Hightatras:


Umfeld

Interessenkonflikt zwischen Enten und Laufsport

Manchmal, wenn es dieser Tage schon früh dunkelt, gehe ich zum Laufen auf einen von mir erst kürzlich entdeckten, recht verwunschenen Sportplatz. Das Gelände ist verwildert, mehr Wiese als Rasen. Man betritt das kleine Stadion durch eine schwergängig quietschende Tür. Es gibt wenig am Winter auszusetzen, die frühe Dunkelheit, bereits um halb fünf, gehört dazu. Üblicherweise laufe ich lieber verschlungene Wege über die Felder, wobei die Gefahr besteht, in der Finsternis knöcheltief in Schlammlöchern und Schlimmerem zu versinken. Sportplatz also. Erstaunlicherweise macht mir der monotone Stumpfsinn des Runden drehens sogar Spaß. Die, ein Fußballfeld umringende, vierhundert Meter lange Bahn ist weitgehend bar gefährlicher Hindernisse, gelegen in einem schmalen Ausläufer der Schönholzer Heide. Nebenan, hinter einem Maschendrahtzaun, ein flacher See, früher badete man dort sogar, heute höchstens Hunde. An den Ufern des trüben Gestades lagern tagsüber zahlreiche Enten, weitere spreizen, auf dem Gewässer schwimmend, ihre Flügel zum Putzen.

Mit dem Versinken der Sonne beginnt für die Tiere wohl die Ruhephase, sie fliegen dann die kurze Strecke zum Sportplatz um sich in der nordwestlichen Kurve, die Schnäbel unter dem Gefieder verborgen, zur Nachtruhe niederzulassen. Es sind sehr viele Enten, die meisten sitzen auf der Aschenbahn, einige weichen auf den Fußballrasen und die Ränge aus. Aus Sicht der Wasservögel ein guter Ort, am See werden tolle Hunde ausgeführt — es ist dort nächtens recht schauerlich, kein Ort zum Schlafen. So kreuzen sich also unser Wege, Ruhebedürfnis und Bewegungsdrang kollidieren, für mich besteht keine Möglichkeit dem hitchcockesken Entenmeer auszuweichen. Nahe ich, stets versöhnliche Worte führend, sowie mein Tempo drosselnd, setzt leises Schnattern, verhaltenes Flügelschlagen und eifriges zur Seite watscheln ein. Möchte ich nach einer Runde wieder die Entenstelle passieren, so haben sich die unlängst Geflüchteten wieder an ihren ursprünglichen Platz begeben, mir so erneut den Weg versperrend. Mitunter ist die Aufregung groß, hunderte von Enten erheben sich dann, den Himmel verfinsternd, in die Luft, drehen schnatternd eine Runde um den, aus dem schwarzem Porphyr der früheren Reichskanzlei gehauenen, nahebei zur Andacht stehenden, Obelisken und landen, sobald sich die Erregung gelegt hat, das Gefieder aufplusternd wieder in der Nordkurve.

16. Dezember 2005
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