Hightatras:
Warenwelt
Latha
Wir schließen, kommen Sie bitte zur Kasse, fordert mich die Kassiererin, die ihre Pudelfrisur jetzt rot getönt hat, im Bariton lispelnd auf. Und ich lispele unwillkürlich zurück, ohne mich über sie lustig machen zu wollen. Hat sie aber nicht gemerkt vermutlich. William S. Burroughs hat dieses Phänomen mal als Latha bezeichnet, glaube ich jedenfalls. Latha bezeichnet laut Burroughs das phasenweise auftretende manische Verlangen andere Menschen nachzuäffen. Und dann kommt ja das Ei. Zweimal die falsche PIN eingegeben — angeblich — Karte nicht lesbar, Fehler. Das gibts doch nicht. So EC-Karten sind ja auch son Thema, sagt sie und setzt die expressiv geformte Brille ab, die sogleich von einer Brillenkette aufgefangen wird. Es entspinnt sich ein kleines Gespräch, der sich auch die Kassiererin der Nachbarkasse anschließt, die ebenfalls ein Lied davon singen kann. Fazit: Watt soll man machen. Der neue Mitarbeiter, eine Art ergrauter, cheesy Hemden tragender Magnum — der mir einmal, an der Kasse, zwischen Kaugummis, herabgesetzten Tütensuppen der verflossenen Saison und 360GB-Firewireplatten sitzend, anvertraute, daß er die Kollegen der Käsetheke, welche die Barcodeetiketten über die scharfe Bruchkante eines Stückes Parmigiano beispielsweise kleben oder anderweitig zur maschinellen Unlesbarkeit zerknittern gerne erschießen würde — macht heute glücklicherweise Ware.
5. Dezember 2006