Hightatras:
Warenwelt
Gangster-Rap, Musik für Fantatrinker
Es geht um einfache Menschen, die es vorgeblich durch windige Geschäfte und musikalische Neigung zu einigem Vermögen gebracht haben. Große, alles bestimmende Sorge sind gerissene Frauen, die es auf das Geld der Neureichen abgesehen haben sowie die stümperhaft üble Nachrede natterhafter Neider im künstlerischen Bereich. Die Brüste der zumeist im Hintergrund agierenden Schauspielerinnen sind vermittels Kunststoff zu stattlicher Größe aufgeplustert. Alle hier zur Schau gestellten Objekte sind Waren der Superlative. Pfeilschnelle Sportwagen, Hubschrauber, kostbare Pelze, moderne Immobilien mit Schwimmbecken. Selbst der wenig figurbetonte Trainingsanzug des Künstlers entstammt der gehobenen Preisklasse. Den Star flankierende Männer, mutmaßlich Bandenmitglieder, machen Miene in Konfliktsituationen kein Pardon zu kennen.
Sie sind trotz scheinbar milder Temparaturen — Frauen in Bikinis als Indiz — mit dicken Wollmützen und gefütterten Anoraks angetan. Ihre Aufgabe beschränkt sich allerdings momentan im wesentlichen darauf, rhythmisch zu nicken, um so den Ausführungen des Alphamännchens beizupflichten. Der muskulöse Oberkörper des Sängers ist mit schönen kalligraphischen Tätowierungen sowie goldenem Geschmeide verziert, er kann sich offenbar einen sehr kostspieligen Lebenswandel leisten. Es herrsche das Gesetz der Straße behauptet man. Mitbewerber im Rauschgifthandel werden — angeblich — mit halbautomatischen Waffen kaltblütig erledigt. Digitalisierte Schusswaffengeräusche sind in diesem Genre als martialisches Element ein obligatorisches Stilmittel der Musikschaffenden geworden.
Diese berufliche Zweigleisigkeit wirkt wenig überzeugend, einerseits prominenter Popmusiker, andererseits im Untergrund operierender Verbrecher. Erscheint doch die Grundlage jeglichen kriminellen Handelns die Verschwiegenheit zu sein. Ein freimütiges herausposaunen begangener oder geplanter Straftaten, sowie der Vertrieb solcher Selbstbezichtigungen auf Compact-Disc würde die Fahndung zu einem, an's lächerliche grenzenden Kinderspiel machen! Derlei Musik wird m.E. ausschließlich für heranwachsende Knaben hergestellt, enthält sie doch alle Elemente und Phantasien, die pubertierende Azubis im ersten Lehrjahr begeistert. Materieller Reichtum, Allmachtsphantasien, eine treue Clique mit verwegenem Lebensstil, ferner willige Frauen, die selbstverständlich nur das Eine wollen.
Aber warum Fantatrinker?
Meinte Simon am 14. Dezember 2005 um 17:36 UhrAls Sinnbild für Kindlichkeit. Nach Hause wenn die Laternen angehen, Zähne putzen, dann MTV Autos und Titten. Daktari war gestern. Na egal, Hauptsache die Überschrift ist Boulevard.
Meinte dr.no am 14. Dezember 2005 um 18:39 UhrAlso frei nach Wolf-Dieter Ahlenfelder, der ein Bundesligaspiel betrunken leitete und sich später rechtfertigte: "Wir sind Männer und trinken keine Fanta!"
Aber gerade die vermeintlichen Fantatrinker die du ansprichst trinken in Massen eher Wodka-Red Bull oder sind Alkopop-Opfer und kiffen unglaublich viel.
HipHop möchte ich aber nicht komplett verdammt sehen, da gibt es ja auch Abteilungen für Kultur und Politik und so; der massentaugliche Einheits-Gangster-Rap von MTVIVA ist ja nur ein kleiner Teil von etwas sehr umfangreichem.