Hightatras:
Umfeld
Hobrechtsfelde

Mit dem Fahrrad entlang des Kanals, der zwischen Autobahnring und Kleingärten aus der Stadt hinausführt. An einer Stelle weitet sich der Wasserlauf zu einem Karpfenteich, auf dem schon vereinzelt herbstliches Laub schwimmt nach dem die Fische schnappen. Von dem klaren, schönen Licht des Septembers werden die am jenseitigen Ufer entlangrasenden Lastkraftwagen zu unscharfen, gleißend goldblauen Rechtecken, die sich dann scheinbar im Schatten der Pappeln auflösen. Hinter der Autobahn, überspannt von mächtigen Überlandleitungen, beginnen die ehemaligen Rieselfelder von Hobrechtsfelde, das Rauschen der Verbrennungsmotoren verebbt im dichteren Grün. Die Luft ist erfüllt von den komplexen organischen Gasen, die das zu verdörren beginnende Blattwerk in der späten Wärme verströmt. Hier leben abertausende von Libellen, die sich auf den schmalen Feldwegen sonnen, vom nahenden Fahrrad erschreckt verfinstern die zahllosen auffliegenden Mosaikjungfern den spätsommerlichen Himmel. Die bis zu 60 km/h schnell fliegenden Tiere legen ihre Eier in absterbende Pflanzenteile, die dort bis zum Frühjahr ausharren. Schön und recht wild bewachsen ist das feuchte Gelände, der Boden von Cadmium und anderen Schwermetallen verseucht, tief im angrenzenden Tann eine alte, verlassene Klinik. Am Abend, auf dem Rückweg vom Liepnitzsee bilden sich über den sumpfigen Wiesen, die einmal Klärbecken waren, langgezogene Bodennebelfelder, von Westen mit dem orangevioletten Licht der sinkenden Sonne durchstrahlt.
14. September 2005