Hightatras:


Warenwelt

Einfach mal mit Caramba beigehen

Ja dahamwa die für 18,95 und hier die für 35, müsstense sesich ansonzen mal an den Kollegen wenden an unsan Servicepoint sagt die junge Frau, deren Antlitz von Sternenstaub überpudert zu sein scheint, welche ich in der Gartenscherenstraße anspreche mit einer recht speziellen, ihr Fachwissen übersteigenden Frage. Der Mann schleudert umständlich seine rechte Hand von sich, auf Augenhöhe, spreizt Daumen und Zeigefinger, daß man die Gelenke knacken zu hören vermeint, schiebt nervös die aus Horn gearbeitete Brille zurück auf ihren angestammten Platz im Zenith des Nasenflügels. So, sie können die Ware nicht liefern, aha, er hat sich ein wenig in Rage geredet und schlägt mit der Hand auf ein, mit verschiedenen, der Schriftfarbe nach zu urteilen auch zeitlich auseinanderliegenden, Notizen versehenen, Prospekt, der die diversen Farbnuancen eines Produktes vorstellt, vornehmlich Pastellfarben, es dreht sich wohl um eine Swimmingpoolabdeckung oder so. Wir befinden uns am Informationsschalter eines großen Gartencenters, ich trat an den Tresen da ich gedenke mich nach dem Korrosionsverhalten der Schneide einer zum Kauf ins Auge gefassten Gartenschere zu erkundigen. Ja, gibt die Zentrale raus, da könn wir nichtsmachen, sagt der Mann hinter dem Schalter, ich sag ihnen nur das was hier im Rechner steht. In einer Aktentasche, welche nahe den sommerlich durchbrochenen Wildlederschuhen des Fragestellers herumlungert, befindet sich, nun sichtbar werdend, ein in Klarsichtfolie geschlagenes Buch, welches unter unabsichtlicher menschlicher Einwirkung, durch fortwährende Knüffe und Püffe ein wenig nach vorne, dem Lichte entgegen rutschte. Der Schutzumschlag des Bandes wird von einem ausdrucksstarken photographischen Wolfsportrait in schwarzweiß und dem in altertümlicher Scriptschrift scharlachrot gesetzten Titel, Wolfsblut von Jack London, bestimmt. Eine verblüffende Koinzidenz, trug doch ein in die rote Griffschale der Gartenschere reliefartig eingelassener, schön stilisierter Wolfskopf nicht unerheblich zu meiner, zu diesem Zeitpunkt noch nicht gänzlich unerschütterlichen, Kaufentscheidung bei.

Bei dem von mir favorisierten Modell ist die, die Schneidbacken auseinanderpressende Feder zudem hinter einer stabilen stählernen Sichtblende verborgen, ferner ist die Schneidbackenarretierung recht pfiffig gelöst. Hut ab, da waren ausgeschlafene Designer am Werke! Ich bin dran, der Servicemitarbeiter richtet die Gartenschere rechtwinklig auf dem Tresen aus, parallel zu seiner Schreibunterlage, der PC-Tastatur undsofort. Die Gartenschere spricht jetzt direkt zu mir, die Unterhaltungsmusik verstummt, der ohnehin farblose Angestellte verblasst weiter, er fungiert nunmehr nur als Medium für das von der Industrie wie Qualster ausgestossene Werkzeug zur Zähmung über die Stränge schlagender Grünmasse, jenes spricht mit sonorer Stimme über ihr antihaftbeschichtetes Finish, Flugrost, eingeölte Lappen, Rückschnitt im Herbst und einiges mehr.

4. August 2007
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