Hightatras:


Warenwelt

Mykorrhizapilze

Es ist recht windig. In manchen dieser schmalen Durchgänge unter den Hochäusern entstehen regelrechte Windkanäle und mit zweihundertsechzig Sachen fliegen Pappbecher und so Zeug an einem vorbei und wer nicht aufpasst dem wird der Hut fortgeweht. Nicht unweit üben häufig Jugendliche mit so überkrassen Emofrisuren Skateboardsprünge. Da ist neu asphaltiert, deswegen ist der Ort ein wenig reizvoll für die schlaffen Jungs. Man muss aber sagen, daß die Ausübung des Sportes keine Fortschritte macht soweit ich das beurteilen kann. Für mich ist die Passage des Windtunnels immer auch mit dem Klappern von auf den Asphalt fallenden Holzbrettern verbunden, einem Geräusch des Scheiterns, bislang sah ich noch keinen der Bengels einen Sprung mit Erfolg ausführen. Früher konnten die Kinder das besser. Sido und Tokio Hotel verblöden nicht nur, sie haben wohl zusätzlich auch einen überaus ungünstigen Einfluss auf die Motorik der Heranwachsenden.
In einem dienstlichen Gespräch konnte ich mich nachmittags unerwartet als Steinpilzkoryphäe positionieren, es ist nämlich so, daß Mykorrhizapilze nicht kultivierbar sind, da sie stets Kontakt zum Feinwurzelsystem von Laubbäumen suchen. Was keineswegs zur Allgemeinbildung zählt offenbar. (Es ging aber auch um minder interessante Themen wie Second Life.)
Dieses Möbelgeschäft, in dessen Geschäftsräumen stets der Fernsprecher versagt, weil alles mit gelbem Blech ummantelt ist, war heute fast ausschließlich von Schwulen, Ostlern und blutjungen Eltern in spe besucht. Werdende Väter tragen heutzutage Irokesenfrisuren und gestreifte Kapuzenpullis, das ist obligatorisch; schieben riesige Einkaufswagen durch die Gänge und die schwangere Freundin packt ganz viel Plunder und Kitsch ein für die erste gemeinsame Bude. Widerstand ist zwecklos, aber das wissen die selbst.
Höchst förmlich – und abstoßend auch finde ich den Versuch mich überall zu duzen. Die Kunden zurechtweisen wollen und dabei so schleimig duzen, ey. Mit so blöden Schildern, aber das ist den ihren Firmenphilosophie aus den siebzigern. Hallo, hier spricht Dein Einkaufswagen. Nichts habe ich übrigens gegen Hinweisschilder, welche strikte Anweisungen in kasernenhofhafter Sprache recht autoritär präsentieren. Oder so wie in Österreich.
Immerhin habe ich diesmal keine Energiesparlampen gekauft. Weil ich schon die größte Energiesparlampensammlung Europas habe, besteht kein Bedarf. Um ehrlich zu sein gefällt mir da garnichts, alles scheiße gestaltet und von blinden beinamputierten indischen Mädchen zusammengeschustert mutmaßlich. Hier: Ikea fuck off, ey. Neben den Kassenschlangen hatte der militärisch-industrielle Komplex mannshohe Kisten abgestellt, gefüllt mit Gummisandalen in geschmacklosen Farben. Gummisandalen, das ist doch was für so Fetishfreaks – oder Ostler eben, die Waren stets dann kaufen, wenn sie angeboten werden und nicht wenn sie benötigt werden – es handelt sich um ein genetisch bedingtes Phänomen, der Mann schiebt den Wagen sukzessive voran, hin zu den barcodelesepistolenbewehrten Kassenkräften und die Frau sagt so Fürnjarten, zack eingepackt, in orange, so funktioniert das. Ungnädig, wegen Kopfschmerzen – sicher dünstet der ganz Ramsch reichlich Formaldehyd aus und die Menschen müssen alle an Krebs sterben. Hauptsache die Bonzen können fette Zigarren rauchen, so läuft nämlich der Hase. Ich bin für die Revolution und daß das alles mit Sprengstoff in die Luft gejagt wird.

22. Februar 2008
Kommentare:

Kühler Text, ey.
War 'n spannender Tach, hm?
Man möchte ja dann doch wissen, was Du eigentlich bei Ikea gekauft hast, oder warst Du nur zum Lästern da?

Bombardiert Belgien! (ok: Droste)

Meinte Cara am 23. Februar 2008 um 0:33 Uhr

Pappkartons. Aus Regenwaldholz hergestellt oder bei Nacht und Nebel in Naturschutzgebieten abgesägt und ca. 120 Arten (mindestens) mussten sterben.

Meinte No am 23. Februar 2008 um 0:42 Uhr

Also über Tiere weiß ich viel , warum auch immer. Nie würde ich ein Haustier wollen. Aber das mitn Pilzen war mir neu. Kann man nicht einfach die Laubbäume mit auf die Zuchtplantage stellen?

IKEA...ja klar nerven die. Letztes Jahr hatte ich drei! Umzüge quer durch Deutschland usw.
Ich versuchte es mal mit anderen Möbelhäuser. Ich kam da an bei so einem Möbel Mann oder so. Ein riesiges Teil.
Freitag, Gehalt war da. Kaum durch das Drehkreuz kam uns einer entgegen. "Entschuldigung wir schließen in 10 Minuten"
Sage ich "Es ist zwanzig nach sechs?"
Sagt er "ja , deswegen"

Samstags dann nochmal rein. Die billigste Schreibtsichlampe 249 Euro..Na danke. Esstisch fängt bei 650 an.
Ob das Material besser war, na ich weiß nicht.

Meinte rollinger am 28. Februar 2008 um 8:39 Uhr

Müssen Sie antiquarisch kaufen, gute Vollhölzer und geil verarbeitet. Kostet weniger als man erwarten würde, insbesondere wenn der Verkäufer keine Ahnung hat. Wohl eher im Real Life, Ebay wird abgegrast von Händlern, die das hauptberuflich machen…

Steinpilze brauchen einen bestimmten Boden und leben in Symbiose mit Pflanzen. Wer Steinpilze züchten will, kann einen Buchenwald kaufen und warten. Lohnt sich aber nicht vermutlich. Man vertrat den Standpunkt, daß es noch keiner versucht habe.

Meinte No am 28. Februar 2008 um 12:15 Uhr

Es gibt so weit ich dunkel weiß, noch Versuche in Richtung Mykorrhiza mit Haselnuss, weil die wachsen schneller als Buchen. Außerdem kommen Steinpilze aber auch gern unter Fichten vor, da können Sie auch suchen: den deshalb sogenannten Fichten-Steinpilz

Meinte schmerles am 29. Februar 2008 um 17:55 Uhr










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