufen. Die Dorfkirche von Lübars schlägt sechs. Ein Vater spielt rauchend mit seinen Söhnen im Schnee Fußball. Heute ist Biedermeier-Tag.

Schneeschmelze

Ponyausritt oberhalb des Märkischen Viertels, Schneeschmelze
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Auf dem Köppchensee

Das niederschlagsfreie, kalte und sonnige Winterwetter hält an. Der Köppchensee ist am Tegeler Fließ, zwischen Schildow und Lübars in einer kühlen Senke gelegen. Hier ist es vermutlich ein bis zwei Grad kälter als im besiedelten Zentrum, das Eis somit ideal zum Schlittschuhlaufen. Insbesondere in windabgewandten Lagen ist die Eisqualität des ehemaligen Torfstichs gut bis sehr gut, zumal im Gegensatz zu innerstädtischen Gewässern hier die festgefrorenen Silvesterraketen fehlen. Ein mittelgroßes, mit Röhricht und altem Baumbestand urwaldartig bewachsenes, buchtenreiches Seengebiet, zur Ostseite von einem sandigen Abhang begrenzt. Die Szenerie auf dem Eis wirkt wie eine moderne Variation niederländischer Genremalerei des goldenen Zeitalters. Goretex, Cargohosen, Mobilfunk und Eishockeyschläger. Im Gegenlicht fügen sich die Eisläufer holzschnittartig zu perfekten Arrangements. Konstellationen die in der Bewegung zerfallen und sich neu bilden. Die umgebende Landschaft und das Eis hingegen sehr tonwertreich mit reich nuancierter Farbigkeit. Mehr

Interessenkonflikt zwischen Enten und Laufsport

Manchmal, wenn es dieser Tage schon früh dunkelt, gehe ich zum Laufen auf einen von mir erst kürzlich entdeckten, recht verwunschenen Sportplatz. Das Gelände ist verwildert, mehr Wiese als Rasen. Man betritt das kleine Stadion durch eine schwergängig quietschende Tür. Es gibt wenig am Winter auszusetzen, die frühe Dunkelheit, bereits um halb fünf, gehört dazu. Üblicherweise laufe ich lieber verschlungene Wege über die Felder, wobei die Gefahr besteht, in der Finsternis knöcheltief in Schlammlöchern und Schlimmerem zu versinken. Sportplatz also. Erstaunlicherweise macht mir der monotone Stumpfsinn des Runden drehens sogar Spaß. Die, ein Fußballfeld umringende, vierhundert Meter lange Bahn ist weitgehend bar gefährlicher Hindernisse, gelegen in einem schmalen Ausläufer der Schönholzer Heide. Nebenan, hinter einem Maschendrahtzaun, ein flacher See, früher badete man dort sogar, heute höchstens Hunde. An den Ufern des trüben Gestades lagern tagsüber zahlreiche Enten, weitere spreizen, auf dem Gewässer schwimmend, ihre Flügel zum Putzen. Mehr

Märkisches Viertel am Abend

Ein kleiner Junge beobachtet ein Düsenflugzeug am abendlichen Himmel, im Hintergrund Hochhäuser
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Auf der Eisbahn

Zwei Männer mit Eishockeyschuhen im Gegenlicht
Eine Frau auf der Eisbahn im Gegenlicht
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Hobrechtsfelde

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Inspektor Terry Barker und die geheimnisvolle Moorleiche

Eine sonntägliche Radtour durch den der Stadt nahen Forst, ein Ausflugsgebiet mit Wildgatter und behaglichen Bänken zum Verweilen. Heute schallten unvermittelt reichlich Polizeisirenen durch den Wald. Am von Fröschen frequentierten Feuchtgebiet hatte man einen Leichnam entdeckt. Der Szenerie nach zu urteilen wurde wohl ein Fremdverschulden nicht gänzlich ausgeschlossen. Aus der Gruppe der Schaulustigen hatten sich zwei ältere Damen gelöst, Räder mit Körbchen an der Hand führend, die der Polizei allerlei verdächtige Beobachtungen mitzuteilen hatten, zweifelsfrei Agatha-Christie-Leserinnen der ersten Stunde. Der die Ermittlung leitende Kommissar, trug einen tadellosen grauen Zweireiher und zündete sich, seinem dunklen Mercedes entsteigend, lässig eine Pfeife an. Mehr

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