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Warenwelt

Holz P*ssling

Braun, dunkelgrün und orange gestrichen ist die Betonbrücke, die sich am Südufer schneckenförmig in die Höhe windet um sich dann mit kühnem Schwung über den Kanal und die Stadtautobahn zu spannen. Am Scheitelpunkt der Fußgängerbrücke öffnet sich der Blick weit auf Westberliner Kernland. In majestätischer Scherenschnitthaftigkeit prangt die Rudolf-Wissel-Brücke vor westlichem Abendhimmel. Oben kreist ein schwarzer Schreitvogel. Ein Gemälde von Caspar David Friedrich mit marginalen Schönheitsflecken. Der Fruchthof, die Justizvollzugsanstalt auf halb drei. Am Fuße der nördlichen Betonschnecke erstreckt sich die Kleingartenanlage Heimat. Stolz flattert die Bundesfahne im Sturmwind, einige der Lauben sind im Westernstil gehalten und haben in der Regel direkten Blick auf die Bundesautobahn 100 oder die startenden und landenden Maschinen des Flughafens Tegel. Am Heckerdamm, den es zu überqueren gilt, liegt in westlicher Sichtachse der phallische Wasserturm des Jungfernheideparks, an dessen See der Vater von A einst einen Tretbootverleih betrieb. Manche der Wasserfahrzeuge waren vermittels modellierten Kunstharzes wie Schwäne oder Fabelwesen geformt. Von hier ist auch bereits das Ziel des Ausfluges zum Greifen nah. Eine Fassade in gelb und grün, ganz im Stile des Neo-Brutalismus errichtet, die Verkaufsaustellung der Firma Holz P*ssling.

Kathedrale des Heimwerkertums unter großzügigem Glasdach. Die Augen schließen und durchatmen. Zunächst Holzgeruch, dann Keramik, Steinzeug und frischausgepackte Elektrogeräte (Makita, Bosch blau) sowie die rezent feine Note von Lösungsmitteln oder Formaldehyd — was weiß ich. Eigentlich noch besser als Apotheke oder dieser unbeschreiblich herbe Geruch, den früher die S-Bahnwaggons manchmal hatten, jene mit den glänzend klar lackierten Buchenpaneelen und Bänken. Es besteht die Gefahr sich in Details zu verlieren. Schiebetürenzubehör, Oberfräsen natürlich, Knäufe, Holzkugeln, Fliesennetze und Holzpflaster, Heimsaunen und Scheuerleistenstecksysteme. Manchmal ist es auch lustig was im Baumarkt angeboten wird, weiße Holzimitat-Wandpaneele in Schleiflackoptik mit goldglänzenden Fugen, krasser Scheiß, wie die Schlafzimmer bei Denver-Clan oder Dallas. Man kennt das ja aus den Publikationen der Zeitschrift Selbst ist der Mann welche durchweg mit solch absurden Retro-Beispielen illustriert sind. Hobelware (Nadel) befriedigend. Laubholzauswahl (Bohlen, Leisten): dürftig. (*=o)

14. Januar 2007
Kommentare:

Ach ja, die Betonschnecke am Ende der Autobahnbrücke. Sehr fein für Radfahrer, ich brause da manchmal gerne nächtens runter, und zwar genau so schnell, dass mich die Fliehkraft gerade nicht an die äußere Reling quetscht, mit dem kribbelnden Gedanken "Wenn jetzt einer entgegenkommt, so unbeleuchtet, dann gibt es Tote".

Meinte Maggi am 14. Januar 2007 um 23:26 Uhr










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